Aussage unter Tränen

Im Fuldaer Missbrauchsprozess wurde das Opfer vernommen

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Fulda – Ein 15 Jahre altes Mädchen aus Bad Hersfeld sagte am Donnerstag vor dem Landgericht Fulda gegen den eigenen Vater aus. Dieser soll sie 2015/16 missbraucht haben.

„Sie wird es versuchen“, sagte Richter Joachim Becker, Vorsitzender der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts Fulda, nach Rücksprache mit dem Rechtsbeistand des 15-jährigen Mädchens aus Bad Hersfeld, das vom eigenen Vater missbraucht worden sein soll. Denn noch heute leidet die Schülerin unter den Vorfällen aus den Jahren 2015/16 und wird psychotherapeutisch behandelt.

Da der Angeklagte, ein 39 Jahre alter Handwerker, zu den Vorwürfen von Staatsanwältin Lambiel bislang schweigt, konnte das Gericht der jungen Zeugin die Vernehmung trotz ärztlicher Bedenken nicht ersparen.

Annähernd zwei Stunden sagte die Schülerin am Donnerstag aus, zum Teil unter Tränen und vor einer Kamera, aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit und in Abwesenheit des Vaters. Der verfolgte das Geschehen in einem Nebenraum auf einem Bildschirm. Auch hatte die Kammer mit Hilfe der Justizangestellten dafür gesorgt, dass sich die 15-Jährige mit ihren Begleitern und der Angeklagte im Gerichtsgebäude nicht über den Weg liefen.

Dem Vernehmen nach konkretisierte das Opfer einen Großteil der Vorfälle und bestätigte dadurch die Anklage in wesentlichen Teilen. Laut dieser hatte der von der Mutter getrennt lebende Vater seine Tochter mehrfach bei Wochenendbesuchen in seiner Wohnung unter anderem am Geschlechtsteil befingert und mit der Zunge berührt.

Über den Inhalt der Aussage wurde offiziell nichts berichtet. Die Angaben der Zeugin werden erst Gegenstand der Plädoyers und der Urteilsbegründung sein.

Wieder öffentlich wurden anschließend die 34 Jahre alte Mutter, ihr neuer Ehemann (41) und eine 16-jährige Freundin der Schülerin vernommen. Der Mutter hatte sich die Tochter eines Abends Anfang November 2016 unter „extremem Weinen“ anvertraut und die sexuellen Übergriffe auf Nachfrage auch dem neuen Partner bestätigt. Als die Frau ihren Ex-Mann mit den Vorwürfen konfrontierte, habe dieser alles abgestritten.

Zu einer weiteren Vertrauten des Mädchens wurde wenig später auch eine Freundin, von der die Schülerin wusste, dass diese ebenfalls vom Stiefvater sexuell missbraucht worden war. Über Details wurde jedoch nicht gesprochen.

Der Prozess gegen den Handwerker wird am Montag, 2. März, mit der Vernehmung weiterer Zeugen – unter anderem von der Polizei – fortgesetzt. Dem 39-Jährigen droht im Falle einer Verurteilung wegen des schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes eine mehrjährige Haftstrafe.

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