„Dann flogen die Fäuste“

Belastungszeuge bringt keine Aufklärung im Prozess gegen 60-jährigen Schläger

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Prozess in Fulda. 

Bad Hersfeld. Wenig Aufklärung brachte der Hauptzeuge vor dem Landgericht Fulda. Angeklagt ist ein 60-Jähriger, der eben diesen Mann krankenhausreif geschlagen haben soll.

Wer sich von der Aussage des Hauptbelastungszeugen im Prozess gegen einen 60-jährigen Bad Hersfelder, der eben diesen Mann krankenhausreif geschlagen sowie eine Bekannte geschlagen und mit dem Tod bedroht haben soll, Aufklärung erhofft hatte, der wurde am Freitag in der Verhandlung vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Fulda enttäuscht.

Denn der 40-Jährige, der von der Polizei vorgeführt wurde, weil er den letzten Termin unentschuldigt verpasst hatte, gab an, sich nicht mehr wirklich erinnern zu können. Der Mann, nach eigenen Angaben seit mehr als 20 Jahren Alkoholiker, trinkt pro Tag ein bis zwei Flaschen Korn. Als die Polizei ihn am Donnerstagabend abholen und in Gewahrsam nehmen wollte, war er mit vier Promille Alkohol im Blut nicht haftfähig. Am nächsten Morgen waren es immer noch 1,5 Promille, doch damit fühle er sich wohl, erklärte der arbeitslose Bad Hersfelder.

Kennengelernt, so berichtete der Zeuge, habe er den Angeklagten bereits vor etwa 25 Jahren am Trinkertreff hinter dem tegut-Markt in der Fußgängerzone. Der habe dann auch eine Zeit lang bei ihm gewohnt, bis er nach einem seiner vielen Gefängnisaufenthalte – der 60-Jährige hat 30 seiner 60 Lebensjahre wegen einer Fülle von Straftaten hinter Gittern verbracht – eine Wohnung gefunden hatte.

In Streit geraten

Am 20. Februar 2017 habe er den Angeklagten in dessen Wohnung am Neumarkt besucht. Schon am Vormittag hätten sie gemeinsam getrunken. Am Nachmittag seien sie dann in Streit geraten, ein Wort habe das andere gegeben und „dann flogen die Fäuste“, berichtete der 40-Jährige. Den Anlass für den Streit konnte er ebenso wenig sicher nennen wie denjenigen, der mit den Faustschlägen angefangen hat.

Bei ihm seien jedenfalls nach dem ersten Schlag gegen das Kinn die Lichter ausgegangen, und er sei erst im Krankenhaus wieder aufgewacht.

Bei seiner zweiten Aussage bei der Polizei, die, so betonte der Zeuge mehrfach, der Wahrheit entspreche, wusste er Anfang März 2017 noch mehr, berichtete von mehrfachen Tritten gegen den Körper mit festen Schuhen, und dass der Angeklagte seinen Kopf auf den Boden geschlagen habe.

Daran hatte er vor Gericht nur noch vage Erinnerungen, sagte der 40-Jährige, nachdem Richter Josef Richter ihm seine Aussage vom März 2017 vorgelesen hatte.

Warum er denn zuerst behauptet habe, er sei gestürzt, wollte der Richter wissen. „Ich wollte dem Ärger aus dem Weg gehen“, sagt der Zeuge. Gegen den Angeklagten habe er zunächst nicht aussagen wollen, weil er Mitleid mit ihm habe wegen dessen Herzkrankheit. Ein Brief, den der 40-Jährige nach diesem Vorfall an den Angeklagten ins Gefängnis schrieb, spricht von einer engen Verbundenheit zwischen den beiden, einer Art Vater-Sohn-Verhältnis.

Noch weniger konnte oder wollte der Zeuge über den zweiten angeklagten Fall sagen, bei dem in seiner Gegenwart im Juli 2017 eine Bekannte des 60-Jährigen von ihm geschlagen, festgesetzt und mit dem Tode bedroht worden sein soll.

Erneut stellte der Angeklagte über seinen Verteidiger Achim Groepper mehrere Anträge: Er möchte aus der Untersuchungshaft entlassen werden, er fordert ein medizinisches Gutachten zu einer Messerverletzung und eine Ortsbesichtigung, bei der er beweisen will, dass er unschuldig ist.

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