Musikalisches Feuerwerk am Silvesterabend

„Dinner for Six“ in der Bad Hersfelder Stadtkirche

Silvesterkonzert in der Stadtkriche Bad Hersfeld
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Ein musikalisches Feuerwerk am Silvesterabend präsentierten (von links) Evgeny Yatsuk, Anton und Sebastian Bethge, Björn Diehl, Daniel Crespo, Emily Czembor, Anastasia Boksgorn und Martin Janßen den Zuhörenden in der Stadtkirche. Um das ganze Foto zu sehen, klicken Sie bitte auf das kleine Kreuz.

Ein Konzert unter dem vielversprechenden  Titel "Dinner for Six" hat am Silvesterabend das Publikum in der Bad Hersfelder Stadtkirche begeistert. 

Bad Hersfeld – Angekündigt als „Dinner for Six“ hätte das Silvesterkonzert in der voll besetzten Stadtkirche auch „Dinner for Eight“ heißen können: Neben der Violinistin Anastasia Boksgorn (Bad Hersfeld), den Trompetern Daniel Crespo (Buenos Aires), Evgenij Yatsuk (Oldenburg) und Björn Diehl (Oberaula) sowie den Organisten Sebastian Bethge (Bad Hersfeld) und Martin Janßen (Lübeck/Bad Hersfeld) waren auch die erst 13-jährige Violinistin Emily Czembor und ihr dreijähriger Bruder Anton Bethge entscheidend mit beteiligt.

Gemeinsam brachte das Ensemble den gesamten Kirchenraum zum Klingen. Beide Orgeln waren zu hören, es wurde von der Empore, vom Orgelsteg aus und im Altarraum musiziert. Musikalisch wurde ein weiter Bogen gespannt, der von den Altmeistern Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach bis hin zu zeitgenössischer Musik mit südamerikanischer und jazziger Färbung reichte.

Barocke Strahlkraft kontrastierte mit verspielter Virtuosität, romantischer Schmelz mit meditativer, zurückgenommener Musik – beispielsweise in Enrique Crespos „Ein deutsches Lied“ und Oskar Fredrik Lindberghs nordisch-sprödem „Alten Krippenpsalm aus Dalarna“ – die zum Innehalten am letzten Abend des Jahres einlud.

Als traditionelles Dessert servierte das Dinner-Ensemble nach Händels Wasser- und Feuerwerksmusik noch Jeremiah Clarkes „Prince of Denmark’s March“ als Zugabe, der das Publikum in beschwingter Stimmung in die Silvesternacht gehen ließ.

Eindrucksvoll gelang einmal mehr das klangliche Ausloten des gesamten Kirchenraumes durch die Raumwechsel und das Einbeziehen der kleinen Altarorgel im Chorraum der Kirche. Die beiden Orgeln waren meist im Wechselspiel zusammen mit den ebenfalls an unterschiedlichen Orten im Raum verteilten Solisten zu hören, was den Zuhörern besondere Hörerlebnisse bescherte.

Auch der Humor kam nicht zu kurz: In Aron Coplands Bearbeitung des englischen Kinderliedes „I bought me a Cat“ visualisierte Anton Bethge mit Unterstützung seiner Schwester Emily Czembor mithilfe von Stofftieren die musikalische Menagerie, sodass Katzen, Gänse, aufgeregte Hühner und sogar eine Kuh das Kirchenschiff bevölkerten. Dabei zeigte sich, dass die Tuba ein perfektes Instrument für eine Kuh-Imitation sein kann, während sich die Trompete ausgezeichnet für aufgeregte Hennen und wiehernde Pferde eignet. Sebastian Bethge trug das Lied als musikalischer Geschichtenerzähler in gesungener Form vor.

Das Spiel der Solisten kam neben den überlegt eingesetzten und registrierten Orgeln eindrucksvoll zur Geltung. Anastasia Boksgorn brillierte vor allem in Antonio Bazzinis Virtuosenstück „La Ronde des Lutins“, deren technisch ausgesprochen anspruchsvolle Passagen sie souverän, energiegeladen, mit großer Intensität und mit viel Gefühl für melodische Bögen meisterte.

Gemeinsam mit ihrer Schülerin Emily Czembor und den drei Trompetern spielte sie darüber hinaus unter anderem den Schlusschoral aus Bachs Weihnachtsoratorium mit perfekt intonierter und warm timbrierter Färbung. Besonders nachhaltigen Eindruck hinterließen die drei Trompeter Björn Diehl, Evgenij Yatsuk und Daniel Crespo: Ihnen gelangen sowohl die strahlend-eleganten als auch die weichen, zurückgenommenen Farbnuancen.

Sehr eindrucksvoll geriet beispielsweise James Curnows Bearbeitung des Spirituals „Jericho“ und Franz Lehárs „Wolgalied“. Sie brachten ihre Instrumente im besten Wortsinn zum Singen und erwiesen sich auch im Zusammenspiel als perfekt aufeinander abgestimmtes Trio. Sebastian Bethge und Martin Janßen bildeten an den beiden Orgeln eine sichere und differenzierte Basis für die Solisten.

Mit lang anhaltendem, stehendem Applaus bedankte sich das Publikum für das delikate festliche Silvestermenü.

Von Ute Janßen

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