Sexuelle Gewalt war das Ende einer „toxischen Beziehung“

Bad Hersfelder Gericht verurteilt Vergewaltiger zu zweieinhalb Jahren Haft

Justizia hält eine Waage
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Justizia hält eine Waage (Symbolbild)

Weil er seine Ex-Freundin vergewaltigt hat, ist ein Münchner in Bad Hersfeld zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Die Staatsanwältin hatte eine höhere Strafe gefordert.

Hersfeld-Rotenburg – Zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren hat das Schöffengericht am Amtsgericht Bad Hersfeld einen 29-Jährigen aus München verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er seine Ex-Freundin am 1. Juli 2018 vergewaltigt hat.

Damit blieb das Gericht unter dem Vorsitz von Richterin Christina Dern unter dem Antrag von Staatsanwältin Sarah Lomb, die drei Jahre und vier Monate gefordert hatte. Verteidiger Gunter Müller hatte dagegen auf Freispruch plädiert, der Angeklagte selbst seine Unschuld beteuert und ebenfalls um Freispruch gebeten.

Angeklagter sprach nur von seinen Gefühlen

Mit seinem Schlusswort bestätigte der Münchener den Eindruck, den das Gericht während der zwei Verhandlungstage von ihm gewonnen hatte. Er und seine Familie machten seit zwei Jahren die Hölle durch, sprach er nur von seinen Gefühlen und entschuldigte sich bei der Geschädigten lediglich dafür, dass er nicht der richtige Mann für sie gewesen sei.

Widersprüche in den Aussagen

Sein Anwalt hatte zuvor versucht, Zweifel an der Glaubwürdigkeit der jungen Frau zu wecken. Die etwa ein Dreivierteljahr dauernde Beziehung der beiden sei eine einzige Katastrophe gewesen, stellt er außerdem fest. In diesem Punkt waren sich die Verfahrensbeteiligten einig, kamen jedoch ansonsten zu ganz anderen Bewertungen: Staatsanwältin Lomb stellte noch einmal ausführlich die Tat, die „toxische Beziehung“ der beiden und auch das nachfolgende Verhalten des Angeklagten, der seine Exfreundin mit ständigen Telefonanrufen terrorisierte, dar. Sie wies auf Widersprüche in dessen Aussagen und nachweisliche Lügen hin, und würdigte die Zeugenaussagen, von denen die meisten, insbesondere die der beiden Polizeibeamten, das bestätigten, was die Geschädigte ausgesagt hatte. Rechtsanwältin Daniela Morbach, die die Nebenklägerin vertrat, hielt dem Angeklagten vor, er könne ein „Nein“ einfach nicht akzeptieren, er sei ein Kontrollfreak und habe Macht ausüben wollen.

Richterin Christina Dern erklärte ausführlich, wie das Gericht zu seinem Urteil gekommen sei, hielt dem Angeklagten seine Lügen und seine Ichbezogenheit vor und machte deutlich: „Wir glauben der Zeugin und nicht dem Angeklagten.“ Bei seiner Strafzumessung berücksichtige das Gericht auch die erheblichen psychischen Folgen der Tat für die Geschädigte, die sich nach eigenen Angaben auch nach einer Therapie immer noch nicht so fühlt, wie vorher. (Christine Zacharias)

Berufung, Revision und Bewährung

Gegen das Urteil des Schöffengerichts kann der Angeklagte Berufung oder Revision einlegen. Bei einer Berufung prüft ein übergeordnetes Gericht das Urteil sowohl in rechtlicher als auch tatsächlicher Hinsicht, das heißt das ganze Verfahren wird noch einmal aufgerollt. Bei einer Revision wird das Urteil nur auf mögliche Rechtsfehler überprüft. Auf Bewährung konnte die Strafe nicht ausgesetzt werden. Das ist nur bei Strafen von bis zu zwei Jahren möglich. (zac)

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