Erste Sitzungen nach dem Lockdown

Mit Maske und Plexiglas vor dem Bad Hersfelder Amtsgericht

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Jede(r) für sich: Die Richterbank ist mit Trennscheiben ausgestattet. Von links: Protokollführerin Johanna Drewer, Schöffin Evelin Schwandt, Richterin Michaela Kilian-Bock und Schöffe Jörg Scharfe.

Mit zwei Strafprozessen des Jugendgerichts hat das Amtsgericht Bad Hersfeld fünf Wochen nach dem Corona-bedingten Herunterfahren des Publikumsverkehrs den Sitzungsbetrieb wieder aufgenommen.

„Überschaubare Verhandlungen mit wenigen Beteiligten sind wieder möglich“, sagt Amtsgerichtsdirektorin Michaela Kilian-Bock. Zudem wurden die Sitzplätze des Gerichts und der Protokollführerin durch Plexiglasscheiben voneinander abgetrennt. Auch halte das Gericht Atemschutzmasken bereit, sodass im Rahmen des Möglichen größtmögliche Sicherheit bestehe, berichtet Kilian-Bock von Schutzmaßnahmen.

Im großen Sitzungssaal sind allerdings die Stühle für die Zuschauer bis auf einige wenige abgeräumt. Auch die Plätze aufseiten von Staatsanwaltschaft und Verteidigung sind auf Abstand gestellt. Ein Tisch vor der Richterbank sorgt ebenfalls für Distanz. Aktuell werden lediglich vier geeignete Sitzungssäle genutzt.

Das erfordere enge Absprachen unter den Richtern, sagt die Direktorin. Davon abgesehen seien sie und ihre Kollegen frei in der Gestaltung der Verhandlungen. Ob überhaupt, ob mit Mundschutz oder ohne – hier greife die richterliche Unabhängigkeit. Auch am Amtsgericht Bad Hersfeld wird dies verschieden interpretiert.

Auch während der Wochen des Notbetriebs sei das Gericht arbeitsfähig gewesen, berichtet Kilian-Bock. Haft- und Eilsachen wurden wie gewohnt sofort bearbeitet, die Rechtsantragsstelle im Eingangsbereich positioniert. Besonders stolz ist Kilian-Bock auf die Flexibilität ihres Personals. Die Arbeit im Schichtbetrieb habe so gut funktioniert, dass Rechtspfleger und Servicekräfte sogar an Wochenenden in ihren Büros anzutreffen waren, um die Präsenz der Mitarbeiter zeitlich möglichst großflächig zu verteilen. Einen Stau aufgeschobener Arbeiten und Verfahren befürchtet sie nicht. Auch habe man sogleich einen „Pandemie-Stab“ im Hause eingerichtet, um die organisatorischen Angelegenheiten auf kurzem Wege regeln zu können.

Als jetzt wieder Sitzungen stattfanden, war sich Kilian-Bock der besonderen Situtation nur allzu bewusst: „Wir schreiben Geschichte“, sagte sie, als sie zwischen den Trennscheiben auf der Richterbank Platz nahm und auf die in großem Abstand gestellten Tische und Stühle im Saal blickte.

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