ZWISCHEN DEN ZEILEN

Roter Teppich, heikle Fragen und der 29. Februar

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Karl Schönholtz

Bad Hersfeld - Upcycling ist bei den Hersfelder Festspielen ein Thema. Dabei geht es um die kostensparende Wiederverwertung von vorhandenen Bühnenelementen.

Dazu passt auch die immer mal wieder gestellte Frage nach dem roten Teppich, der als solcher ja jedes Jahr nur einmal am Eröffnungstag im Einsatz ist. Ist das nicht Geldverschwendung?

Eher nicht. Der 50 Meter lange und zwei Meter breite Teppich besteht aus einfachem Messe-Rip und hat in der Spielzeit 2019 exakt 196 Euro und 35 Cent gekostet. Bei schätzungsweise 3000 Flanierern und Posierern vor und nach der Premiere ist das gute Stück so stark beansprucht, dass es für eine weitere Nutzung nicht mehr reicht. Trotzdem werden die besseren Teile eingelagert und bei anderen Gelegenheiten verwendet – etwa bei Regen zum Auslegen der Gänge unter der Bühne oder als Bodenschutz in Proben- und Lagerräumen.

Noch Fragen zum roten Teppich?

Muss das sein? Das war die Frage, die uns in den vergangenen Tagen immer mal wieder gestellt wurde, als wir über den Missbrauchsprozess vor dem Fuldaer Landgericht berichtet haben. Nicht nur das heikle Thema ist manchen Lesern unangenehm gewesen, sondern auch die Beschreibung dessen, was dem Angeklagten vorgeworfen wird.

Muss das sein? Das fragen wir uns in der Redaktionskonferenz genauso wie Sie und diskutieren entsprechend. Meistens mit dem Ergebnis: Ja, es muss sein. Der Fall Lügde, als aus vielen Blickwinkeln viel zu lange weggeschaut wurde, ist uns da die deutlichste Mahnung. Denn nur, wenn man sich bewusst macht, dass solche Verbrechen auch in unmittelbarer Nachbarschaft verübt werden können, darf man hoffen, dass der eine oder andere Fall eher früher als viel zu spät entdeckt wird.

Ein weiterer Punkt: Den Tatbestand des „schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes“ mit Juristendeutsch zu umschreiben, ist eben auch nur die halbe Wahrheit. Erst wenn – in angemessener Wortwahl – zu lesen ist, was passiert ist, erschließt sich auch das Ausmaß des Geschehens. Es muss also sein.

Der Schrecken war ihm noch ins Gesicht geschrieben, als mich neulich ein alteingesessener Herschfeller ansprach, der mit seinem Auto beinahe zweimal an derselben Stelle einen Unfall gebaut hätte. Beim Rechtsabbiegen von der Dudenstraße in die Reichsstraße hatte er durch die Hecke am Schillerplatz und wartende Fußgänger an der Ampel gegenüber dem Kino nicht gesehen, dass aus Richtung Schilde-Park mächtig Verkehr heranbrauste. Ich habe mir die Stelle selber angeschaut, die auf den ersten Blick eigentlich unproblematisch scheint. Allerdings: Wenn die Autos am Schillerplatz flott unterwegs sind, vielleicht auch flotter als die Polizei erlaubt, dann kann es schnell mal kritisch werden. Was man hier tun könnte? Auf jeden Fall extra- vorsichtig sein.

Gehören Sie auch zu den bedauernswerten Menschen, die nur alle vier Jahre ihren richtigen Geburtstag feiern dürfen? Nächste Woche ist es wieder so weit, dann steht der 29. Februar im Kalender. Oder macht Ihnen das am Ende gar nichts aus? So oder so – wir würden gerne über Sie berichten. Schreiben Sie uns doch bitte eine kurze E-Mail an redaktion@hersfelder-zeitung.de – wir melden uns dann bei Ihnen.

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