Wie Kobolde Kinder stark machen

Präventionsprogramm "Papilio" läuft erfolgreich in 16 Kitas im Kreis

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Marionetten zum Anfassen: Zum Abschluss dürfen sich die Kinder von den Kistenkobolden, hier Heulibold, persönlich verabschieden.

Mit dem Präventionsprogramm "Papilio" lernen Kindergartenkinder, besser mit ihren GEfühlen umzugehen. Es läuft mit Erfolg seit zehn Jahren in 16. Kitas im Kreis. 

Bad Hersfeld – „Kinder brauchen Flügel“ – das ist der Leitgedanke des Präventionsprogramms „Papilio“ (Schmetterling). Mit dem Stück „Paula und die Kistenkobolde“ war jetzt die Augsburger Puppenkiste zu Gast in Bad Hersfeld, um in drei Vorstellungen Kindergartenkindern den Umgang mit ihren Gefühlen nahezubringen.

Papilio gibt es im Landkreis Hersfeld-Rotenburg seit etwa zehn Jahren. Es fördert sie sozial-emotionalen und kognitiven Fähigkeiten der Kindergartenkinder und hilft dabei Verhaltensauffälligkeiten zu reduzieren, damit aus starken Kindern starke und selbstbewusste Jugendliche werden, die seltener zu Suchtmitteln oder Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung greifen.

Dabei ist das Puppentheater nur ein, wenn auch wesentlicher Bestandteil des Programms. Kindergartenkind Paul entdeckt auf dem Dachboden eine Kiste aus der vier Kobolde klettern. Heulibold, Zornibold, Bibberbold und Freudibold haben den Auftrag, Menschenkinder kennenzulernen, um ihre Gefühle besser verstehen zu können, und sind bei der pfiffigen Paula genau richtig gelandet, die ihnen erklären kann, was traurig oder wütend oder ängstlich sein bedeutet, und dass es ganz normal ist, auch mal negative Gefühle zu haben.

Präventionsprogramm „Papilio“: Über den Besuch der Augsburger Puppenkiste in Bad Hersfeld freuen sich (vorne von links) Katja Pfalzgraf (Papilio), Sandra Zimmer und Michael Killmer (AOK), Christina Heimeroth (Fachstelle für Suchtprävention), Regina Sahl (Landesstelle für Suchtfragen) und Horst Gerlich (Bereichsleiter städtische Kindergärten) mit den Puppenspielern Susi, Martin, Stefan und Phil und den Marionetten.

„Kinder wissen oft nicht, wie sie sich fühlen“, erklärt Anja Reyer, Papilio-Trainerin an der katholischen Kindertagesstätte zu den Heiligen Aposteln. Sie lernen mithilfe der Kistenkobolde, ihre Gefühle zu erkennen, zu benennen und darüber zu reden. Für die tägliche Arbeit im Kindergarten gibt es das entsprechende Material, sodass das Programm dort regelmäßig ablaufen kann.

Dazu gehört auch ein „Das-Spielzeug-macht-Ferien“-Tag pro Wochen an dem die Kinder die Erfahrung machen, ganz ohne Spielzeug in Absprache kreative Spielideen zu entwickeln. Auch Spiele, die soziale Verhaltensweisen einüben, gehören zum Programm.

Anja Reyer hat eine deutliche Veränderung in ihrem Kindergarten festgestellt, seit dort mit „Papilio“ gearbeitet wird. Der positive Effekt auf Kinder, Eltern und Erzieherinnen werde auch durch wissenschaftliche Studien bestätigt, betonen Katja Pfalzgraf von Papilio und Regina Sahl von der hessischen Landesstelle für Suchtfragen. Sie sind dankbar für das breite Bündnis, das hinter „Papilio“ steht und dem unter anderem die AOK als Haupt-Geldgeber angehört. Über eine Million Euro habe die AOK seit 2006 investiert, um mit Hilfe des Präventionsprogramms Kinder zu stärken, betont Michael Killmer, Beratungscenterleiter der AOK in Bad Hersfeld.

Inzwischen wurde, so berichtet Pfalzgraf, „Papilio“ auch ausgeweitet und um Programme für Kinder unter drei Jahren und für Grundschulkinder ergänzt.

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sind 16 Einrichtungen für „Papilio“ zertifiziert, davon acht aus der Kreisstadt Bad Hersfeld. 70 Erzieherungen haben an den Schulungen teilgenommen.

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