Er spielt den Claude im Musical

Darsteller Messner über "Hair": Noch nie etwas so Anstrengendes gespielt  

Peace: Christof Messner muss nicht immer im Vordergrund stehen. Im Hippie-Musical „Hair“ ist er allerdings einer der Hauptdarsteller. Der Wahl-Wiener spielt Claude. Im Park an den Nordschulteichen genießt er gern die Ruhe und die Natur.

Bad Hersfeld. Was "Hair" bei den Festspielen für die Darsteller bedeutet? Nie stillstehen, erklärt Christof Messner - und warum es ein Privileg ist, in Bad Hersfeld zu spielen. 

Kaum zu glauben, so wie Christof Messner als Claude in „Hair“ über die Festspiel-Bühne wirbelt, aber: Der 32-Jährige isst und schläft gerne viel. Fast hätte er auch den Interviewtermin mit unserer Zeitung verschlafen, aber nur fast.

„Ich bin seit 2010 im Beruf und habe noch nie so etwas Anstrengendes gespielt wie Hair“, sagt Messner lachend. „Man steht keine Sekunde still.“ Mit seinem Debüt in Bad Hersfeld ist der Wahl-Wiener durchaus zufrieden. „Es ist ein Privileg, hier spielen zu dürfen.“ 

Großartiges Musicaltheater, spektakuläre Kulisse und die Band ist der Hammer

Das Musicaltheater bei den Festspielen zählt für Messner zum besten überhaupt, die Kulisse sei einfach spektakulär und die Band der Hammer. „Ich bin ein Orchester-Fan“, betont der 32-Jährige, der die Liebe zur Musik „mit der Muttermilch aufgesogen“ und schon als Kind mehrere Instrumente und später in verschiedenen Bands gespielt hat.

In Bad Hersfeld hat er inzwischen so gut wie alle Restaurants getestet, und viel Schlaf sei neben Fitnesstraining eben einfach nötig, um den körperlich anstrengenden Bühnen-Job meistern und ausgleichen zu können.

"Ich wollte nichts anderes"

Die Liste seiner Engagements in den vergangenen Jahren ist lang. Doch schnurgerade verlief Messners Weg nicht. Der erste Versuch, am Konservatorium Wien aufgenommen zu werden, scheiterte. Die laut Messner einzige staatlich subventionierte Schule Österreichs nimmt pro Jahrgang maximal zehn Männer und Frauen auf. 

Doch der Südtiroler gab nicht auf, er nutzte das Jahr bis zur nächsten Gelegenheit, um derweil auf einer Privatschule sein Talent weiter auszubauen, und probierte es schließlich erneut – diesmal mit Erfolg. „Das wollte ich und nichts anderes“, erklärt Messner.

Doch auch nach der Ausbildung ging es nicht gleich von null auf hundert. „Ich war auf mich allein gestellt, das war anfangs schon schwierig“, erzählt er freimütig. Auch der erste Gang zum Arbeitsamt zwischen zwei Engagements sei nicht einfach gewesen. Allerdings ist es ihm ohnehin lieber, die Karriereleiter Schritt für Schritt zu erklimmen.

Die Liste der Engagements ist lang und abwechslungsreich

Inzwischen ist die Liste seiner Engagements in den vergangenen zehn Jahren lang und abwechslungsreich. Er selbst bezeichnet sich als Allrounder, wobei das Tanzen nicht unbedingt seine Paradedisziplin sei. Einen Ausflug ins TV-Geschäft hat Messner ebenfalls schon gemacht: 2014 war er in „SOKO Kitzbühel“ zu sehen. 

„Ich habe schon als Kind Filme nachgesprochen, und mich hat eigentlich alles interessiert, was mit Bühne zu tun hat.“ In seiner Freizeit geht er deshalb auch nicht unbedingt ins Musical, sondern ins Sprechtheater. Doch Film und (Musical-) Bühne seien zwei unterschiedliche Welten, „man muss sich entscheiden“.

Seine Traumrolle? Sweeney Todd

In Bad Hersfeld gefallen Messner übrigens nicht nur die Restaurants. Er spricht von der schönen Altstadt und den herzlichen Begegnungen. „Man ist nah am Publikum und fühlt sich irgendwie besonders, wenn man überall freundlich angesprochen wird“, so Messner, der sich gleichzeitig wundert, trotz Kappe und Sonnenbrille erkannt zu werden.

Seine Traumrolle? Zum Beispiel Sweeney Todd in „Edward mit den Scherenhänden“. Eines schränke die Wünsche allerdings ein: „Für vieles bin ich noch zu jung.“ Im Anschluss an die Festspiele geht es für den 32-Jährigen ohne einen Tag Pause weiter ans Landestheater Linz, wo er gemeinsam mit seinem „Hair“-Kollegen Riccardo Greco im Musical „Lazarus“ spielen wird. 

In Linz hat Messner einen Jahresvertrag und fünf Premieren in zehn Monaten. „Im Moment läuft es richtig gut“, freut er sich. Bleibt zu hoffen, dass trotzdem noch ausreichend Zeit zum Essen und Schlafen ist...

Zur Person

Christof Messner (32) kommt aus Antholz in Südtirol und hat die italienische Staatsbürgerschaft. Er ist zweisprachig und in einer, wie er selbst sagt, musikalischen Familie aufgewachsen. Seine Ausbildung hat er von 2007 bis 2011 mit Auszeichnung am Konservatorium der Stadt Wien absolviert, wo er unter anderem in der Dreigroschenoper, Fame und The Wild Party zu sehen war. 

In der österreichischen Hauptstadt lebt er inzwischen auch. Seit gut zehn Jahren steht er nun auf der Musical-Bühne. Zuletzt war Messner als Tony in West Side Story bei den Vereinigten Bühnen Bozen, als Zinnowitz/ Anwalt an der Bühne Baden, als Henry in „Der gestiefelte Kater“ an der Oper Graz und als Schlomo Metzenbaum in Fame am Theater Kiel zu sehen. 

2015 wurde er als bester Darsteller beim 1. Musicalpreis der Deutschen Musicalakademie ausgezeichnet, 2018 erhielt er den Carolyn Weber Award im Zuge der Lotte Lenya Competition in New York (USA).

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