Verfahren in Bad Hersfeld

Polizist soll immer wieder zugeschlagen haben: Vor Gericht hat Freundin verdächtige Erinnerungslücken

Bad Hersfeld: Vor Gericht steht ein Polizist - Mehrere Tatvorwürfe
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Bad Hersfeld: Vor Gericht steht ein Polizist - Mehrere Tatvorwürfe

In Bad Hersfeld steht ein Polizist aus Rotenburg vor Gericht: Er soll immer wieder zugeschlagen haben. Aber das ist nicht die einzige Anklage. Jetzt wurde der Prozess fortgesetzt. 

  • Die Freundin des Angeklagten sagt vor Gericht aus.  
  • Prozessfortsetzung in Bad Hersfeld.
  • Dem Polizisten werden mehrere Delikte zur Last gelegt.

All das, was die Fuldaer Staatsanwaltschaft einem 48 Jahre alten Polizisten aus Rotenburg vorwirft, wurde am Dienstag auch am dritten Prozesstag vor Strafrichter Elmar Schnelle, im Gericht von Bad Hersfeld, dem Grunde nach bestätigt.

Doch wie heftig die Handgreiflichkeiten gegen die Lebensgefährtin und einen Nebenbuhler tatsächlich gewesen sind, ob der „Geheimnisverrat“ einen strafrechtlich relevanten Hintergrund hatte und ob die angeblich ausstehenden Rechnungen nicht schon längst bezahlt sind – all das steht noch im Raum. Denn anstelle eines Urteils gab es die nächste Vertagung, weil ein weiterer Zeuge gehört werden soll.

Bad Hersfeld: Freundin wird vor Gericht vernommen

Im Mittelpunkt stand zunächst die 23-jährige Freundin des Polizisten, Mutter eines gemeinsamen Kindes, das während ihrer Aussage vom Vater im Arm gehalten und mit Schnuller ruhig gehalten wurde.

Die Zeugin, die am ersten Verhandlungstag in Bad Hersfeld nicht erschienen war und am zweiten vergeblich versucht hatte, sich mit Hinweis auf ein Verlöbnis vor der Vernehmung zu drücken, gab sich auch diesmal alle Mühe, die gewalttätigen Auseinandersetzungen mit dem Angeklagten kleinzureden. 

Vor dem Gericht in Bad Hersfeld äußert sie sich anders als zuvor 

Sie habe ihn provoziert, sie habe ihm zuerst eine Backpfeife verpasst, und er habe sie danach wieder liebevoll in den Arm genommen. Ihre Strafanzeige hatte die Frau am nächsten Tag wieder zurückgezogen – angeblich nicht auf Aufforderung des Freundes. 

Richter Schnelle konfrontierte sie mit den Protokollen ihrer Aussagen vor der Polizei, wo sie die Vorfälle wesentlich dramatischer geschildert hatte. Von liebevollen Umarmungen stand da nichts zu lesen, stattdessen die Aufforderung „Verpiss’ dich!“

Die 23-Jährige berief sich so häufig auf Erinnerungslücken („Das krieg’ ich nicht mehr zusammen.“), dass Schnelle zum wiederholten Male auf die Möglichkeit von Beugehaft hinwies.

Bad Hersfeld: Gericht ist nicht auf einzelne Aussage angewiesen 

Das Gericht ist in diesem Prozess allerdings nicht auf die Launen einer einzelnen Zeugin angewiesen. Ein halbes Dutzend Polizeibeamte berichtete gestern von den Vernehmungen zu den einzelnen Vorfällen und zum Eindruck der Glaubwürdigkeit.

Lediglich um Details ging es beim Auftritt des Angeklagten in der Wohnung eines Liebhabers seiner Freundin. Faustschläge und Hiebe mit einem Baseballschläger ließen sich aus mehreren Aussagen verifizieren. Und die für eine frühere Freundin als Geschenk bestellte, aber zunächst nicht bezahlte Waschmaschine ist mittlerweile wohl zum größten Teil abgestottert.

Auch die angeblichen Insider-Informationen, die der Polizist der Freundin eines in Holland inhaftierten Mannes über einen Entlassungstermin zugespielt haben soll, waren möglicherweise nur eine Mutmaßung.

Nächster – und voraussichtlich abschließender – Verhandlungstermin ist Freitag, 28. Februar, um 9.15 Uhr.

Die Polizei als Täter zu sehen, fällt vielen Menschen schwer. Das Polizisten allerdings nicht per se unschuldig sind, zeigt ein Fall aus Duderstadt. Hier stand ein Ex-Polizist wegen mehreren Straftatenvor Gericht, ähnlich wie in Bad Hersfeld. 

In einem anderen Fall steht eine Seniorin vor Gericht. Ihr wird vorgeworfen einem Polizisten das Nasenbein gebrochen zu haben. Ob der vermeintlich geschädigte wirklich unschuldig ist, ist aber noch nicht klar.

Video: Demonstration gegen Gewalt an Frauen 

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