Rotenburger vor Schöffengericht verurteilt 

Drogen im Lokal versteckt: Wirt bekommt Bewährungsstrafe und Geldauflage

Bad Hersfeld. Strohmann für dubiose Hintermänner oder begnadeter Schauspieler? Das Gericht in Bad Hersfeld hat einen 46-Jährigen in einem denkwürdigen Drogen-Prozess verurteilt. 

Ist der 46-Jährige aus Rotenburg ein begnadeter Schauspieler, der vor Gericht in Bad Hersfeld in einem Prozess um eine „bunte Mischung“ und erhebliche Mengen von Drogen die Rolle des Unbedarften gab? Auf jeden Fall hatten es Richter Michael Krusche und seine beiden Schöffen am Mittwoch mit einem Fall zu tun, der ganz anders verlief als erwartet.

Im Mittelpunkt stand ein Mann, der 1991 aus dem kurdischen Teil der Türkei nach Deutschland gekommen war. Er ist mittlerweile deutscher Staatsbürger, hat auch einen Führerschein, spricht aber angeblich die Sprache nicht, kann auch nicht lesen und schreiben. 

Trotzdem hat der Vater von vier Kindern über Jahre verschiedene Gaststätten in Rotenburg und Bebra geführt und dabei einen Schuldenberg in fünfstelliger Höhe angehäuft.

Drogen waren zum Eigenverbrauch oder zur Weitergabe auf Partys gedacht

In einem Rotenburger Lokal wurden im Januar 2017 in verschiedenen Verstecken jene verbotenen Pillen und Marihuana gefunden, um die es jetzt ging. Unterm Strich ergaben die Wirkstoffe dieser Substanzen eine juristisch bedeutsame „nicht geringe Menge“, die eine Mindeststrafe von einem Jahr hinter Gittern nach sich zieht.

Der Angeklagte, der als Wirt stets auf deutschsprachige Helfer und im Gericht auf einen Dolmetscher angewiesen war, räumte über seinen Verteidiger den Besitz der Drogen ein. Sie seinen jedoch entweder zum Eigenverbrauch oder zur Weitergabe auf Partys gedacht gewesen, und dann nur zum Einkaufspreis. Außerdem machte sein Anwalt geltend, dass der Grenzwert zur nicht geringen Menge nur knapp überschritten sei.

Weil das Geständnis eine langwierige und möglicherweise ergebnissoffene Beweisaufnahme ersparte, wurde dem Rotenburger ein „minderschwerer Fall“ zugestanden. Auch der angeklagte Handel mit Betäubungsmitteln war vom Tisch.

Neun Monate auf Bewährung und 1000 Euro Geldstrafe

Am Ende standen wie von Staatsanwalt Greyer beantragt neun Monate Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden, plus 1000 Euro Geldauflage. Das Urteil wurde sogleich rechtskräftig.

Am Rande der Verhandlung wurde bekannt, dass der Angeklagte bei der Polizei durchaus auch auf Deutsch verstanden hatte, was man von ihm wollte. Und am Vortag des Drogen-Prozesses stand der Rotenburger wegen Waffenbesitzes vor dem Einzelrichter – ohne Anwalt, ohne Dolmetscher.

Rubriklistenbild: © David-Wolfgang Ebener/dpa

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