Osterbotschaft

Pröpstin Kropf-Brandau zum Karfreitag in Corona-Zeiten: An ein gutes Ende glauben

Pröpstin Kropf-Brandau zum Karfreitag in Corona-Zeiten
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Sabine Kropf-Brandau ist Pröpstin des Sprengels Hanau-Hersfeld, zu dem die Kirchenkreise Hersfeld, Rotenburg, Schmalkalden, Fulda, Schlüchtern, Gelnhausen und Hanau gehören.

Für Pröpstin Sabine Kropf-Brandau war die Einsamkeit von Jesus Christus am Kreuz selten so greifbar wie im Corona-Jahr 2020. Ein Wort zum Karfreitag. 

Heute ist Karfreitag. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ So schrie Jesus am Kreuz. Ein Schrei, der tiefste Verlassenheit ausdrückt. Verlassen von Gott und den Menschen, nur noch Angst und Schmerz und Einsamkeit und Wut. Keine Hoffnung mehr, keine Zukunft, nur noch das Dunkel der Gegenwart. Am Karfreitag 2020 drückt dieser Schrei das Gefühl unendlich vieler Menschen aus.

Das Gefühl der Verlassenheit teilen die, die jetzt seit Wochen ganz allein in ihren Wohnungen ausharren. Das Gefühl der Verlassenheit kennen die, denen die wirtschaftliche Existenzgrundlage weggebrochen ist. Das Gefühl der Verlassenheit überkommt uns mit Blick auf die, die nun ohne ihre Angehörigen sterben. Selten kamen mir all die Gefühle und Gedanken um das Leiden und Sterben Jesu so nah, wie in diesem Jahr.

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Jesu Verzweiflungsschrei, das begreife ich jetzt noch einmal ganz neu, ist der Schrei unzähliger verzweifelter Menschen. Menschen, die geschlagen sind mit Krankheit, Menschen, die das Liebste, was sie auf dieser Welt hatten, verloren haben, Menschen in Angst und Not. Menschen, die im Augenblick in Isolation leben und gegen ihre Panik ankämpfen müssen. Menschen, die auf der Flucht sind und verzweifelt Heimat suchen.

Jesus erlebt die tiefsten Tiefen des Menschseins. Er kennt das Dunkelste, was es für uns Menschen gibt. Er erfährt das Nichts des Todes. Und so ist uns dieser Gott, zu dem wir mit Jesus doch eigentlich nur schreien können, plötzlich ganz nah. Denn Gott überlässt dem Leid nicht das Feld. Aber er schafft es nicht einfach mit einer Handbewegung aus der Welt. ‚Steig doch runter vom Kreuz, wenn du wirklich Gottes Sohn bist’, haben die Umstehenden Jesus zugerufen. Er bleibt da – als Opfer.

Nicht, weil Gott Opfer braucht – das wäre ein furchtbares Gottesbild – , sondern weil Menschen immer wieder Opfer sind. Der Tod Jesu sagt uns: Du musst mit deinem Leid, deiner Angst und deiner Trauer nicht allein fertig werden. Im Leid, im Tod ist Gott da. Wenn wir an Karfreitag über Jesu Tod reden, dann kennen wir zum Glück schon die Fortsetzung. Wir lesen die Geschichte von der Kreuzigung immer von hinten, also rückwärts mit der Osterbotschaft im Kopf: Wir glauben, dass Jesus den Tod überwunden hat und lebt.

Und so scheint durch den Tod am Kreuz schon die Botschaft hindurch, dass das Leid, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Im Tod liegt das Leben, und das Leben ist stärker als der Tod. Diese Botschaft gibt mir auch am Karfreitag 2020 Hoffnung.

Hoffnung heißt, sich die Geschichte mit einem guten Ende vorzustellen und an ein gutes Ende zu glauben. Denke ich die Coronakrise – ähnlich wie Karfreitag – von einem guten Ende her, heißt das: Dass das Leben stärker ist als der Tod. Dass Liebe und Mitmenschlichkeit die Gesellschaft verändern können. Dass Gottes guter Geist unter uns lebendig ist und uns stärkt, miteinander durch diese Zeit zu gehen. Diese Hoffnung trägt mich und hoffentlich auch uns alle. Bleiben Sie behütet!

Von Sabine Kropf-Brandau

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