Trox, Continental und Co. 

Corona-Virus: Krise trifft auch Firmen und Apotheken in Hersfeld-Rotenburg

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Mit Mundschutz am Arbeitsplatz: Dieses Foto vom 23. Februar aus Chongqing in China zeigt eine Arbeiterin und einen Arbeiter in einer Teefabrik. Der Mundschutz ist wegen des Corona-Virus’ zurzeit Pflicht. 

Personalmangel und Lieferengpässe: Die Corona-Krise trifft weltweit die Wirtschaft. Zudem werden Antibiotika knapp. Auch im Kreis gibt es Verbindungen nach China. 

Einige Firmen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg pflegen enge Verbindungen zum Virus-Ursprungsland China, andere sind zumindest mittelbar betroffen. Inzwischen sind außerdem auch Fälle in Südkorea, Iran und Italien bekannt.

Direkt betroffen ist beispielsweise die FirmaOMS Antriebstechnik in Cornberg, die Antriebsmaschinen für Rolltreppen herstellt und 2018 eine Tochtergesellschaft im Nordosten Chinas gegründet hat. Etwa 100 Mitarbeiter arbeiten in Cornberg, zwölf sind es in China. „Das Corona-Virus wirkt sich wirtschaftlich und organisatorisch aus“, erklärt Thomas Fischer. Kosten und Konditionen würden sprunghaft ansteigen. Der Geschäftsführer bleibt trotzdem einigermaßen gelassen. Denn: „Aktuell scheint sich die Situation etwas zu entspannen.“

China ist laut Fischer derzeit der größte Markt für Rolltreppen. Einige Firmen seien dort zurzeit „lahmgelegt“, die vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen könnten nicht von allen umgesetzt werden. Auch die OMS sei von chinesischen Kunden etwa bei der Beschaffung von Schutzmasken um Hilfe gebeten worden, doch der Bestand sei tatsächlich fast überall aufgebraucht, berichtet Thomas Fischer.

"Ein kleiner Teil unserer Firma darf seit dieser Woche wieder arbeiten"

Am Standort Bad Hersfeld des Ventilatoren-Produzenten Trox spürt man die Folgen des Virus’ ebenfalls. „Trox China ist Hauptproduzent der Kunststoffteile für den Konzern und auch für Bad Hersfeld wichtig“, berichtet Udo Jung, Geschäftsführer Vertrieb, Technik und Produktion. Er musste außerdem eine für April geplante Reise canceln: Ausgerechnet im chinesischen Wuhan, wo das Virus erstmals auftrat, wollte Trox wie viele andere deutsche Unternehmen an einer Messe teilnehmen, die nun aber abgesagt wurde.

Immerhin: „Ein kleiner Teil unserer Firma darf seit dieser Woche wieder arbeiten“, so Jung mit Blick nach China. Allerdings würden nach wie vor viele Einschränkungen gelten, Mundschutz sei Pflicht. Beteiligt war Trox laut Jung im Übrigen am Bau eines von zwei „Fertigkrankenhäusern“ in Wuhan speziell für Corona-Patienten. „Wir haben Komponenten für die Lüftungsanlage gespendet.“ 

Erst kürzlich fand in Bad Hersfeld eine internationale Konferenz mit Teilnehmern aus 29 Ländern statt. Ein glücklicher Zufall sei dabei gewesen, dass sich die Führungskräfte aus China zur Zeit des Corona-Ausbruchs im Urlaub außerhalb des Landes befunden hätten. Sie müssten nun allerdings auch fern des Landes darauf warten, bis sie wieder zurück könnten.

Continental: 24.000 Mitarbeiter an 50 Standorten in China

Standorte in China und Lieferanten in aller Welt hat auch Automobilzulieferer Continental, weshalb man sich natürlich auch in Bebra bei der Conti-Tochter Vitesco Gedanken macht, wie aus der Belegschaft zu hören ist. Direkt betroffen sei das Werk in Bebra aber nicht, teilte Sprecherin Nicole Göttlicher mit. Rund 24.000 Mitarbeiter beschäftigt Conti in China – an 50 Standorten.

„Unser Hauptaugenmerk gilt der Gesundheit unserer Mitarbeiter vor Ort sowie der Aufrechterhaltung unserer Lieferfähigkeit“, so Göttlicher. „Wir unterstützen unsere Standorte, zum Beispiel mit der Lieferung von geeigneter persönlicher Schutzausrüstung. Gleichzeitig prüfen wir fortlaufend unsere Lieferfähigkeit und stehen in engem Austausch mit unseren Zulieferern und Kunden.“

Auch Verifone als Anbieter elektronischer Zahlungssysteme produziert in China, die deutsche Zentrale sitzt in Bad Hersfeld. „Das ist ein hochkomplexes Thema“, sagt Sprecher Michael Trinks. „Wir halten intensiven Kontakt mit Kunden und Lieferanten.“ Aktuell gebe es zwar noch keine Lieferengpässe, da die momentan im Verkauf befindlichen Produkte bereits vor einiger Zeit hergestellt wurden. Wie es weitergeht, sei indes schwer abzusehen.

In weiteren betroffenen Firmen wollte man sich nicht öffentlich äußern.

Grundstoffe für Antibiotika werden fast nur in China hergestellt

In Alarmbereitschaft ist mit Blick auf das Corona-Virus Apothekerin Saskia Hildwein, die mehrere Apotheken in der Kreisstadt Bad Hersfeld betreibt. Weil die alternativlosen Grundstoffe für Antibiotika fast nur noch in China hergestellt werden, würden nun ebendiese knapp. 

„Viele Produktionsstätten liegen rund um Wuhan“, sagt Hildwein, die bereits reagiert und auf Vorrat bestellt hat, um abzugreifen, was noch da ist. Das würden andere aber natürlich ebenfalls tun. In ein bis zwei Monaten könnte es laut Hildwein kritisch werden, wenn sich die Situation nicht ändere oder diese gar schlimmer würde. Das träfe dann selbstverständlich auch die Krankenhäuser. 

Lieferengpässe bei verschiedenen Medikamenten spüren Händler und Kunden bereits seit einigen Monaten, nun offenbarten sich die Abhängigkeiten und Probleme allerdings besonders. Das Grundproblem ist laut Hildwein die Abhängigkeit, weil wichtige Medikamente aufgrund von Preisdruck ins Ausland verlagert beziehungsweise nur noch in ein oder zwei Ländern der Welt hergestellt werden. Über die Schließung des letzten verbliebenen europäischen Standortes werde gerade aktuell diskutiert. 

„Arzneimittel sind nicht irgendwelche Produkte“, warnt die Apothekerin. Spätestens jetzt sollte man die Situation zumindest mit Blick auf die wichtigsten Arzneimittelklassen beziehungsweise überlebenswichtige Medikamente überdenken, meint sie.

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