Gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen

Busfahrer zusammengeschlagen: 22-Jähriger verurteilt

Busfahrer zusammengeschlagen: 22-Jähriger bekommt Freiheitsstrafe auf Bewährung
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Busfahrer zusammengeschlagen: 22-Jähriger bekommt Freiheitsstrafe auf Bewährung

Eine Schlägerei im Familienkreis und eine heftige Ohrfeige für einen Busfahrer: Dafür musste sich ein 22-jähriger Hersfelder vor Gericht verantworten.

  • 22-jähriger Hersfelder muss sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.
  • Beim ersten Fall handelt es sich um einen Streit zwischen zwei Familien. 
  • Beim zweiten Fall war der Anlass banal.

Die Fäuste saßen locker bei einem heute 22-Jährigen aus Bad Hersfeld, zumindest vor einigen Jahren noch. Der junge Mann musste sich vor dem Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Richterin Michaela Kilian-Bock wegen zwei Fällen von gefährlicher Körperverletzung verantworten. Dafür wurde er zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt, die auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird.

Beim ersten Fall war wohl ein seit Jahren währender Streit zwischen zwei aus Kroatien stammenden Familien der Hintergrund für die tätliche Auseinandersetzung. Dabei geht es um Geld, das die eine Familie der anderen für die Ausrichtung einer Hochzeit gezahlt und nicht vollständig zurückerhalten haben will.

Hersfelder gestand, auch selbst zugeschlagen zu haben

Auf dem Parkplatz der Firma Hermes in Friedewald trafen im April 2018 Mitglieder der beiden Familien – der Angeklagte und sein Bruder, der inzwischen wieder in Kroatien lebt, und die sich Bewerbungsunterlagen holen wollten, sowie ein junger Mann der anderen Familie, der mit seinem kleinen Sohn und seiner Großmutter dort den Onkel von der Schicht abholen wollte – zusammen.

Erst wurde geschimpft, dann fielen Beleidigungen, dann flogen die Fäuste. Der Angeklagte räumte schließlich, nachdem sein Verteidiger Jochen Kreissl ihm gut zugeredet hatte, ein, auch selbst zugeschlagen zu haben. 

Anlass im zweiten Fall banal

Wie es aber kam, dass schließlich die Großmutter mit Blessuren auf der Erde lag, das wusste der Angeklagte auch nicht: „Ich schlage keine Frau“, betonte er.

Im zweiten Fall war der Anlass noch banaler. Im März 2017 soll der Angeklagte einen Busfahrer, der gerade in der Breitenstraße losfuhr, mit Klopfen an die Tür aufgefordert haben, noch einmal anzuhalten. 

Angeklagter schlug den Busfahrer - Trommelfell platzte

Als der Busfahrer sagte, er solle doch bitte das nächste Mal etwas früher kommen, entwickelte sich ein kurzes Wortgefecht und schließlich verpasste der Angeklagte dem Busfahrer eine so heftige Ohrfeige, dass dessen Trommelfell platzte. Noch heute leidet der Busfahrer unter den Folgen der Attacke.

Bad Hersfeld: Wertloser Zeuge

Das sei er nicht gewesen, erklärte der Angeklagte mit Nachdruck und benannte auch einen Zeugen, der bestätigen könne, dass er zu dem Zeitpunkt nicht im Bus war. Dessen Aussage war aber so wenig beweiskräftig, dass noch nicht einmal Verteidiger Kreissl sich darauf beziehen wollte. Der Zeuge hatte den Vorfall nicht gesehen, lediglich einen jungen Mann, der in eine Spielhalle ging und der nicht der Angeklagte war.

Polizei bestätigt Angaben des Busfahrers

Genau zugeguckt hatten jedoch Geschäftsleute, weil der Bus direkt vor ihrem Schaufenster zum Stehen kam. Sie hielten es durchaus für möglich, dass der Angeklagte der Schläger von damals war. Ganz sicher war sich zudem der Busfahrer. Und auch der Polizist, der den jungen Mann damals festgenommen hatte, bestätigte die Angaben des Busfahrers.

Urteil des 22-Jährigen nach Erwachsenenrecht

Mit seinem Urteil nach Erwachsenenrecht (der Angeklagte ist Vater von drei Kindern) folgte das Gericht weitgehend der Forderung von Staatsanwältin Christina Dern. Zudem erhielt der Angeklagte die Auflage, von einem Bewährungshelfer betreut zu werden und im Zuge des Täter-Opfer-Ausgleichs 600 Euro an den Busfahrer zu zahlen. 

Zu seinen Gunsten wertete das Gericht, dass es seitdem keine weiteren Taten mehr gegeben hat. Verteidiger Kreissl hatte ebenso wie die Jugendgerichtshilfe für eine Bewertung nach Jugendrecht plädiert.

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