Kakteen in der Puppe, Vogelspinnen in der Filmdose:

Zollfahnder Ingo Klüber findet jedes Versteck

Beim Zoll ist irgendwie das ganze Jahr Ostern.

Hersfeld-Rotenburg. Es ist jedes Jahr das Gleiche: Wenn plötzlich unzählige Kinder durch die anliegenden Parks und Gärten streifen und dabei jeden Busch einzeln unter die Lupe nehmen, ist klar: Es ist wieder Ostern. Dass sich der Brauch der Ostereiersuche bis heute hält, ist nicht überraschend: Schließlich macht es einen Heidenspaß, einmal im Jahr den Spürhund zu spielen.

Ingo Klüber hat sich dieses Vergnügen zum Beruf gemacht. Allerdings handelt es sich bei seinen „Ostereiern“ nicht um klassische Schoko-Eier, sondern um Kokain und Heroin, Zigaretten, Bargeld oder teuren Schmuck. Seit 20 Jahren ist Ingo Klüber Zollfahnder. „Das ist das Schönste, was man machen kann“, sagt der 41-Jährige, für den es jedes Mal ein Erfolgserlebnis ist, wenn sich ein Verdacht als ein Treffer herausstellt.

Zigaretten im Palettenbalken: Zollfahnder Ingo Klüber ist von der Kreativität der Schmuggler durchaus fasziniert.

Nicht nur Geld und Drogen

Seit fünf Jahren ist Klüber im örtlichen Zollamt Bad Hersfeld für die Abfertigung von eingeführten und ausgeführten Waren zuständig. Zuvor hat er 14 Jahre als Zollfahnder am Flughafen Frankfurt gearbeitet – und in dieser Zeit allerhand kuriose Verstecke aufgedeckt. „Der Mensch wird erfindungsfreudiger“, berichtet Klüber, der schon Bargeld aus Säuglingswindeln und maurische Landschildkröten aus Turnschuhen hervorgeholt hat.

Denn neben Rauschgift, Bargeld oder anderen hochversteuerbaren Waren sei auch der Schwarzhandel mit Tieren ein „großes Thema“. So sei dem Zollfahnder einmal ein Flugreisender untergekommen, der „unverhältnismäßig viele Filmdosen mit sich trug“, erzählt Klüber. „Beim Schütteln der Dosen fiel auf, dass einige Behältnisse leichter als andere waren.“ Der Grund: Anstelle von Kamerafilmen befanden sich insgesamt 53 Vogelspinnen in den Dosen, allesamt für den illegalen Verkauf in Deutschland bestimmt.

Genau wie das Horn vom Nashorn oder der Stoßzahn vom Elefanten – übrigens beliebte Touristen-Mitbringsel – fällt die Vogelspinne unter das Artenschutzgesetz. Und so wurden die lebendigen Tiere kurzerhand an den Frankfurter Zoo übergeben.

Oma saß auf Zigaretten

Sein ganz persönliches Highlight sei allerdings eine ältere Dame im Rollstuhl gewesen, die während ihrer Rückreise aus Teneriffa auf zehn Stangen Zigaretten gesessen hatte. Erlaubt ist maximal eine Stange.

Um allerhand Kurioses zu erleben, ist es allerdings nicht nötig, am Flughafen zu arbeiten. So habe vor einigen Jahren ein Päckchen aus Mexiko bei den Beamten im Internationalen Postzentrum (IPZ) in Niederaula für verdutzte Gesichter gesorgt, berichtet Michael Bender, Pressesprecher vom Zollamt Hersfeld.

Auf den ersten Blick befand sich in dem Paket lediglich eine kleine Stoffpuppe in traditioneller mexikanischer Folkloretracht. Bei näherer Untersuchung stellte sich heraus, dass die Puppe acht winzige Kakteen in ihrem Bauch trug – allesamt auf der Roten Liste gefährdeter Arten. So viel Kreativität fasziniert selbst den langjährigen Zöllner.

Von Mona Linke

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