Stolz auf die alte Dame

Neues Buch über die Geschichte der Hersfelder Abtei

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Präsentieren das umfangreiche Werk „Die Baugeschichte der salischen Abteikirche in Hersfeld“ an passender Stelle: Stadträtin Birgit zum Winkel, Autorin Dr. Verena Smit, Kirsten Worms, kommissarische Direktorin der Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten und Verleger Dr. Albrecht Weiland (von links). Im Hintergrund ist die Stiftsruine zu sehen.

Bad Hersfeld. Fast 3,2 Kilogramm wiegt das 616 Seiten starke Buch „Die Baugeschichte der salischen Abteikirche in Hersfeld“, das die Autorin Dr. Verena Smit am Dienstagabend vor knapp 50 Zuhörern im Kapitelsaal des Stadtmuseums vorgestellt hat.

Keine leichte Kost für Laien, aber durchaus interessant für historisch Interessierte und alle, die (noch) mehr über das Hersfelder Wahrzeichen wissen wollen. Zu der Präsentation eingeladen hatten die Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten sowie der Verlag Schnell & Steiner, bei dem das Mittelalter und die Architekturforschung einen besonderen Schwerpunkt bilden.

Das Buch ist ein Standard- und Grundlagenwerk, und gleichzeitig Smits Doktorarbeit, die in Münster Kunstgeschichte studiert und bei der Schlösser-Verwaltung ein wissenschaftliches Volontariat absolviert hat.

Für die kommissarische Direktorin Kirsten Worms ist die Abteikirche beziehungsweise heutige Stiftsruine, die den meisten wohl vor allem als Festspielstätte bekannt sei, ein bedeutendes Bauwerk, das in einem Atemzug etwa mit dem Mainzer oder Würzburger Dom zu nennen sei. „Alte Dame“ nennt Smit die ehemalige Klosterkirche liebevoll. Im Alter von 18 Jahren sei sie in einer Vorlesung erstmals auf das „Hauptwerk salischer Baukunst“ aufmerksam geworden, und schon damals sei klar gewesen: „Da muss mal einer ran.“ Sechs Jahre lang hat Smit an dem Werk gearbeitet, wobei die Vor-Ort-Arbeit beispielsweise am Mauerwerk vor allem zwischen September und März stattfinden konnte – in der festspielfreien Zeit. Das Buch vereint und überprüft wissenschaftliche Untersuchungen der Forschung aus gut einhundert Jahren, es enthält über 100 bisher unveröffentlichte Auszüge aus mittelalterlichen Quellen und zahlreiche Abbildungen. Hinzu kommen eigene Erkenntnisse und Interpretationen der Autorin.

Es ist übrigens die zweite Doktorarbeit zur Stiftsruine, wobei die erste aus den 50er-Jahren heute widerlegt werden könne, wie Smit berichtete. In ihrem lockeren und sympathischen Vortrag ging die 32-Jährige im Wesentlichen auf drei „wichtige und spannende“ Erkenntnisse ein: Nicht haltbar ist ihrer Meinung nach die Theorie der sogenannten Kirche X. „Angeberwissen“ lieferte sie zum fehlenden Nordturm, der wegen finanzieller Schwierigkeiten oder der Katharinenkapelle samt eigenem Turm nicht vollendet worden sein könnte. Dass der Bau aus dem 11. Jahrhundert in weiten Teilen eine Kopie des Vorgängerbaus aus dem 9. Jahrhundert darstelle, begründete Smit mit dem Ansinnen, eine altehrwürdige Tradition aufrecht zu erhalten. Bei allen Rätseln, die blieben, sei jedenfalls eines sicher: „Die Hersfelder können stolz sein auf ihre Abtei.“

Hier gibt es das Buch:

Das Buch „Die Baugeschichte der salischen Abteikirche in Hersfeld“ ist Band 4 der Studien zum Kulturerbe in Hessen, erschienen im Verlag Schnell & Steiner, 616 Seiten, Hardcover, 86 Euro, ISBN 978-3-7954-3270-6. Erhältlich ist das Werk beim Verlag, in der Hoehlschen Buchhandlung in Bad Hersfeld sowie im Eingangsbereich der Stiftsruine zu den Öffnungszeiten. Erschienen ist es in einer wissenschaftlichen Auflage mit 500 Verkaufsexemplaren. Weitere Informationen zum Werk und dessen Inhalt auf www.schloesser-hessen.de. (nm)

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