Porträt

Nicht nur im Job kreativ: Architekt Markus Wachtel zeichnet abstrakte Bilder

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Er mag es abstrakt und mitunter düster: Markus Wachtel, Architekt aus Bad Hersfeld, zeigt seine Bilder zurzeit im Grebe-Schaufenster am Linggplatz.

Das Zeichnen gibt ihm eine Freiheit, die er im Beruf nicht hat: Der Bad Hersfelder Architekt Markus Wachtel zeichnet mit Leidenschaft - in der Regel abstrakt und mitunter düster.

Mit einer Linie fängt Markus Wachtel stets an – was daraus wird, ist ihm zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar: Der 57-jährige Architekt aus Bad Hersfeld ist nicht nur im Job kreativ. Abends beim Fernsehen frönt er seiner zweiten Leidenschaft, der Kunst beziehungsweise dem Zeichnen.

„Im Urlaub habe ich schon immer gekritzelt“, sagt Wachtel. „Ich hatte einen weißen Block dabei und der war plötzlich voll.“ Vor etwa drei Jahren habe er das Ganze dann intensiviert. Mehrere hundert Bilder im kleinen DIN-5-Format und auch einige Ölgemälde sind inzwischen zusammengekommen.

Anfangs habe er schlicht zu Kugelschreibern gegriffen und seine Werke in Schwarz-Weiß gehalten. Jetzt sind es Buntstifte und Gelstifte, die der 57-Jährige nutzt, und ein Großteil der Bilder ist durchaus farbenfroh. „Meine Tochter hatte angefangen, die Bilder auszumalen, das hat mir gefallen.“

Die Zeichnungen reichen von naiv bis aggressiv

Die Werke zu beschreiben, ist gar nicht so einfach. Ein schneller Blick reicht nicht, um Motive zu erkennen. Die Zeichnungen sind abstrakt und gehen ins Naive, einige scheinen auch aggressiv und düster, wie der Künstler selbst sagt. „Jeder sieht darin etwas anderes. Ich erhebe keine Bedeutungshoheit.“ Einige Grundideen beziehungsweise -motive und Formen tauchen immer wieder auf. Und manchmal verarbeitet Wachtel in seinen Werken auch Persönliches, wie etwa den Tod zweier Menschen aus seinem engen Umfeld.

Mit Formen und Farben hat der Architekt auch im Beruf zu tun, allerdings muss er sich dabei an genaue Vorgaben halten. „Beim Zeichnen bin ich frei, in dem, was ich tue“, erklärt er den wohl wichtigsten Unterschied. „Ich kann alles ausprobieren und es muss nur mir gefallen.“ Auch Lampen und Stühle hat der Hersfelder bereits designt.

Für Kunst interessiert habe er sich schon immer, sagt der 57-Jährige. Fasziniert sei er zum Beispiel von Künstlern wie dem italienischen Bildhauer und Maler Marino Marini oder dem russisch-deutschen Künstler Alexej von Jawlensky.

Derzeit läuft die erste Ausstellung in Bad Hersfeld

Der Öffentlichkeit präsentiert Wachtel seine Bilder zurzeit zum ersten Mal, und zwar im Schaufenster des Traditionsgeschäfts Grebe am Linggplatz in Bad Hersfeld, das Ende dieses Jahres schließt. Dafür hat er extra eine Wand aus Spanplatten angefertigt und schwarz gestrichen. Leerstehende Ladenlokale für Ausstellungen zu nutzen, hält der 57-Jährige für eine sinnvolle Idee. Auch eine große Ausstellung in einem nicht mehr genutzten Privathaus, mit verschiedenen Künstlern in je einem Raum, könne er sich gut vorstellen.

Schon seit rund 20 Jahren schwirrt dem Architekten und Künstler eine weitere Idee im Kopf herum: alle Kanaldeckel in der Stadt künstlerisch zu veredeln. Voraussichtlich bis zum 1. Februar ist Wachtels Schaufenster-Ausstellung noch zu sehen. Auf Instagram zeigt er seine Bilder ebenfalls – die Gefahr, dass einer seiner inzwischen 200 Follower etwas hineininterpretiert, das von ihm so keinesfalls gemeint ist, nimmt er dabei in Kauf.

Zur Person

Markus Wachtel (57) kommt aus Stadtallendorf-Niederklein im Landkreis Marburg-Biedenkopf. 1989 zog er gemeinsam mit seiner Frau nach Bad Hersfeld, die dort eine Stelle als Gemeindereferentin antrat. Wachtel hat an der Fachhochschule in Mainz Architektur studiert und war in Bad Hersfeld zunächst in verschiedenen Büros angestellt, bevor er sich 2001 gemeinsam mit Alexander Otto selbstständig machte.

Aus seiner Angestelltenzeit stammen etwa die Pläne für den Elektrogroßhändler Brück/Hagemeyer in Bad Hersfeld und das Eingangsgebäude der Vitalisklinik. Ebenfalls aus Wachtels Feder stammt das Bebraer GUT-Bürogebäude und der Krumme-Turm. Neben der Kunst hat der 57-Jährige eine weitere Leidenschaft: Er besucht gerne Flohmärkte und sammelt Kaffeekannen, von denen er inzwischen 550 Stück zu Hause hat. Wachtel hat eine Tochter und einen Sohn.

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