Händler vor Ort vermuten Bewaffnung im Internet

Im Kreis wird aufgerüstet: Zahl der Kleinen Waffenscheine steigt auf über 1000

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Sie sehen meist wie scharfe Waffen aus: Eric Schöter, der Geschäftsführer des Bad Hersfelder Unternehmens Carl Grebe, zeigt eine Schreckschusspistole samt Munition.

Die Zahl der Inhaber des sogenannten Kleinen Waffenscheins im Kreis Hersfeld-Rotenburg ist erneut gestiegen. Die Polizei warnt: Das Mitführen von Waffen bringt Gefahren mit sich.   

Ende 2018 waren 1026 Frauen und Männer Inhaber dieser Erlaubnis zum Führen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen. Zum Vergleich: Ende 2017 waren es 878. Damit liegt der Kreis im Bundestrend: Im nationalen Waffenregister waren 6 120 937 Scheine gemeldet – 50 000 mehr als im Vorjahr.

Wer den Kleinen Waffenschein beantragen will, muss keine Begründung abgeben, sagt Christian Trost, Waffensachbearbeiter beim Landkreis. Dennoch werde nach den Hintergründen gefragt, um vorab zu klären, ob der Schein überhaupt notwendig ist. In den meisten Fällen gehe es um ein wie auch immer geartetes Sicherheitsbedürfnis, so Trost. Es gebe offenbar diffuse Ängste. Die Polizei sieht das kritisch. „Das Mitführen von Waffen bringt erhebliche Gefahren mit sich“, warnt Sprecher Manfred Knoch. Die Schreckschuss-, Gas- oder Signalwaffen sähen meist wie scharfe Waffen aus. Ungeübte könnten sich in Stresssituationen selbst gefährden oder Unbeteiligte verletzen – aus nächster Distanz sogar lebensbedrohlich.

Zur Verteidigung seien diese Waffen ungeeignet, sagt auch Eric Schöter, Geschäftsführer des Bad Hersfelder Fachgeschäftes Carl Grebe. „So eine Waffe ist kein Spielzeug. Wenn man sie nicht beherrscht, kann es gefährlich werden.“ Schöter empfiehlt das handlichere Pfefferspray. Selbst das sieht man bei der Polizei kritisch: Windrichtung und Windstärke spielten beim Einsatz des Sprays eine große Rolle. Das Opfer könne sich selbst verletzten.

Die Zahl der Inhaber von Waffenbesitzkarten wie Jäger oder Sportschützen hat sich von 2017 auf 2018 um sechs erhöht. Niemand wurde registriert, der zur Selbstverteidigung eine scharfe Waffe mit sich führen darf. Auch die Zahl der registrierten Schusswaffen ist im Kreis fast gleichgeblieben.

Gestiegenes Sicherheitsbedürfnis, aber kein Boom im Handel vor Ort

Ein gestiegenes Sicherheitsbedürfnis seiner Kunden hat Eric Schöter, der Geschäftsführer des Eisenwaren- und Hausrat-Geschäftes Carl Grebe in Bad Hersfeld, zwar bemerkt. Doch zu einer extrem großen Nachfrage an Schreckschusswaffen habe dies nicht geführt, berichtet er. 

Das Geschäft hat Waffen und Pfefferspray im Angebot. Einen echten Boom hatte man dort Ende 2015 gemerkt, als viele Flüchtlinge ins Land kamen – besonders noch einmal nach den Übergriffen in der Silvesternacht von Köln. Damals war auch die Zahl der Anträge für einen Kleinen Waffenschein in die Höhe geschnellt, bestätigt auch Christian Trost von der Waffenbehörde des Landkreises. 

Inzwischen liege die Nachfrage eher im normalen Bereich, meint Schöter. Die Nachfrage nach Pfefferspray liege bei etwa fünf Dosen wöchentlich. Doris Böhle, die in Bad Hersfeld ein Geschäft für Jagd-, Schieß- und Angelsportartikel betreibt, spricht sogar von einem rückläufigen Trend, vermutet aber, dass sich viele Menschen inzwischen übers Internet bewaffnen. 

Schreckschusspistolen kommen vor allem bei Feuerwerk zum Einsatz

Eric Schöter sagt, dass die meisten Schreckschusspistolen nicht zur Verteidigung, sondern zum Einsatz von Feuerwerksmunition gekauft würden. Deshalb brumme das Geschäft auch besonders im Dezember. Diese Waffen sind frei verkäuflich an Menschen ab 18 Jahren, wenn sie nur auf dem eigenen umzäunten Grundstück eingesetzt werden. 

Mitnehmen und sie zugriffsbereit halten darf sie der Eigentümer ohne Kleinen Waffenschein nicht, erläutert Christian Trost. Zu öffentlichen Veranstaltungen, darauf weist auch Polizeipressesprecher Manfred Knoch hin, darf man diese Waffen nicht mitnehmen. Er rät übrigens zu einem „Schrillalarm“, ein Taschengerät mit extrem lautem Ton, mit dem man auf sich aufmerksam machen und Täter so in die Flucht schlagen kann – wenn man meint, vorsorgen zu müssen. Ansonsten empfiehlt Knoch, die Polizei zu rufen unter Telefon 110 oder Passanten um Hilfe zu bitten.

Hintergrund: So werden Antragsteller für den Kleinen Waffenschein überprüft

Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen kann man ab 18 Jahren kaufen. Außerhalb der eigenen Wohnung, der Geschäftsräume oder des umzäunten Grundstücks dürfen solche Waffen jedoch nicht eingesetzt werden. Erst wer die Waffe mit sich führen möchte, benötigt den Kleinen Waffenschein. 

Der wird bei der Waffenbehörde im Landratsamt erteilt, aber erst nach einer Überprüfung von Zuverlässigkeit und Eignung. Überprüft werden Einträge im Bundeszentralregister, im Verfahrensregister sowie durch eine Anfrage beim Landeskriminalamt. Die Gebühr beträgt 53 Euro. Alle drei Jahre wird die Überprüfung wiederholt.

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