Damit es friedlich und gerecht zugeht

Interessenverband ISUV unterstützt nach Trennungen

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Sprechen aus eigener Erfahrung: Klaus Bednorz und Gertrud Schmidt vom Interessenverband Unterhalt und Familienrecht (ISUV). Bednorz leitet die Kontaktstelle Fulda, Schmidt die Kontaktstelle in Bad Hersfeld, die seit rund einem Jahr besteht. Beide sind in ihrer Freizeit ehrenamtlich im Einsatz.

Bad Hersfeld. Wenn eine Ehe oder Lebensgemeinschaft zerbricht, beginnt oft ein Kampf ums Geld und um die Kinder. Damit es dabei gerecht zugeht, hilft der Interessenverband ISUV.

Vielfach herrscht aber nach einer Trennung auch schlicht Unsicherheit auf einer oder beiden Seiten: Was kostet die Scheidung, wer muss überhaupt Unterhalt zahlen, was wird aus dem Haus, wie wird das Sorgerecht geregelt, droht Altersarmut?

Unterstützung nach einer Trennung oder Scheidung sowie beim Neubeginn bietet der Interessenverband Unterhalt und Familienrecht (ISUV). Die gemeinnützige Organisation steht allen offen, die Hilfe im Bereich Unterhalts- und Familienrecht, aber auch in angrenzenden Rechtsgebieten wie Erb-, Steuer-, Renten- und Sozialrecht suchen. 

Dabei geht es weder darum, sich auf eine Seite zu schlagen, noch jemandem möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen. „Es geht vielmehr um möglichst friedliche und gerechte Lösungen“, betonen Klaus Bednorz und Gertrud Schmidt, die sich im Raum Fulda und Bad Hersfeld ehrenamtlich engagieren.

Männern wie Frauen, Zahlenden wie Empfangenden, stehen Bednorz und Schmidt zur Seite, wobei ihnen auch folgendes ganz wichtig ist: „Im Mittelpunkt stehen immer die Kinder.“

Das V in ISUV stamme übrigens noch aus einer Zeit des Verschuldungsprinzips und stand ursprünglich für (unterhaltspflichtige) Väter. Heute gelte das Zerrütungsprinzip und generell: „Wer mehr hat, zahlt, wer weniger hat, empfängt“, so Bednorz, der die ISUV-Stelle Fulda leitet. Diese wurde vor elf Jahren ins Leben gerufen und ist inzwischen die viertgrößte Ortsgruppe in Deutschland. Von der Entwicklung sei er selbst überrascht, sagt Bednorz. Rund 315 Mitglieder hat ISUV im 36er-Postleitzahlenbereich, darunter circa 40 aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg.

Die Kontaktstelle Bad Hersfeld wurde vor etwa einem Jahr eingerichtet, sie wird von Gertrud Schmidt geleitet. Seit sechs Jahren finden bereits die regelmäßigen Infoabende in der Gaststätte „Klosterbrunen“ auf dem Petersberg statt, bei denen Anwälte ihr Wissen vor in der Regel 20 bis 50 Teilnehmern weitergeben. Anwälte empfehlen dürfen und wollen die ISUV-Aktiven übrigens nicht, sie informieren Betroffene aber über passende Anlaufstellen in der Umgebung. 

Aktuell wird auch über einen regelmäßigen Infotreff in Bad Hersfeld nachgedacht, bei dem sich Betroffene in lockerer Runde austauschen könnten. Fünf Euro pro Monat kostet die Mitgliedschaft im Verein, die für den Besuch der Informationsveranstaltungen keine Voraussetzung ist, aber bestimmte Vorteile verschafft und dem Netzwerk zugutekommt.

„Wir sind alle selbst Betroffene und wissen, wovon wir reden“, erklärt Bednorz, der 2006 von einem Bekannten auf den Interessenverband aufmerksam gemacht worden war und mit 65 Jahren inzwischen neu verheiratet ist. „Wir betrachten uns selbst als riesengroße Selbsthilfegruppe.“ Der Kontakt zu Gleichgesinnten senke die Hemmschwelle. 

Auch Schmidt war zunächst skeptisch, als sie vor zehn Jahren von ihrem Steuerberater „gedrängt“ wurde, zu einer ISUV-Veranstaltung zu gehen. Heute ist die 58-Jährige froh, sich damals überwunden zu haben, und gibt ihre Erfahrungen gerne weiter. Sie lebt ein vielleicht eher ungewöhnliches Modell, das da lautet: Getrennt leben, verheiratet bleiben.

Besonderen Zulauf habe der Verein übrigens stets Anfang des Jahres, denn dann gebe es in der Regel auch die meisten Trennungen.

Kontakt zu ISUV

Über sich und alle Veranstaltungen informiert der Interessenverband Unterhalt und Familienrecht (ISUV) online unter www.isuv.de ebenso wie in Broschüren, die im Kreis Hersfeld-Rotenburg bisher allerdings nur in Kirchheim und Niederaula ausliegen. Ansprechpartnerin für die Kontaktstelle Bad Hersfeld ist Gertrud Schmidt, Telefon 0170/1533424 (abends), E-Mail Bad-Hersfeld@isuv.de. Bei ihr können sich Ratsuchende und sonstige Interessierte melden. So ist der Verband auch noch auf der Suche nach weiteren Referenten sowie Einrichtungen oder Geschäften im Kreis, wo Flyer ausgelegt werden dürfen.

Die Veranstaltungen im Jahr 2019

• 12. Februar 2019: Aktuelle Regelungen beim Zugewinnausgleich bei Trennung und Scheidung – Was geschieht mit dem Vermögen oder den Schulden?, Referent Manfred Kurz, Anwalt mit Schwerpunkt Familienrecht, Bad Hersfeld.

 • 28. Mai 2019: Informationen zum Unterhalt bei Trennung und Scheidung – Was steht mir zu, was muss ich zahlen?, Referentin Silvia Schoenemann, Fachanwältin für Familienrecht, Bad Hersfeld

 • 27. August 2019: Altersarmut wegen Scheidung? Versorgungsausgleich und was dabei zu beachten ist, Referentin Eva-Maria Trabert, Fachanwältin für Familienrecht, Hünfeld.

 • 26. November 2019: Basiswissen Trennung/Scheidung – Von Anfang an Fehler vermeiden und Geld sparen, Referent Manfred Kurz, Anwalt mit Schwerpunkt Familienrecht, Bad Hersfeld.

Alle Veranstaltungen finden ab 19.30 Uhr in der Gaststätte „Klosterbrunnen“ am Petersberg, Zur Linde 2 in Bad Hersfeld, statt.

von Nadine Maaz

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