48-Jähriger streitet Drohungen ab

Hersfelder vor Gericht: Streit um 4000 Euro bleibt weiter nebulös

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Wegen räuberischer Erpressung muss sich ein in Bad Hersfeld lebender 48 Jahre alter Roma mit kroatischer Staatsbürgerschaft vor dem Schöffengericht in der Kreisstadt verantworten.

Der Prozess hatte ursprünglich schon Anfang Mai beginnen sollen, damals war das Verfahren jedoch vorerst ausgesetzt worden, um weitere Ermittlungen anzustoßen und einen weiteren Zeugen zu laden – zu unterschiedlich und unklar waren die Angaben des mutmaßlichen Täters und des mutmaßlichen Opfers (wir berichteten). Sehr viel deutlicher wurde die Sachlage nun aber nicht. Laut Anklage soll der 48-Jährige den inzwischen erneut verzogenen Geschädigten unter anderem im Frühjahr 2018 in Bebra aufgesucht, gegen dessen Tür geklopft und getreten sowie mit „empfindlichen Übel“ gedroht haben. Dabei sei es um 4000 Euro gegangen, die der Angeklagte dem Geschädigten vor sieben oder acht Jahren in Kroatien geliehen haben will, wobei der Grund ebenso unklar blieb wie die Währung.

„Man kennt und hilft sich“, erklärte der 48-Jährige, der mitunter wild gestikulierte. „Er brauchte Geld, ich hatte das Geld.“ Dass das Geld mit einer gescheiterten Ehe im großen Kreise der Verwandtschaft zu tun haben soll, bestritt der Angeklagte, der seinerseits den mutmaßlich Geschädigten als Betrüger bezeichnete.

Einen schriftlichen Vertrag gebe es nicht, untereinander reichten die mündliche Vereinbarung und der Glaube, hieß es. Darüber hinaus sei es wegen der vielen unterschiedlichen Dialekte der heimatlosen Sinti und Roma schwierig, schriftliche Verträge zu machen. Auch für den Dolmetscher im Gericht war die Mischung aus Romanesk und Kroatisch eine Herausforderung, wie dieser freimütig zugab. Den Besuch in Bebra bestätigte der Angeklagte, er sei allerdings hineingebeten und zum Kaffee eingeladen worden und schließlich habe sein Gegenüber ihm 500 Euro gegeben.

So erzählte es auch ein aus der Nähe von Detmold angereister Zeuge, der auch schon bei der einstigen Geldübergabe dabei gewesen sein soll. Der Angeklagte habe lediglich laut gesprochen, was er aber immer tue. Ebenso friedlich sei ein späteres Gruppentreffen in Sorga verlaufen, das das Problem ganz ohne gerichtliches Zutun lösen sollte. Das sagte auch ein weiterer Zeuge aus, der entgegen ersten Annahmen allerdings bestritt, dort als Schlichter oder Moderator aufgetreten zu sein.

Von den Drohungen beziehungsweise der Erpressung hatten der Schuldner und weitere Angehörige bei der Polizei erzählt, als es um eine Körperverletzung in Friedewald ging. Der mutmaßlich Geschädigte selbst ist erst für den nächsten Verhandlungstermin in einer Woche geladen. Ein Ordnungsgeld in Höhe von 150 Euro oder ersatzweise drei Tage Ordnungshaft wurde gegen zwei Söhne verhängt, die der Verhandlung als Zeugen unentschuldigt ferngeblieben waren. 

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