Frist für Sanierung läuft ab

Hausgemachter Zeitdruck: Hersfeld fürchtet Verlagerung von Betrieb nach Bebra

Bei der Sanierung der Raiffeisen Vieh und Fleisch (RVF) sollte Platz für Unternehmen auf dem Schlachthofareal in Bad Hersfeld entstehen. Die dafür gesetzte Frist wird zum Problem.

Die Stadt Bad Hersfeld steht wegen der bevorstehenden Sanierung des Zerlegebetriebs der Raiffeisen Vieh und Fleisch (RVF) unter extremem Zeitdruck und befürchtet die Verlagerung des Unternehmens nach Bebra.

Hintergrund ist eine vertragliche Vereinbarung mit der RVF, in der im Zuge von Grundstücksgeschäften eine demnächst ablaufende Frist für den Beginn der Umbaumaßnahmen gesetzt wurde. 

Weil die Schlachthoffläche an der Hochbrücke seit Neuestem auch für die Ansiedlung eines Kaufland-Marktes interessant geworden ist, wird nun fieberhaft nach einem alternativen Standort für RVF gesucht. Das hat sich bisher als schwierig erwiesen, sodass nur noch zwei Flächen in der Prüfung sind.

Bei Umzug nach Bebra: 40 Arbeitsplätze ziehen mit

Alternativ erwägt die RVF eine Umsiedlung an einen noch nicht genannten Standort nach Bebra, was für die Kreisstadt den Verlust von rund 40 Arbeitsplätzen bedeuten würde. Weil auch die Kaufland-Ansiedlung wegen des noch ausstehenden GMA-Gutachtens und eines Votums der Regionalplanung keineswegs sicher ist, stünde Bad Hersfeld im schlechtesten Fall ganz ohne Unternehmen dar.

Der Stadtverordneten-Ausschuss für Stadtplanung und Umwelt hat deshalb einmütig empfohlen, dass sich der Magistrat im Einverständnis mit der RVF um eine dreimonatige Fristverlängerung des Vertrages bemüht. So soll Zeit für die Suche nach einem passenden Grundstück gewonnen werden. 

Hier kam überraschend auch das unweit gelegene Areal der ehemaligen Autozentrale in der Konrad-Zuse-Straße ins Gespräch, das kürzlich von der Rosco-Unternehmensgruppe erworben wurde. Rosco ist mittlerweile auch Investor auf dem Schlachthofgelände. Geschäftsführer Walter Rossing signalisierte gegenüber unserer Zeitung Gesprächsbereitschaft.

Ein Aufschieben der RVF-Sanierung hängt jedoch auch von Auflagen des Veterinäramtes ab.

Stadt hat sich selbst in die Bredouille gebracht

Die Stadt Bad Hersfeld hat sich beim Schlachthof-Thema mit gesetzten Fristen selbst in die Bredouille gebracht: Ursprünglich sollte durch den Verkauf einer Teilfläche des Schlachthofareals an einen Investor Platz für das bisher in der Hainstraße ansässige Verteilzentrum der Deutschen Post gewonnen werden. 

Diese wiederum sollte das von einem örtlichen Kaufmann erworbene Gebäude für einen Edeka-Markt freimachen, der demnächst auch gebaut werden kann. Mittlerweile plant die Post aber einen Umzug in den Zuse-Industriepark.

Das Interesse der Firma Kaufland an einer Ansiedlung in Bad Hersfeld ist erst im vergangenen Sommer konkret geworden. Die Hoffnung, bis zum Herbst ein Verträglichkeitsgutachten für den Standort und die Zustimmung der Regionalplanung zu erhalten, hat sich jedoch zerschlagen.

Rubriklistenbild: © Karl Schönholtz

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