Casting für "Shakespeare in Love" in der Abfüllhalle

Der Festspielvirus hält wieder Einzug in Bad Hersfeld

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Genau in den Blick genommen wurden die Casting-Teilnehmer durch (von links) Kostümmeisterin Kerstin Micheel, Kostümbildnerin Erika Landertinger und Regisseur Antoine Uitdehaag.

Bad Hersfeld. „Wir wollen mal wieder Festspiele machen“ – mit diesem Satz begrüßte Intendant Joern Hinkel die vielen potenziellen Statisten und Kleindarsteller, die zum Casting für das Stück „Shakespeare in Love“ in die ehemalige Abfüllhalle im Kurpark gekommen waren.

Allen war die Anspannung aber auch die Vorfreude deutlich anzumerken, obwohl Jörn Hinkel und Regisseur Antoine Uitdehaag gleich zu Beginn etwas Wasser in den Wein gossen, indem beide bekundeten, dass sie zwar am liebsten gleich beginnen würden, mit allen zu proben, dass jedoch für „Shakespeare in Love“ nur 22 Darsteller gebraucht würden.

Unter anderem werden die ausgesuchten Statisten für eine Kneipenszene und für eine weitere gebraucht, die am Hof von Königin Elisabeth spielt. Ob für die anderen Stücke noch Statisten benötigt würden, stehe, so Hinkel, bislang noch nicht fest.

Jörn Hinkel und Antoine Uitdehaag war deutlich anzumerken, dass sie sich über den großen Zuspruch, die Begeisterung, die Identifikation mit den Festspielen und das enorme Engagement der Castingteilnehmer freuten.

Die Zeit in der Stiftsruine, so Hinkel, sei immer eine besonders intensive. Sie schweiße zusammen, auch wenn die Mitwirkung sehr zeitintensiv sei und viel Disziplin erfordere. Die Statisten müssten sich darauf einstellen, dass die Proben viel Zeit in Anspruch nähmen, von der ein großer Teil aus Wartezeit bestünde.

„Shakespeare in Love“ wird nach der erfolgreichen Filmfassung als deutsche Erstaufführung in der Stiftsruine gezeigt. Für Antoine Uitdehaag, der viele Bühnen in Deutschland und den Niederlanden bespielt hat, allerdings noch nicht in Bad Hersfeld inszeniert hat, steht schon jetzt fest, dass das Stück hier genau am richtigen Platz ist.

In der besonderen Atmosphäre der Stiftsruine zusammen mit Profi-Schauspielern auf der großen Bühne zu stehen, das war es, was die meisten Teilnehmer am Casting reizte. Unter den rund 100 Teilnehmenden im Alter zwischen neun und 86 Jahren waren viele „alte Hasen“, die schon seit Jahren mit dem Festspiel-Fieber infiziert sind, aber auch zahlreiche Newcomer. Zum Teil waren gleich mehrere Mitglieder einer Familie – häufig Mütter und Töchter oder Ehepaare – am Start.

Nicht alle waren allerdings so kurz entschlossen, wie Constanze Sommer aus Kassel, die aus der Oberpfalz stammt und dort bereits einige Male als Statistin auf einer Freiluft-Bühne gestanden hat: „Gestern hat mir mein Lebensgefährte von den Festspielen erzählt, und als ich dann von der Möglichkeit zur Casting-Teilnahme erfahren habe, war mir schnell klar, dass ich nicht als Zuschauerin, sondern als Teil des Spektakels dabei sein möchte.“

Für Marlies Galland-Juliano aus Kirchheim, die sich ebenfalls zum ersten Mal an einem Casting für die Festspiele beteiligte, war der Weg nicht so weit. Sie war im vergangenen Jahr Chauffeurin für ihren Enkel, der im Musical „Titanic“ auf der Bühne stand, und fasste schon damals den Entschluss, beim nächsten Mal selbst dabei sein zu wollen.

Vor dem Auftritt auf der großen Bühne mussten die potenziellen Statisten jedoch zunächst den Marathon aus Registrierung und die Vermessung durch die Kostümmeisterin absolvieren. Danach hatten sie Gelegenheit, sich in einer Kurzvorstellung dem Regisseur und den für die Kostüme zuständigen Mitarbeiterinnen Kerstin Micheel und Erika Landertinger zu präsentieren. (uj)

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