„Das Fierche muss brennen“

Nach der Absage des Oktoberfests: Was wird aus Lolls?

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So schön ist unser Lullusfest: Ob auch in diesem Jahr die Lichter des ältesten Volksfestes in Deutschland brennen werden, steht zur Zeit noch in den Sternen.

Auch wenn das Münchener Oktoberfest abgesagt wurde, für das Lullusfest in Bad Hersfeld gibt es noch Hoffnung. Die Stadt wartet erst einmal ab.

Nach der offiziellen Absage des Münchener Oktoberfest richten sich nun die bangen Blicke auf das Bad Hersfelder Lullusfest, das nur eine Woche nach Ende der „Wiesn“ beginnen würde. Alle Beteiligten betonen, dass noch genug Zeit für eine endgültige Entscheidung über eine mögliche Absage des Lullusfests bleibt.

„Wir verstehen sehr gut, dass in der Öffentlichkeit ein großes Interesse an dem diesjährigen Lullusfest besteht – uns geht es nicht anders“, sagt Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling. Die Absage des Oktoberfestes sei aber nicht Maßgabe für die Hersfelder Zeitplanungen, da es doch in mancher Hinsicht nicht mit dem Bad Hersfelder Lullusfest vergleichbar ist. Es bestehe kein Anlass für „Schnellschüsse“, denn vor Ort werden kostenträchtige Maßnahmen zum Lullusfest erst im Sommer ausgelöst. „Unser Zeitpuffer ist also noch groß genug, um auch in den nächster Zeit das zu tun, was wir schon seit geraumer Zeit tun: Am Ball bleiben, alternative Möglichkeiten für „Lolls 2020“ zu durchdenken und ansonsten verantwortungsvoll mit den Erwartungen des Publikums und unserer Partner umzugehen. Es wäre aus unserer Sicht sehr fahrlässig und auch unnötig, sie alle jetzt mit einer unüberlegten und übereilten Entscheidung zu konfrontieren“, erklärt Fehling auf Anfrage unserer Zeitung.

Das Lullusfest ist nicht mit dem Oktoberfest vergleichbar, sagt auch Stefan Kopetschek, der Vorsitzende des Lullusfestvereins. „Bad Hersfeld ist viel flexibler, deshalb sollten wir mit einer Entscheidung noch abwarten“, mahnt er. Auf jeden Fall würde ein Lullusfest in Coronazeiten ein anderes sein. Wie auch immer die Entscheidung ausfällt. „Das Lullusfeuer sollte auf jeden Fall brennen“, sagt Kopetschek.

Auch Richard Krolzig lebt im Moment noch von der Hoffnung – so wie die meisten Betriebe im Unterhaltungsbereich. Der gebürtige Hersfelder, der viele Jahre mit dem Riesenrad auf dem Lullusfest war und die Schausteller-Szene genau kennt, warnt vor vorschnellen Absagen.

„Wir sollten uns da Stück für Stück rantasten, über das Lullusfest kann auch noch im September entschieden werden“, meint Krolzig, der inzwischen für einen Hamburger Schaustellerbetrieb arbeitet. Er verweist auf das Erfurter Oktoberfest, das mit Lolls vergleichbar sei und auch noch nicht abgesagt wurde. „Wir fahren im Moment alle auf Sicht, sagt Krolzig.

Auch Heiner Diestel, der mit seinem Auotscooter zum Urgestein der Schausteller beim Lullusfest gehört, setzt auf den Faktor Zeit. „Die Lage verändert sich im Moment sehr schnell“, sagt Diestel dessen Betrieb zurzeit auch völlig stillsteht.

So sieht es auch Uwe Wynohradnyk, der mit seinen selbstgebrannten Mandeln ebenfalls zum Lolls-Urgestein gehört: „Arbeitsabläufe müssen sich verändern“, weshalb zum Beispiel bei seinen Ständen überall ein Spuckschutz installiert wurde.

Für das Rotenburger Strandfest kommen alle diese Überlegungen zu spät – es wurde bereits abgesagt. Ein Desaster für Schausteller wie Otto Kaiser, der mit seiner Bäckerei unter anderem Crepes verkauft und dessen Familienbetrieb seit über 50 Jahren zum Rotenburger Stadtfest gehört. Er wurde im Schaustellerwohnwagen geboren und sagt jetzt: „Wir haben im Moment keine Einkünfte, null, nix, wir halten noch vier Wochen durch und dann ist bei bei uns Ende.

Von Kai A. Struthoff

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