Wenn zwei sich richtig nerven

Samstag hat auf Schloss Eichhof das Festspielstück "Indien" Premiere

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Intensive Abneigung auf den ersten Blick: Heinz Bösel (Mathias Znidarec, stehend) und Kurt Fellner (Robert Joseph Bartl) sind gemeinsam als Gastronomieprüfer in der bayerischen Provinz unterwegs, könnten aber unterschiedlicher nicht sein. 

Bad Hersfeld. Der Festspiel-Reigen geht weiter: Samstag hat am Eichhof "Indien", eine Tragikkomödie unter Regie von Joern Hinkel Premiere. Es geht um zwei Restauranttester. 

Es ist eine Geschichte über die Freundschaft, über zwei Männer, die miteinander arbeiten müssen, obwohl sie sich partout nicht leiden können und die einander dann doch nahe kommen. „Indien“ von Josef Hader und Alfred Dorfer hat heute Abend Premiere im Schloss Eichhof.

Die Tragikomödie erzählt aber auch von Träumen – von einem besseren Leben und von Exotik und Abenteuer (in Indien). Heinz Bösel und Kurt Fellner sind im Auftrag des Fremdenverkehrsamtes in der tiefsten bayerischen Provinz unterwegs und überprüfen in heruntergekommenen Landgasthöfen und Kantinen die Einhaltung der Hygiene- und Sicherheitsvorschriften ebenso wie die Qualität des Essens.

Bösel ist ein wortkarger und verbitterter Kleinbürger, der sich mit Schnitzeln zustopft, dem Alkohol nicht abgeneigt ist und gerne über die Verfehlungen der Wirtsleute hinwegsieht, wenn es ihm Vorteile bringt.

Der biedere Kurt Fellner redet dagegen pausenlos, will mit seinem Wissen beeindrucken und träumt von Indien, wo seiner Überzeugung nach alles besser ist – auch die Liebe. Die beiden lassen keine Gelegenheit aus, sich gegenseitig auf die irrwitzigste Weise auf die Nerven zu gehen und sich zu schikanieren.

Doch dann schlägt das Schicksal zu. Fellner wird von seiner Freundin verlassen und Bösel zeigt menschliche Regungen. Es entsteht eine Freundschaft, die an Tiefe gewinnt und auch weitere Krisen übersteht.

All das ist, so verspricht es die Ankündigung, „brachial komisch und tieftraurig, derb und zärtlich“.

Sowohl das Theaterstück als auch der darauf basierende Film, der 1993 herauskam, haben inzwischen Kultcharakter entwickelt. Regisseur Joern Hinkel und seine beiden Hauptdarsteller Robert Joseph Bartl und Mathias Znidarec haben sich bewusst dafür entschieden, die Geschichte in Bayern spielen zu lassen mit einem Oberbayern und einem Österreicher: „Das ist eine regelrechte Hassliebe“, meint Regisseur Joern Hinkel augenzwinkernd. Dass Bartl aus Oberbayern stammt und Znidarec wienerisch beherrscht sind weitere Pluspunkte.

Weitere Darsteller sind Peter Englert, Leopold Gmelch und Anna Veit.

Die Kostüme hat Kerstin Micheel entworfen, Livemusik gibt es von Matthias Trippner (Schlagzeug, Percussion) und Leo Gmelch (Tuba/Posaune).

„Indien“ ist im Eichhof bis zum 21. August zu sehen. Vor allem für die Vorstellungen an den Wochentagen gibt es ab dem 5. August noch reichlich Karten.

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