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Fridays for Future: Schüler demonstrieren in Bad Hersfeld für den Klimaschutz

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Fridays for Future in Bad Hersfeld

Auch in Bad Hersfeld beteiligen sich jetzt Schülerinnen und Schüler an der Aktion "Fridays für Future" und demonstrieren vor dem Rathaus für den Klimaschutz.

An diesem regnerischen Freitagvormittag hallen Trillerpfeifen und Sprechchöre durch die Bad Hersfelder Innenstadt: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut!“, rufen die Schüler, während sie mit selbst gemachten Plakaten und Warnwesten vor das Rathaus ziehen. Die von der Klimaaktivistin Greta Thunberg initiierte Protestbewegung hat damit auch den Landkreis Hersfeld-Rotenburg erreicht. 

Unter dem Motto „Fridays for Future“ demonstrieren vorwiegend Schüler der Modellschule Obersberg in Bad Hersfeld für mehr Klimaschutz. Selbst die Abiturprüfungen halten die knapp 150 Schüler nicht davon ab, den Protest zu unterstützen. 

Protest trotz Abi-Stress

Trotz anstehender Bio-Prüfung ist beispielsweise Emma Hummel mit dabei, „weil wir endlich aufhören müssen, das Thema wegzuschieben“. Die Demonstration beginnt gegen 11.50 Uhr am Stadthaus. Von dort ziehen die Schüler – begleitet von der Polizei – durch die Innenstadt bis vor das Bad Hersfelder Rathaus, wo sie sie lautstark einen aktiveren Klimaschutz fordern.

 

So appelliert der Gymnasiast Fernand Adam an seine Mitschüler, Fahrgemeinschaften und öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. 

Neben den Schülern unterstützen auch Studenten, Berufstätige und Rentner den Protest und bringen ihre Solidarität mit den Jugendlichen zum Ausdruck. Die 67-jährige Gudrun Kramp beispielsweise ist „hoffnungsfroh, dass die jungen Leute wieder demonstrieren“ und folgt so dem Beispiel ihrer Enkelkinder, die heute in Köln protestieren. 

Auch Politiker sind dabei

Mit dabei sind auch die Landtagsabgeordneten Kaya Kindel (Bündnis 90/Die Grünen) und Torsten Warnecke (SPD), die die Proteste der Schüler ausdrücklich begrüßen. 

Organisiert haben sich die Teilnehmer über Facebook und in einer WhatsApp-Gruppe. Nadine Löhken, die die Facebook-Gruppe gegründet hat und mit ihrer fünfjährigen Tochter an der Demonstration teilnimmt, begründet ihr Engagement mit der gefährdeten Zukunft ihres Kindes. Sie lobt ausdrücklich das Engagement der Schüler: „Ich habe zwar die Facebook-Gruppe gegründet, aber die Demo wurde komplett von den Schülern am Obersberg organisiert.“ 

Zeitung lesen gab den Anstoß

Der Anstoß für eine Demo in der Festspielstadt war laut dem Abiturienten Christoph Wettlaufer vom Organisationsteam der Modellschule Obersberg, ein Artikel in unserer Zeitung über die Meinung der Schüler im Landkreis zur „Fridays for Future“-Bewegung: „Wir haben gelesen, dass die meisten Schüler an so einer Demo teilnehmen würden, wenn es denn eine in Bad Hersfeld gäbe, und da dachten wir uns: Wir sollten einfach eine starten.“ 

Schulleiter hat Verständnis

Karsten Backhaus, Schulleiter der Modellschule Obersberg, begrüßt die Protestaktion. Er stellt aber auch klar, dass die Teilnehmer mit unentschuldigten Fehlstunden rechnen müssten: „Als Schulleiter habe ich da leider keinen Ermessensspielraum, aber als politisch denkender Mensch habe ich viel Verständnis für die Proteste.“ 

Für die Demonstranten spielt dies keine Rolle. „Man hat ja später nichts davon, einen Job zu haben, wenn das Haus unter Wasser steht“, sagt der 17-jährige Leon Janik. Ein anderer Schüler stellt klar, dass er sogar darauf bestehe, unentschuldigte Fehlstunden eingetragen zu bekommen, weil der Einsatz für eine bessere Welt einfach wichtiger sei.

Von Lea Fuhrmann und Marcel Müller

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