Erich Kästners Jugendbuchklassiker bei den Bad Hersfelder Festspielen

Emil und die Detektive jagen den Bösewicht in der Ruine

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Unterwegs in die Großstadt: Emil (Paul Rümann, Zweiter von links) mit (von links) Anette Lubosch, Maximilian Wigger, Peter Englert und Tilo Keiner.

Ein Kinderbuch-Klassiker kommt in die Ruine: Erich Kästners "Emil und die Detektive" feiert am Sonntag als Musical Premiere. 30 Darsteller, darunter viele Kinder, spielen mit.

"Lasst euch die Kindheit nicht austreiben!“, appelliert Erich Kästner in seiner 1925 erschienen, fiktiven „Ansprache zu Schulbeginn“ an seine Leser.

Der 1899 in Dresden geborene – später wegen seiner Regimekritik von den Nazis verfemte – Autor schrieb vor allem Gedichte und arbeitete als Theaterkritiker und Journalist, bevor er 1929 mit „Emil und die Detektive“ den Grundstein für seine Karriere als Kinderbuchautor legte. 

Die Musicalfassung des Kinderbuchs von Komponist Marc Schubring und Autor Wolfgang Adenberg feiert am morgigen Sonntag ab 15 Uhr bei den Bad Hersfelder Festspielen Premiere in der Stiftsruine. Der zwölfjährige Emil Tischbein reist das erste Mal alleine nach Berlin zu seinen Verwandten. 

Im Zugabteil stiehlt ihm ein Mitreisender 140 Mark, die für seine Großmutter bestimmt waren. Auf eigene Faust nimmt Emil die Verfolgung des Diebes auf. Mit Unterstützung einer Gruppe Berliner Jungen und Mädchen – den Detektiven – gelingt es ihm, den Bösewicht zu stellen.

Für Regisseur Rainer Niermann ist Emil und die Detektive „eines der besten Musicals, die seit Langem geschrieben wurden“. Jede Pointe, jeder Umbau für die zahlreichen Szenenwechsel sei musikalisch untermalt und bilde eine eigene Choreografie. Die Inszenierung gleiche daher einer filmischen Montage. „Die Musik fordert das so ein“, unterstreicht Niermann. 

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"Parole Emil" hat Hit-Potenzial

Bringen das Familienmusical auf die Bühne der Stiftsruine: (von links) Bühnenbildner Peter Sommerer, Choreografin Sabrina Stein und Regisseur Rainer Niermann. 

Vom „großen Song des Bösewichts“ über Traumsequenzen bis zur „tollen Ballade“ werde musikalisch die volle Bandbereite abgedeckt, ergänzt Choreografin Sabrina Stein. Insbesondere der Song „Parole Emil“, welcher den längst zum geflügelten Wort gewordenen Geheimcode der Kinderbande aufgreift, habe Hit-Potenzial. Die Handlung wurde bewusst in der Zeit Anfang der 1920er-Jahre belassen, was sich auch in den Kostümen von Sandra Hauser widerspiegeln soll. Eine zentrale Rolle werden über 100 alte Koffer spielen.

Neben professionellen Schauspielern und Musicaldarstellern gehören zum rund 30-köpfigen Ensemble auch Kinder und Jugendliche aus der Region, die teilweise bereits an den Produktionen der Bad Hersfelder Sommernachtsträumer beteiligt waren. Emil Tischbein wird vom zwölfjährigen Paul Rümann aus Kalbach bei Fulda gespielt. Jeweils wechselnd werden die Darsteller von Emils Cousine Pony Hütchen (Paula Gnewuch/Kim Rosner) sowie der Detektive Gustav/Gustinchen (Diyar Ilhan/Lara-Luisa Rühl) und Professor (Lara Hildebrand/Mira Schäfer) zu sehen sein, deren Rollen doppelt besetzt wurden.

Viele bekannte Festspieler dabei

Bei den Erwachsenendarstellern gibt es ein Wiedersehen mit bekannten Festspiel-Gesichtern: Tilo Keiner spielt den Bösewicht Grundeis, Mathias Schlung schlüpft als kindlicher Erzähler und Portier in zahlreiche Rollen – ebenso wie Ute Reiber, Annette Lubosch, Maximilian Wigger und Peter Englert.

Die spontane Solidarität der Kinder, einem bis dahin vollkommen fremden Jungen aus der Patsche zu helfen, steht für Regisseur Rainer Niermann im Zentrum des Familienmusicals. Er und sein Team haben sich nicht weniger vorgenommen, als etwas zu schaffen, was die Zuschauer der Bad Hersfelder Festspiele bislang „so noch nicht gesehen haben“. Das Musical ist ausdrücklich nicht als reines Kinderstück konzipiert. „Das Alter der Zuschauer ist fast Wurst“, ist der Regisseur überzeugt: Kinder ab fünf Jahren sollen von der Inszenierung ebenso angesprochen werden, wie – ganz im Sinne Erich Kästners – die Kinderseele der Erwachsenen.

Premiere ist bereits ausverkauft

Die Premiere des 90-minütigen Musicals ohne Pause am Sonntag, 11. August, ist ausgebucht. Für die übrigen fünf Vorstellungstermine bis zum 31. August (Beginn wochentags: 9.30 Uhr, samstags: 15.30 Uhr) sind noch Restkarten verfügbar.

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