Extrawurst

Vorgeschmack auf die neue Festspielkomödie am Eichhof

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Neugierig in Berlin: Dr. Bettina Wilts, die bei den Bad Hersfelder Festspielen die Komödie „Extrawurst“ inszenieren wird, hat sich das Stück jetzt im Renaissance Theater in der Hauptstadt angesehen.

Extrawurst heißt die neue Komödie, die im Festspielsommer am Eichhof gespielt wird. Regisseurin Bettina Wilts hat sich das Stück jetzt in Berlin angesehen. Wir haben sie begleitet.  

Über ein Theaterstück, das erst im nächsten Sommer bei den Bad Hersfelder Festspielen gezeigt wird, darf natürlich heute noch nicht zu viel verraten werden. Und Regisseurin Bettina Wilts, die die Komödie „Extrawurst“ im Schloss Eichhof inszenieren wird, gibt ihre Ideen ebenfalls nicht schon ein halbes Jahr vorher preis.

Aber die Neugier steht ihr ins Gesicht geschrieben, als sie in diesen Tagen eine Aufführung der Farce um einen Bratwurst-Grill im Renaissance-Theater in Berlin besucht hat. „Das Stück passt perfekt in den Eichhof“, sagt sie und lässt dann doch durchblicken, dass sie eine Hersfelder Variante des Textes von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob schreiben wird. Aus dem TC Lengenheide, in dessen Vereinslokal es knapp zwei Stunden hoch hergeht, wird dann ein örtlicher Tennisclub, und Bettina Wilts schmunzelt, als sie über den Namen des Vereinsarztes sinniert.

Aber worum geht es hier überhaupt? Unter Punkt Verschiedenes muss der Club über die Anschaffung eines neuen Grills entscheiden. Aus der Formalie wird ein Politikum, als die Frage aufkommt, ob das einzige türkische Mitglied des Vereins sein Grillgut neben die üblichen Schweinefleisch-Bratwürste legen muss oder ob aus religiösen Gründen ein zweiter Grill besorgt werden muss. Die Diskussion unter den Vereinsoberen artet schon nach wenigen Sätzen aus: Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Sexismus, Rechtsradikalismus – es gibt wohl kaum einen -ismus, der hier im Eifer der Wortgefechte nicht herhalten muss, um den Zuschauern den Spiegel vorzuhalten. Denn keiner der Protagonisten auf der Bühne ist grundsätzlich übel, sie sind nur alle so wie wir.

„Bei allem Wortwitz macht das Stück auch nachdenklich“, sagt Bettina Wilts, „hier ist unsere Gesellschaft wie unter einem Brennglas.“ Besonders spannend findet sie, dass „Extrawurst“ mit deutscher Vereinskultur und Tradition spielt.

Dass die Sätze hier „wie Tennisbälle hin- und herfliegen, das fasziniert Wilts an diesem Text besonders. Deshalb wird sie für ihre Inszenierung auch kaum etwas streichen. Und dass sie mit Sprache kann, das hat sie mit ihrer Theaterfassung des Nick-Hornby-Romans „A Long Way Down“ ja erst im vergangenen Sommer bei den Festspielen gezeigt.

Von der Berliner Besetzung – unter anderem spielen Simone Thomalla, Christoph M. Ohrt und Felix von Manteufel – wird man im Eichhof wohl niemanden sehen. Bettina Wilts arbeitet derzeit an „ihrer“ Besetzung, nennt aber noch keine Namen. Auch dass die Schauspielerin Natascha Hirthe, die bei „A Long Way Down“ dabei war, an diesem Abend im Theater ist und Hallo sagt, lässt keine Rückschlüsse zu.

Fest steht allerdings, dass Wesko Rohde, Präsident der Theatertechnischen Gesellschaft, die Bühne gestalten wird. Wilts kennt ihn aus ihrer Zeit in Celle. In Berlin war der Ex-Hersfelder Manfred Gruber für Ausstattung zuständig.

„Extrawurst“ hat seit der Uraufführung im Oktober im Hamburger Ohnsorg-Theater eingeschlagen wie eine Bombe und wird im nächsten Jahr an vielen Bühnen gespielt werden. Bettina Wilts, die auch die Chefdramaturgin der Festspiele ist, hatte das Buch schon vor der Uraufführung gelesen. „Ich fand es gleich großartig und hätte es gerne schon im vergangenen Sommer in Hersfeld gezeigt. Aber da hatten wir uns im Eichhof schon für den Hornby entschieden.“

Auch nach der Aufführung in Berlin lässt sich Wilts nicht aus der Reserve locken. Dass ihr der Abend Spaß gemacht hat, das war ihr anzumerken. Aber sonst? „Das ist wie Äpfel und Birnen. Hier ist es Indoor, bei uns im Eichhof draußen ...“

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