Die Frau gequält, die Tochter missbraucht

Dreieinhalb Jahre Freiheitsstrafe für 38-Jährigen aus Kirchheim

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Bad Hersfeld. Wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilte das Jugendschöffengericht einen 38-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten.

Der Lagerarbeiter und Ex-Kirchheimer hatte in den Jahren 2012 und 2013 seine damals acht Jahre alte Stieftochter am Geschlechtsteil berührt und manipuliert. Der Prozess vor Amtsgerichtsdirektorin Michaela Kilian-Bock offenbarte darüber hinaus das Martyrium der 37 Jahre alten Ehefrau, die sich praktisch seit der Hochzeit 2010 fortgesetzter psychischer und physischer Gewalt ihres Gatten ausgesetzt sah und aus Angst vor einer Trennung zurückschreckte.

Der Missbrauch der Tochter wurde offenbar, als das Kind etwa ein Jahr nach den Taten, während einer Autofahrt fragte, ob es normal sei, „dass der Papa mich so anfasst“.

Vor Gericht zeigte sich der Angeklagte äußerlich ungerührt, hüllte sich weitgehend in Schweigen und stritt die Vorwürfe ab: „So war es nicht“, beharrte er selbst in seinem Schlusswort.

So blieb dem heute 15-jährigen Mädchen eine Aussage nicht erspart. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit bestätigte es die beiden konkreten Fälle und sprach von weiteren, die zeitlich jedoch nicht mehr einzuordnen waren.

Seine Mutter befand sich im Zeugenstand am Rande eines Nervenzusammenbruchs, als sie über den Terror in der Kirchheimer Familienwohnung berichtete. Schon am Tag vor der Hochzeit habe ihr Zukünftiger sie gewürgt. Weil die Verwandtschaft bereits angereist war, habe sie das Fest aus Scham nicht abgeblasen.

Das Urteil entsprach dem Strafantrag von Staatsanwältin Natalia Fuchs, dem sich auch die Nebenklage-Vertreterin Irene Peter-Levonj anschloss. Verteidiger Stephan Becker plädierte wegen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit des Kindes auf Freispruch.

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