Tagung der Freilicht-Theaterorte in Bad Hersfeld

Festspielstädte wollen sich unterstützen

+
Geballte Theaterkompetenz: Die Arbeitsgemeinschaft der „Zehn Deutschen Festspielorte“ tagte diesmal in Bad Hersfeld. Foto: Steffen Sennewald

Bad Hersfeld. Vertreter von zehn Festspielorten haben sich in Bad Hersfeld zu ihrer Jahrestagung getroffen. Dabei ging es um Erfahrungsaustausch und verstärkte Zusammenarbeit.

Ob vor der Stiftskirche in Bad Gandersheim oder in der Stiftsruine in Bad Hersfeld, ob in der Burgruine von Bad Vilbel oder im Schlosshof von Ettlingen, ob im Kreuzgang von Feuchtwangen oder im Burghof von Jagsthausen, ob auf der Felsenbühne Rathen in der Sächsischen Schweiz oder auf der riesigen Freilichttreppe vor St. Michael in Schwäbisch Hall, ob im romantischen Innenhof der Genovevaburg in Mayen oder auf der Luisenburg in Wunsiedel – überall wird im Sommer Theater gemacht.

Aber nicht einfach nur Theater, sondern Sommerfestspiele, die das einzigartige Ambiente des Ortes als Kulisse mitspielen lassen. Hier werden Freilichtspiele der Extraklasse geboten, die sich in der Arbeitsgemeinschaft „Zehn Deutsche Festspielorte“ zusammengefunden haben.

Nach ihrer turnusmäßigen Tagung in Bad Hersfeld zog Joern Hinkel, Intendant der Bad Hersfelder Festspiele, ein kurzes Resümee der AG. In der Saison 2018 besuchten demnach mit 666 000 Zuschauer 33 000 mehr als 2017 die Aufführungen in diesen zehn Festspielorten. Die durchschnittliche Auslastung lag damit knapp über 80 Prozent.

Als Trend kristallisierten sich vor allem die Musicalaufführungen mit weit über 90 Prozent Auslastung heraus. Besonders begehrt waren auch Karten für Komödien und Kinderstücke. Jugendstücke seien hier jedoch noch weiter ausbaufähig. Das klassische Schauspiel bringe im Moment die geringste Quote. Hinkel gab allerdings zu bedenken, dass 30 000 Menschen, die sich einen Wilhelm Tell anschauten, doch eine recht hohe Zahl darstellen, sogar mehr als an manchem Stadttheater.

Auf der Tagung stellte sich heraus, dass allenthalben gebaut wird, da sich die Festspiele in den letzten 20 Jahren enorm weiterentwickelt hätten. So sei erst einmal massiv in Technik und Bühnen investiert worden. Nun zeige sich, dass in Probenhallen, Werkstätten, Überdachungen, Wege und Infrastruktur investiert würde. In Schwäbisch Hall wird sogar das alte hölzerne „Globe“ komplett neu errichtet und im März passend mit „Was Ihr Wollt“ eröffnet.

In Ettlingen wird es 2019 mit „Die Zauberflöte“ auf Initiative der neuen Intendantin Solvejg Bauer eine Oper geben. In dem Zusammenhang wurden die Chancen, Risiken und Finanzierung von Freilichtopern diskutiert. Passend hierzu wurde auch die Wertschöpfungsanalyse der Bad Hersfelder Festspiele aus 2017 durch die Hochschule Worms in einem Vortrag vorgestellt.

Der Intendant der Kreuzgangfestspiele Feuchtwangen Johannes Kaetzler führte bereits 1996 bei den Bad Hersfelder Festspielen Regie bei Johann Wolfgang Goethe’s „Faust“. Er betonte die enge Verbundenheit der Mitarbeiter und der Intendanten der zehn Festspielorte, die in nur zwei Monaten eine enorme Leistung erbringen würden. Und es sei auch erstaunlich, wie wenige Leute eigentlich diese Theaterfestspiele organisieren.

Die Frage einer möglichen Konkurrenz der zehn Freilichtbühnen verneinte Kaetzler schon wegen der Entfernung zwischen den Orten. Und die Festspielfreaks, die alle zehn Orte besuchen, nehmen den anderen Orten ja nichts weg.

Die Zukunft sehen sie sehr positiv, da auch in den eigenen Reihen ein Prozess der Verjüngung eingesetzt hat, der neue lebendige Impulse mitbringt. Der Intendantenstuhl sei eben nicht mehr wie früher ein „Alterssitz“ für Leute, die am Staatstheater keine Chance mehr haben und anstatt der Rente noch ein bisschen Festspiele machen. Abschließend bemerkte die neue und junge Intendantin aus Ettlingen Solvejg Bauer, dass sie durch die strukturellen Freiheiten und Flexibilität der kleinen Teams der Festspiele unheimlich viel Potenzial erkennen kann, um die Dynamik in den Festspielen mit der Bevölkerung und der Stadt entwickeln zu können.

Die Frage zu direkten Kooperationen zwischen den Festspielorten, also beispielsweise „Winnetou aus Rathen galoppiert durch das Ettlinger Schloß“, wurde mit Ansätzen bejaht. So lief der „Freischütz“ und „Die Zauberflöte“ aus Rathen schon in Wunsiedel.

Von Steffen Sennewald

Kommentare