Exklusiv-Interview mit Bürgermeister Thomas Fehling

"Als Kulturstadt haben wir auch beim Hessentag einen gewissen Anspruch"

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Bürgermeister Thomas Fehling am Lullusbrunnen vor dem Bad Hersfelder Rathaus.

Bad Hersfeld. In 14 Monaten ist Hessentag in Bad Hersfeld. Über den Stand der Vorbereitungen und über inhaltliche Pläne sprachen wir mit Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling.

Herr Bürgermeister, in 14 Monaten ist Hessentag in Bad Hersfeld. Wie laufen denn die Vorbereitungen?

Thomas Fehling: Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Viele Bürger warten schon sehnsüchtig auf Informationen. Und wir merken, wie aufwendig es ist, alle Beteiligten zu koordinieren. Wir arbeiten ja mit einer Vielzahl von landesweiten Organisationen zusammen. Da müssen wir jetzt die Zügel anziehen, damit auch die großen, namhaften Institutionen endlich über ihre Präsenz in Bad Hersfeld entscheiden.

In der Bevölkerung ist noch nicht viel von Hessentags-Euphorie zu spüren?

Fehling: Das merke ich auch. Wir hören sogar Kritik an unserer Kommunikationsstrategie, viele fühlen sich noch nicht ausreichend informiert – zum Beispiel bei der jüngsten Info-Veranstaltung in der Stadthalle. Das wollen wir gern besser machen. Aber auch wir warten ja noch auf wichtige Rückmeldungen, um final planen zu können.

Gibt es schon inhaltliche Pläne für den Hessentag? 

Fehling: Wir wollen nicht einfach nur eine bunte Veranstaltung machen, sondern den Besuchern einen roten Faden anbieten. Wir werden deshalb Lingg von Lingenfeld in den Mittelpunkt des kulturellen Angebots stellen. Dazu soll es organisiert und improvisiert historische Schlaglichter aus dieser Zeit mit professioneller Unterstützung in der Stadt geben.

Wird der Hessentag in Bad Hersfeld also eine Art Historienspektakel? 

Fehling: So hoch würde ich es nicht hängen, aber wir haben als Kulturstadt natürlich schon einen gewissen Anspruch.

Und wieso gerade Lingg? 

Fehling: Ich finde die Figur sehr bedeutsam, er ist immerhin der Retter der Stadt, und seine Person bietet viele interessante Anknüpfungspunkte: Krieg, Sex, Gezeter. Das sieht übrigens auch Intendant Joern Hinkel so ...

Welche Rolle spielen Joern Hinkel und die Festspiele beim Hessentag? Immerhin ist sein Vertrag ja bis September 2019 verlängert worden. Gibt es also ein Festspielstück über Lingg von Linggenfeld? 

Fehling: Nein, wir werden kein komplettes Stück zum Hessentag spielen, wollen aber möglichst viele Besucher in die Ruine locken, damit sie einen Eindruck von dieser besonderen Spielstätte bekommen. Deshalb soll es kurze Sequenzen auf der Bühne geben. Wir wollen möglichst viele Leute neugierig machen. Vorsichtig kalkuliert könnte man so bis zu 20.000 Besucher pro Tag in die Ruine holen. Das wäre ein toller Werbeeffekt für Stadt und Festspiele.

Viele Bürger haben Angst vor den hohen Kosten des Hessentages. Wie wichtig ist da die jüngste Schuldenerleichterung durch die Hessenkasse? 

Fehling: Diese Finanzspritze lindert vor allem die Schmerzen der Vergangenheit, denn die Schulden, die wir aufgebaut haben, sind aus der Umstellung auf die Doppik entstanden und wurden über kurzfristige Kassenkredite finanziert. Beim Hessentag hilft uns dieses Geld aber nicht. Daher bleibt die Herausforderung, dass der Hessentag im Rahmen des Budgets bleibt.

Darum hatten Sie ja eigentlich vorgeschlagen, auf kostspielige, große Konzerte zu verzichten. Die Stadtverordneten haben anders entschieden. Ärgert Sie das?

Fehling: Nein, denn wir sind auf einem guten Weg. Es gibt keine große Arena mit 30.000 Plätzen, sondern sie wird gut 15.000 Plätze bieten. Das ist ein guter Kompromiss. Ich bin aber nach wie vor nicht bereit, hohe Gagen für Mega-Stars zu zahlen, sondern setze vielmehr auf attraktive Künstler, die ohnehin gerade auf Tour sind und zu uns passen. Wir sind in der glücklichen Situation, dass wir mit unserer kaufmännischen Festspiel-Geschäftsführerin Andrea Jung jemand haben, der sich in diesem Metier hervorragend auskennt und beste Kontakte hat.

Inwieweit werden die Nachbargemeinden in den Hessentag einbezogen? 

Fehling: Mit unseren Nachbarn laufen intensive Gespräche, sie werden in alle Planungen einbezogen. Es gibt enge Abstimmungen insbesondere zur Verkehrs- und Parksituation. Auch die anderen Bürgermeister sind informiert, denn auch von ihnen benötigen wir Unterstützung. Aber auch uns fehlen zur Zeit noch Informationen und Entscheidungen, um dann auch andere einzubeziehen. Im Vergleich zu anderen Hessentagsstädten liegen wir aber gut im Zeitplan.

Der Vertrag mit Joern Hinkel ist ja bewusst über den Hessentag hinaus verlängert worden. Wie geht es dann weiter? 

Fehling: Im Magistrat waren alle erleichtert, dass wir so einen erfahrenen Mann haben, der sofort übernehmen kann. Deshalb war das Votum für ihn einstimmig. Denn natürlich müssen wir jetzt schon für das Jahr 2019 und den Hessentag planen, alles muss künstlerisch und logistisch durchdacht sein. Joern Hinkel hat dabei auch die Möglichkeit, seine ganz eigene Handschrift zu zeigen.

Und danach gibt es eine Stellenausschreibung?

Fehling: Ja, und zwar rechtzeitig, damit sich potenzielle Kandidaten schon in der Spielzeit einen Eindruck von Bad Hersfeld und der Stiftsruine verschaffen können. Außerdem habe ich in der Vergangenheit viele Festspielstädte besucht, und daher resultieren viele Kontakte. Der Magistrat hat aber bewusst auf die Einsetzung einer Findungskommission verzichtet, sondern mir das Mandat erteilt, Kandidaten zu suchen und Vorschläge zu machen. Dabei geht es natürlich auch um die mögliche Gründung einer gGmbh. Alles findet auch in enger Abstimmung mit Land und Bund statt.

Haben Sie den Eindruck, dass die „Affäre Wedel“ die Intendantensuche erschwert? 

Fehling: Nein, überhaupt nicht. Schon nach Dieter Wedels Rücktritt kamen die ersten Initiativbewerbungen. Das Interesse an den Festspielen ist ungebrochen, und die positive Entwicklung durch Herrn Wedel wird überall registriert. Es gibt viele Interessenten, die seine hervorragende Arbeit fortsetzen wollen.

Zur Person: 

Thomas Fehling ist am 30. November 1967 in Bad Hersfeld geboren. Er hat Wirtschaftsinformatik studiert und danach für verschiedene Unternehmen gearbeitet und in Düsseldorf und Darmstadt gewohnt. 2002 kehrte er nach Bad Hersfeld zurück. Von 2004 bis 2010 war er Kreisvorsitzender der FDP HersfeldRotenburg, trat aber 2014 aus der Partei aus. Von 2006 bis 2008 war Fehling Mitglied des Kreistags. Seit 1. Januar 2011 ist der 50-jährige Bürgermeister der Kreisstadt Bad Hersfeld. Thomas Fehling ist mit der Ärztin und Malerin Gabriele Schäfer verheiratet. (kai)

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