Wie geht es weiter mit der kreiseigenen Erholungsstätte auf Fehmarn?

Jufa-Hotels aus Österreich würde Millionen in Meeschendorf investieren

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Die kreiseigene Ferienanlage in Meeschendorf auf Fehmarn. 

Es geht um die Zukunft der kreiseigenen Ferienstätte in Meeschendorf auf Fehmarn: Das österreichische Unternehmen Jufa-Hotels würde dort Millionen investieren. 

Hersfeld-Rotenburg – Das österreichische Unternehmen Jufa Hotels wäre bereit, einen zweistelligen Millionenbetrag in die Ferienanlage des Landkreises Hersfeld-Rotenburg in Meeschendorf auf Fehmarn zu investieren. Das sagte Landrat Dr. Michael Koch im Gespräch mit unserer Zeitung.

Entscheidet der Kreistag bei seiner Sitzung am 3. Juni für eine Erbbaupacht mit Jufa Hotels, soll noch im gleichen Monat der Vertrag festgemacht werden, so Koch: „Jufa hat die Expertise, die uns fehlt“, wirbt der Landrat für das Projekt. Laut Entwurf der Österreicher soll auf dem mehr als ein Hektar großen Gelände am Fehmarner Südoststrand ein Familienhotel entstehen. Für Besucher aus dem Landkreis soll es nun doch keine Sonderkonditionen geben – stattdessen wird ein Belegungskontingent bevorzugt, mit dem ein höherer Pachtzins zu erzielen ist. Damit entstünde für Urlauber bei zeitiger Anmeldung ein Belegungsrecht, aber keine Belegungspflicht.

Zuschuss für Familien und Schulklassen?

Zudem gibt es die Überlegung, mit dem angestrebten Pachtzins von jährlich rund 70 000 Euro den Urlaub von einkommensschwächeren Familien und Schulklassen auf der Sonneninsel zu bezuschussen. Das dürfte auch ein Ausgleich für den zu erwartenden Anstieg der Preise nach der Übernahme durch das österreichische Unternehmen sein. Jufa sei nicht für Urlaub im Hochpreissegment bekannt, betonte Koch. Eine Entscheidung über die Verwendung des Pachtzins – der dem Landkreis als Reingewinn zukommen würde, da der Pächter die anfallenden Kosten trägt – wird erst nach der Sitzung im Juni fallen.  

Dennoch gibt es einen Zeitplan, sollte sich der Kreistag für die Erbpacht aussprechen. Der Kreis will vertraglich festhalten, dass bis Ende 2020 ein Bauantrag für Meeschendorf gestellt ist. 2023 soll das Familienhotel bezugsfertig sein. In Österreich schaut man auf den Kreistag: „Wir warten die Entscheidung am 3. Juni ab“, so Jufa-Pressesprecher Martin Omann auf Anfrage.

Mehrere Szenarien

So sieht das Jufa-Hotel am Hamburger Hafen aus.

„Leute, die gegen eine Veränderung sind, wissen nicht, was vor sich geht“, sagt Landrat Dr. Michael Koch über die kreiseigene Ferienanlage in Meeschendorf auf Fehmarn. Am Montag entscheidet der Kreistag darüber, ob diese per Erbpacht für 75 Jahre an das österreichische Unternehmen Jufa Hotels gehen soll. Das Erbbaupachtrecht ist eine der Optionen des Gutachtens, mit dem die Firma Horwath HTL Germany Szenarien für die Zukunft der kreiseigenen Anlage erarbeiten sollte. Von einer grundlegenden Sanierung durch den Kreis (Kosten: etwa drei Millionen Euro) oder einem Abriss und Neubau (rund zehn Millionen Euro) hatte Horwarth abgeraten. 

Das verbleibende Szenario – den Verkauf der Anlage – hatte der Kreistag bereits im vergangenen Jahr abgelehnt. Eine Erbpacht sei kein Verkauf auf Raten, sagt Koch: „Wir verpachten jetzt schon dauerhaft.“ Allerdings sei ein Interessent eher bereit, zu investieren, wenn er längere Sicherheit habe. Auch mit dem Schülerfreizeitzentrum (SFZ) Ilmenau habe es Gespräche gegeben, dort sehe der Landkreis aber „keine wesentlichen Potenziale“. 

Die Thüringer sind die derzeitigen Pächter in Meeschendorf. „Es ist nicht alles schlecht“, sagt der Landrat über die Zusammenarbeit mit dem SFZ, in Eigenregie seien die Verluste für den Landkreis noch höher gewesen. Und betont: „Ich werde nicht kündigen, bis ich einen neuen Vertrag habe.“ Am 23. Juni 2021 tritt der 150-Meter-Küstenschutzstreifen auf Fehmarn in Kraft. Bis dahin muss Baurecht auf dem Gelände am südöstlichen Strand der Ostseeinsel geschaffen sein. 

Emotionale Debatte

Die Befürchtung, dass die Meeschendorf-Anlage bei der Flut der Bebauungspläne, die das Parlament in Fehmarn bis dahin zu bearbeiten hat, untergeht, teilt der Landrat nicht. „Nach meinem Eindruck hat es beim Bürgermeister von Fehmarn durchaus Priorität, dass bei der Anlage etwas passiert.“ Die Entscheidung über die Zukunft der Ferienanlage ist emotional und politisch aufgeladen – und das nicht erst seit dem abgelehnten Verkauf. Koch wurde wiederholt auch persönlich scharf kritisiert. 

Der Landrat appelliert daran, bei der anstehenden Kreistagssitzung sachlich zu bleiben, dabei aber „auch durchaus zu diskutieren“. Obwohl sich der Landkreis derzeit in Vertragsverhandlungen befinde, seien die Informationen zu den Plänen von Jufa so detailliert, dass der Kreistag eine Entscheidung treffen könne.

Die öffentliche Sitzung des Kreistags findet am Montag, 3. Juni, ab 14.30 Uhr im Durstewitzsaal des Herz-Kreislauf-Zentrums in Rotenburg statt.

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