Bereits zum 23. Mal

Gegen den Novemberblues: Bluesfestival im Buchcafé begeistert mit jungen Musikern

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Ungewöhnliche Kombination: Chris Kramer & Beatbox’n’Blues beim Bluesfestival im Buchcafé.

Bad Hersfeld. Atemberaubend, einfühlsam, authentisch und mit viel Power - das 23. Bluesfestival im Buchcafé Bad Hersfeld begeisterte am Wochenende mit jungen Musikern.

Die Eröffnung des 23. Bluesfestivals im Buchcafé zelebrierte die Band Booze Blues aus Fulda auf Deutsch. Blues auf Deutsch, geht denn das? Und ob das geht! 

Mit den deutschen Texten aus der Feder von Martin Caba (Gesang, Mundharmonika) und mit den aufgeschriebenen Noten von Florian Jenisch (Gitarre) hat es BoozeBlues erfolgreich geschafft, die Tür zum deutschen Blues ganz weit aufzureißen.

Es wurde auch Zeit, dem deutschen Mainstream der Jammersänger endlich einmal was Knallhartes entgegenzusetzen. Die Songs der neuen CD „Blaupause“ sind direkt dem eigenen Leben in der Rhön entsprungen und versuchen, eben dieses mit rockigem Blues, vermischt mit etwas Funk oder als poppige Ballade, wieder in den Griff zu bekommen. Frontmann Martin Caba brachte das mit „Sei doch ehrlich zu Dir selbst“ auch genauso ehrlich rüber. Das Publikum stieg sofort voll mit ein und genoss sichtlich den neuen deutschen Blues.

Blues ohne Firlefanz

Nach diesem furiosen Einstieg konnte es nur noch eine Gangart härter kommen, und die kam mit der Andreas-Diehlmann-Band aus Kassel. Damit hatte der Organisator des Bluesfestivals Klaus-Dieter Stahr-Zimmermann ein goldenes Händchen bewiesen. Mit dem ersten Riff zeigte Andreas Diehlmann, wo die Bluesreise hingehen sollte – bodenständiger Texas Blues gepaart mit einer gehörigen Portion Powerrock. Und seine Power schöpfte er nicht nur aus seinen wahnwitzig schnellen Fingern, die fast schwerelos über das Griffbrett flogen, sondern auch aus seiner extrem rauen Stimme. Neben ihren Lieblingsmusikern Freddie King und Jimmie Hendrix ließ die Drei-Mann-Formation auch eigene Titel ihrer CD „ADB“ erklingen.

Blues auf Deutsch: Dass das überraschend gut funktioniert, das zeigte die Band Booze Blues aus Fulda mit ehrlichen Texten und rockigen Klängen.

Dieser ungedämpft kräftige Blues knallte ohne jeden Firlefanz aus den Boxen und konnte damit auf der ganzen Linie zu überzeugen.

Chris Kramer: Jeder mag den Blues, die meisten wissen es nur nicht!

Und dann kam der Gewinner des German Blues Award 2018, Chris Kramer: „Jeder mag den Blues, die meisten wissen es nur nicht!“. Das hatte Chris Kramer einst auch zu seinem heutigen Beatboxer, Kevin O’Neal, gesagt. Also probten sie tagelang zusammen, um dieses ganz Artfremde erfolgreich in ihren neuen Blues zu integrieren. Herausgekommen ist die Chris Kramer & Beatbox’n’Blues Band. Ganz nebenbei ist Kevin mehrfacher deutscher Beatboxmeister und gelernter Banker. Der dritte im Bund der Individualisten war der begnadete Gitarrist Sean Athens. Die drei Virtuosen sind angetreten, um den Blues in die Gegenwart zu transportieren und der jungen Generation zeigen, wie wunderbar und einfach der Blues ist. Nur drei Verstärker, drei Mikrofone, zwei Gitarren und diverse Bluesharps mehr brauchten die Jungs nicht.

Was für ein überschäumender Blues, den die drei in atemberaubenden Tempo boten. Von ganz bluesig bis grooveorientiert und funky, von rauen Rock bis elektrisch sanft, mal einfühlsam und mal akustisch. Ein wahrer Leckerbissen, wie das Trio um Chris Kramer sein Handwerk perfekt beherrschte und das Publikum einfach fortriss von seinem grauen Novemberblues.

Da hielt es dann keinen mehr auf den Sitzen und beim Tanzen war das Grau wie weggeblasen. Mein Freund, es ist Zeit für ’nen Blues!

Von Steffen Sennewald

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