Neue Räume, neue Technik

In Notfällen laufen dort alle Fäden zusammen: Leitstelle des Kreises zieht um

+
Dort werden die Notruf-Profis untergebracht: Zurzeit werden die Planungen fertiggestellt, damit die Leitstelle des Landkreises Mitte November pünktlich im bisherigen Kreistagssitzungssaal in Betrieb gehen kann. Unser Foto zeigt Leitstellen-Chef Thorsten Bloß und Landrat Dr. Michael Koch, der auf die künftigen Räumlichkeiten zeigt.

Die Leitstelle des Landkreises Hersfeld-Rotenburg zieht an prominente Stelle: Die Notfall-Zentrale wird im Kreistagssitzungssaal in Bad Hersfeld neu aufgebaut.  

Aus den bislang beengten Räumen im dritten Stock unter dem Dach des Landratsamtes wechselt die Leitstelle, die für die Menschen im Landkreis rund um die Uhr in allen Notsituation die Einsätze von Rettungsdienst und Feuerwehren und Vieles mehr koordiniert, in den Kreistagssitzungssaal im Nachbargebäude.

„Wir sind froh, dass wir diese wichtige Einrichtung vor Ort behalten“, sagt Landrat Dr. Michael Koch. Überlegungen der Landespolitik, die Rettungsleitstellen mehrerer Landkreise andernorts zu zentralisieren, seien damit nach langem Ringen vom Tisch. Die räumliche Nähe zur Kreisverwaltung und die Kenntnisse der Disponenten vor Ort seien in so manchem Notfall von unschätzbarem Wert.

Nun gelte es, die in die Jahre gekommene Technik der Leitstelle den aktuellen Anforderungen der Digitalisierung anzupassen: „Das Land drängt auf die Angleichung – und dem wollen und müssen wir nachkommen“, sagt Koch.

Neue Richtlinien: Alles braucht mehr Platz

Was auf bislang 50 Quadratmetern im Dachgeschoss untergebracht ist, braucht nach den neuen Richtlinien deutlich mehr Platz: 25 Quadratmeter pro Arbeitsplatz – fünf davon wird es im bisherigen Kreistagssitzungssaal künftig geben – sind in der neuen Leitstelle Pflicht.

Und auch für den Technikraum müssen neue Vorgaben erfüllt werden: Sämtliche Geräte müssen künftig in nur noch einem klimatisierten Raum auf 60 Quadratmetern untergebracht werden. Ein Anbau zwischen dem jetzigen Gesundheitsamt und dem Kreistagssitzungssaal ist nötig, um hierfür Platz zu schaffen. Ziel der Kreisverwaltung ist es, am 15. November mit dem Umzug fertig zu sein.

Zu klein und technisch nicht mehr auf dem neuesten Stand: Die Leitstelle des Landkreises Hersfeld-Rotenburg ist zurzeit im obersten Stock des Landratsamtes untergebracht. Unser Foto zeigt die Leitstellen-Mitarbeiter Maik Miltenberger und David Ehmer, von links, an ihrem bisherigen Arbeitsplatz.

Neue Technik und neue Tische, die vom Land Hessen bereitgestellt werden und für den Einbau abrufbar sind, ermöglichen es, dass die Leitstelle reibungslos umziehen kann. „Wir können bis zur letzten Minute in unseren alten Räumen arbeiten, während die neue Technik aufgebaut und getestet wird. Nichts muss umgebaut oder im laufenden Betrieb improvisiert werden“, sagt Thorsten Bloß, Leiter des Fachdienstes Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz beim Landkreis. 

Im Normalfall arbeiten in der Leitstelle zwei Disponenten im Schichtdienst. Bei Großlagen wie zuletzt Sturm Friederike vor knapp einem Jahr seien allerdings alle Plätze vonnöten. Bei dem geplanten nahtlosen Umstieg würden die Disponenten mit einer funktionierenden Technik ohne Risiko starten, sagt Bloß.

Auch die Stabsräume ziehen ins Nebengebäude des Landratsamtes

Der Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft am Mittwochabend war wohl die letzte Großveranstaltung im bisherigen Kreistagssitzungssaal. Jetzt wird er vorbereitet, um die neue Leitstelle des Landkreises dort aufzunehmen. 

Auch die alten Stabsräume – annähernd 20 Jahre alt – ziehen in das Nebengebäude des Landratsamtes um. Denn die Zentrale für Information und Kommunikation und der Katastrophenschutz sollen in räumlicher Nähe zur Leitstelle liegen. „Auch das soll nach dem Umzug der Leitstelle ins neue Gebäude realisiert werden“, sagt Thorsten Bloß. Sein Fachdienst findet langfristig im ersten Stockwerk, wo sich bisher die Landratsamts-Kantine befindet, Platz. „Dies wird allerdings erst dann der Fall sein, wenn der Anbau zur Erweiterung des Kreishauses vollzogen ist“, erklärt Bloß. Zurzeit laufe die technische Bestandsaufnahme durch Architekten und Fachplaner, die eine Entwurfsplanung erstellen. Die endgültige Planung und der Bauantrag werde in den kommenden Wochen fertiggestellt. 

„Zum 15. November 2019 wollen wir alles soweit fertig haben, dass der Schalter umgelegt werden kann“, sagt Bloß. 13 Disponenten und ein Administrator werden dann in den neuen Räumen im bisherigen Kreistagssitzungssaal ihre Arbeit aufnehmen. Die Kosten für den gesamten Umzug inklusive Umbauten, Technik und allem drum und dran belaufen sich auf rund zwei Millionen Euro. 

Finanziert werden sie durch Geld vom Land Hessen, das den Großteil der neuen Technik bezahlt, und den Krankenkassen sowie einem Anteil des Landkreises. Der finanziert auch 20 Prozent der Personalkosten. Die restlichen 80 Prozent werden von den Krankenkassen über die Rettungsdienst-Gebühren eingenommen. „Auch die Refinanzierung des Umzugs funktioniert über die Rettungsdienst-Gebühren“, erklärt Landrat Dr. Michael Koch. 

25.000 Rettungsdienst-Einsätze, 1200 Mal die Feuerwehr: Zahl der Einsätze steigt 

Eine lokale Leitstelle zu haben, halten Koch und Bloß für unerlässlich. Muss der Katastrophenfall ausgerufen werden, ist hierfür der Landrat zuständig – „und da finde ich es wichtig, die Leitstelle in räumlicher Nähe zu haben, auf kurzem Weg dorthin gelangen zu können und eine solche Entscheidung nicht etwa aus der Ferne am Telefon fällen zu müssen“, sagt Koch.

Rund 25.000 Rettungsdienst-Einsätze und 1200 Feuerwehr-Alarmierungen werden inzwischen pro Jahr von der Leitstelle in Bad Hersfeld koordiniert. „Verglichen mit vor 20 Jahren hat die Zahl der Einsätze stark zugenommen – es sind jährlich rund 9000 mehr“, berichtet Bloß. Auch das zeige, dass Investitionen in diesen Bereich immer wichtiger würden. Dabei sei gerade eine gute Ortskenntnis der Disponenten von Bedeutung: „Die Erfahrung zeigt, dass man sich nicht immer nur auf die Technik verlassen kann“, sagt Bloß.

Rescue Track – eine Möglichkeit, den Standort von Rettungswagen, die unterwegs sind, zu bestimmen und diese zu Notfällen direkt umleiten zu können – oder moderne Navigationssysteme seien große Hilfen, aber eine gute Ortskenntnis der Disponenten sei oft noch wertvoller. „Unsere Mitarbeiter wohnen alle im Landkreis – wenn eine Großlage es erforderlich macht und wir schnell mehr Personal brauchen, sind die Kollegen dann auch schnell an ihrem Arbeitsplatz – und das passiert nicht selten“, sagt Bloß. 

„Im Notfall ist es halt von unschätzbarem Wert, zu wissen, wo zum Beispiel die Lange Heide ist“, sagt Landrat Koch. Und dass sich Disponenten und Feuerwehrleute persönlich kennen, sei zudem oft hilfreicher als manche technische Finesse.

Hintergrund: Kreis erhöht die Rettungsdienst-Gebühren

Aufgrund des anstehenden Umzuges seiner Leitstelle hatte der Landkreis Hersfeld-Rotenburg die in regelmäßigen Abständen vorgenommene Anpassung der Rettungsdienst-Gebühren in den vergangenen Jahren zunächst ausgesetzt. Zuletzt waren die Gebühren, die die Krankenkassen dem Landkreis als Träger des Rettungsdienstes für seine Disponierungsleistung der Einsätze erstatten, 2015 angepasst worden. 

Da inzwischen eine Kalkulation für die Planungsleistungen, Gebäude sowie technische Gebäudeausrüstung, EDV-Hardware und Mobiliar vorliegt und auch die Kosten für das Personal der Leitstelle feststehen, hat der Kreistag in seiner Haushaltsdebatten-Sitzung im November die neue Festlegung der Rettungsdienst-Gebühren mit großer Mehrheit beschließen können. 

Die neue Gebührensatzung, die zum 1. Dezember 2018 in Kraft getreten ist, sieht vor, dass für jeden erteilten Auftrag für die Notfallversorgung und den qualifizierten Krankentransport eine Gebühr von 66,64 Euro erhoben wird. Zuvor waren es 46,94 Euro. Über die Gebühr wird auch der Umzug der Leitstelle refinanziert.

Kommentare