Der Strongman-Meister

"German Godzilla": Der stärkste Mann Deutschlands kommt aus Bad Hersfeld

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Kein Problem: Raffael Gordzielik stemmt unsere Praktikantin Melissa Renner auf dem Benno-Schilde-Platz in Bad Hersfeld.

Bad Hersfeld. Kraft und Köpfchen: Raffael Gordzielik stemmt über 150 Kilo schwere Baumstämme, hebt Autos an - und steht kurz vor dem Abschluss seines Jurastudiums.

Der 33-Jährige mit dem Kampfnamen "German Godzilla", der in Bad Hersfeld aufgewachsen ist, ist der stärkste Mann Deutschlands. Vor kurzem hat er in Bad Tölz seinen Titel bei der Deutschen Strongman Meisterschaft verteidigt.

Insgesamt sieben verschiedene Disziplinen galt es zu meistern – Gordzieliks Lieblingsdisziplin ist das sogenannte Koffertragen. „Das Laufen mit schweren Gewichten liegt mir sehr gut“, berichtet der Kraftsportler, der kurz vor dem Abschluss seines Jurastudiums steht.

"In der Schule gehörte ich immer zu den Stärkeren"

Zum Strongman-Sport gekommen ist er eher zufällig. „Kraft und Stärke haben mich schon als Kind fasziniert, und in der Schule gehörte ich immer zu den Stärkeren“, sagt Gordzielik. Als er sich mit 18 Jahren und 95 Kilo schließlich im Fitnesstudio angemeldet und mit Kraftraining begonnen habe, hatte er jedoch primär ein anderes Ziel: „Die perfekte Strandfigur und den Mädels gefallen“, wie er lachend verrät.

Mit der Zeit legte er an Masse zu und während des Studiums in Essen kam er zum American Football. Als sich der Traum von der Profi-Karriere in den USA allerdings nicht verwirklichen ließ, war eine neue Herausforderung gefragt. Freunde motivierten ihn, es doch mal mit Lkw-Ziehen und Co. zu probieren.

Wiederholungssieger: Nach seinem Erfolg im Jahr 2017 hat Raffael Gordzielik aus Bad Hersfeld seinen Titel bei der Deutschen Strongman Meisterschaft 2018 verteidigt. Der Wettkampf fand vor kurzem in Bad Tölz statt. Das Baumstammstemmen (im Bild) ist nur eine von sieben Disziplinen, die es zu absolvieren galt.

2012 nahm Gordzielik an seinem ersten Wettkampf teil und wurde Fünfter von etwas mehr als 20 Teilnehmern. „Danach bin ich dran geblieben“, sagt der Zwei-Meter-Hüne, der heute in intensiven Trainingsphasen etwa 170 Kilo auf die Waage bringt. 

Wobei das Studium durchaus Vorrang gehabt habe. Um sich auf das zweite Staatsexamen vorzubereiten, verzichtete er beispielsweise fünf Monate lang komplett auf Sport. „Das war eine harte Zeit.“ Doch beides unter einen Hut zu bringen, sei schlicht nicht machbar.

Es dreht sich alles um den Sport

„Das ganze Leben dreht sich um den Sport“, betont der Strongman. Mit bis zu vier drei- bis vierstündigen Trainingseinheiten pro Woche sei es nicht getan, hinzukommen Besuche beim Physiotherapeuten, eventuell Massagen und nicht zu vergessen ausreichend Schlaf.

 

Stimmen müsse zudem die optimale Versorgung des Körpers mit Nährstoffen. „Das sehen viele nicht“, sagt der Kraftsportler, der von „sauberen Kalorien“ spricht. Eis und Pizza gönnt er sich nur in Ausnahmefällen, zum Frühstück gibt es regelmäßig zehn Eier sowie Reis oder Nudeln. 

Wenn der 33-Jährige zum Kuchenessen eingeladen ist, bringt er sich stattdessen Haferflockenpfannkuchen mit. „Ich esse nicht viel, sondern lieber oft“, erklärt Gordzielik. Wie bei allen Kraftsportarten komme es auf Geduld und Disziplin an, wobei die Genetik eine große Rolle spielt. „Sonst nützt noch so viel Training nichts.“

"Viel in den Armen, nix in der Birne" - Vorurteile ärgern Gordzielik

Was den stärksten Mann Deutschlands ärgert? Vorurteile wie „viel in den Armen, nix in der Birne“. „Ich kenne viele Kraftsportler. Nicht alle sind Akademiker, aber die meisten stehen mitten im Leben und haben ganz normale Jobs“, sagt Gordzielik. Außerdem habe er die Erfahrung gemacht, dass man Kraftsportlern etwa in den USA oder in Osteuropa mit viel mehr Respekt begegne.

Keine Angst vor schweren Autos: Der German Godzilla in Aktion. 

Den Reiz des Strongman-Sports macht für Gordzielik die Vielseitigkeit aus, ähnlich wie beim Zehnkampf in der Leichtathletik. „Der ganze Körper wird durchgetestet. Ich kann mir keinen anderen Sport mehr vorstellen.“ Sein Traum ist es, einmal an der Weltmeisterschaft teilzunehmen – ein „Einladungswettkampf“. 

Dreimal war er bereits eingeladen, doch beim ersten Mal kam die Anfrage zu kurzfristig, beim zweiten Mal verhinderten gesundheitliche Probleme die Teilnahme und beim dritten Mal ging das Examen vor.

Geboren in Bad Hersfeld, zum Studium nach Marburg, zu Hause in Staufenberg 

Raffael Gordzielik (33) ist in Polen geboren, aber in Bad Hersfeld aufgewachsen und zur Schule gegangen. Er hat in Essen und Marburg ein BWL-Studium abgeschlossen und in Marburg Jura studiert. Aktuell steht Gordzielik kurz vor der mündlicher Prüfung des zweiten juristischen Staatsexamens (oder: Staatsprüfung). Sein Referendariat hat er am Landgericht Gießen absolviert. Gordzielik lebt mit seiner Frau und der drei Jahre alten Tochter in Staufenberg (Landkreis Gießen). Familie und Freunde in Bad Hersfeld besucht er regelmäßig.

Hintergrund: Der Strongman-Sport

Der Ursprung wurzelt in den antiken Gladiatorenkämpfen, sowie dem traditionellen Zehnkampf, den Wikingerspielen, Highland Games und anderen bis heute erhaltenen Traditionen, heißt es auf der Homepage der GFSA (German Federation of Strength Athletes). Sie ist der offizielle Dachverband der deutschen Strongmen.  

Daraus entstanden Wettkämpfe, die unterschiedlichste Anforderungen an Körper- und Muskelgruppen stellten. Gegenstände aus dem alltäglichen Gebrauchsbereich wurden herangezogen, um diese zu tragen, zu heben, zu stemmen, zu halten oder zu ziehen. Die GFSA organisiert verschiedene Wettbewerbe wie Einsteiger-Cups (Beginner), Newcomer-Cups, Deutschland Cups (2. Liga) und die German Pro League (1. Liga).

Die German- Pro-League-Cups sind die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft, an der die Top 12 der Rangliste teilnehmen dürfen. Die Top 3 der DM qualifizieren sich zur Champions League auf der Fitness- und Bodybuilding-Messe FIBO. 

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