Die bisherige NBL-Chefin Andrea Zietz wird als Spitzenkandidatin der Grünen antreten

Andrea Zietz und Antje Fey-Spengler im Interview: „Es gibt ein Vakuum im Rathaus“

Das Foto zeigt Andrea Zietz (links) und Antje Fey-Spengler im Bad Hersfelder Kurpark.
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Andrea Zietz (links) und Antje Fey-Spengler im Bad Hersfelder Kurpark.

In der Stadtpolitik tut sich was: Zur Kommunalwahl wird die bisherige NBL-Chefin Andrea Zietz als Spitzenkandidatin von Bündnis90/Grüne antreten.

Bad Hersfeld - Über diese Neuausrichtung sprach Kai A. Struthoff mit der Grünen Antje Fey-Spengler und Andrea Zietz.

Frau Zietz, was hat Sie dazu bewogen, zu den Grünen zu wechseln?

Andrea Zietz: Wir arbeiten seit Jahren in unserer gemeinsamen Fraktion im Stadtparlament gut zusammen. Egal, wie viel Prozent NBL oder Grüne bei der Kommunalwahl holen, hatten wir uns ohnehin darauf verständigt, weiter zusammenzuarbeiten. Der endgültige Schritt für mich war jetzt, es dann auch richtig zu machen.

Was passiert mit der NBL?

Zietz: Die bleibt als Verein bestehen, tritt aber nicht zur Kommunalwahl an. Ob das immer so bleibt, weiß ich aber nicht. Der NBL-Stadtverordnete Armin Leckel geht gemeinsam mit mir zu den Grünen. Wenn Corona mal vorbei ist, würde die NBL dann auch gern Veranstaltungen anbieten, etwa damit unsere erfahrenen Mitglieder ihr Wissen an jüngere Leute weitergeben können.

Frau Fey-Spengler, Andrea Zietz ist durch den Widerstand gegen die Windräder auf dem Wehneberg politisch aktiv geworden. Wie finden es die Grünen, dass ausgerechnet eine Windkraftgegnerin ihre Spitzenkandidatin wird?

Fey-Spengler: Naja, solche Vorbehalte kennen wir ja schon länger. Ich hatte ja seinerzeit auch „ausgerechnet“ Michael Bock gefragt, ob wir nicht eine Fraktion bilden wollen. Und es hat funktioniert. So wird es auch jetzt funktionieren. Wir sind ja nicht in Amerika, wir können miteinander reden und auch unterschiedlicher Meinung in einzelnen Fragen sein. Es gibt aber viele Themen, bei denen wir sehr einig sind – so engagieren die Grünen und Frau Zietz sich bei „bunt statt braun“, wir beide treten entschieden gegen Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ein, wir sind uns einig beim Klimaschutz oder der Forderung nach mehr Grün in der Stadt. Und was die Windräder am Wehneberg angeht, wo Andrea Zietz und ich ja beide wohnen, sind glücklicherweise viele der negativen Prophezeiungen nicht eingetreten.

Auch wenn der Windrad-Gau ausgeblieben ist – haben Sie kein Glaubwürdigkeitsproblem, Frau Zietz, zu den Grünen zu gehen?

Zietz: Nein. Ich bin immer noch gegen Windkraft im Wald, das habe ich schon mit den Grünen-Fraktionskollegen ausgefochten. Aber es ging mir immer um die Sache und nicht darum, grundsätzlich gegen grüne Inhalte zu sein. Das Sachthema Windkraft am Wehneberg ist für mich abgeschlossen – auch wenn ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden bin.

Mit welchen Themen gehen Sie in den Kommunalwahlkampf?

Fey-Spengler: Unser Leitspruch bleibt, global denken, lokal handeln. Das heißt, mehr Fahrrad, weniger CO2, weniger Verkehr, mehr grün. Außerdem treten wir für soziale Teilhabe und gegen die Ausgrenzung von Minderheiten ein. Die Hersfeld-Card mit Ermäßigungen für sozial-schwächere ist immer noch ein Anliegen und einige unserer Anträge, die noch auf Umsetzung warten – aber unter diesem Bürgermeister ist alles ein zäher Kampf und vieles bleibt liegen.

Zietz: Neben den ökologischen Gesichtspunkten ist für uns aber auch die Stadtentwicklung ein wichtiger Punkt. Das Wever-Projekt hätte ein Leuchtturm sein können – wenn es denn geklappt hätte. Die Kauflandansiedlung auf dem Schlachthofgelände droht zu scheitern, die Ford-Zentrale liegt seit Jahren brach. Deshalb müssen wir die Stadt in diese Richtung weiterdenken, ein Konzept machen, welches Quartier welche Nutzung erfahren soll. Wo kann man Autos verdrängen, wo kann grün in die Stadt kommen? Bad Hersfeld fehlt einfach ein Generalplan.

Sie sind starke, selbstbewusste Frauen. Wie wollen Sie gemeinsam die Grünen führen, was bei dieser Partei ja ohnehin schwierig ist? Welche Rollenverteilung gibt es?

Fey-Spengler: Ich bin erst mal demütig, was den Wahlausgang angeht. Mal sehen, wie viele Prozent wir holen. Grundsätzlich würde ich wieder in den Magistrat gehen, aber ich könnte mir auch vorstellen, ohne Amt für die Grünen im Ortsverband weiterzumachen. Dort wäre ich vielleicht sogar noch viel lauter, als ich das als Magistratsmitglied jetzt sein darf.

Zietz: Ich möchte auch künftig weiter Fraktionsvorsitzende bleiben, das ist eigentlich auch Konsens in der Partei. In dieser Position kann man schon einiges gestalten.

Fey-Spengler: Aber wir werden im Stadtparlament, wie bei den Grünen bewährt und üblich, als Team auftreten. Neben Andrea Zietz soll auch Thomas Bös den Fraktionsvorsitz innehaben.

Die Zusammenarbeit mit SPD und CDU funktioniert sehr gut. Wie wollen Sie sich im Wahlkampf abgrenzen?

Zietz: Es gibt durchaus Unterschiede zwischen uns, die wir zurzeit aber nicht dickköpfig durchsetzen. Sie werden im Wahlkampf aber sicher deutlich werden. Doch es geht ja auch darum, nach der Wahl zusammenzuarbeiten. Denn eine Fraktion allein wird sicher keine absolute Mehrheit im Stadtparlament haben.

Wollen Sie mit einem eigenen Kandidaten zur Bürgermeisterwahl antreten?

Fey-Spengler: Ich bin sicher, dass wir einen gemeinsamen Kandidaten finden werden. Es gibt den Konsens, dass mit den großen Fraktionen möglichst gemeinsam nach einem Kandidaten oder einer Kandidatin geschaut wird.

Zietz: Warten wir die Kommunalwahl ab. Erst danach wird man in Richtung Bürgermeisterwahl schauen. Schon jetzt ist klar, dass derzeit ein gewisses Vakuum im Rathaus herrscht und das muss bestmöglich gefüllt werden. Ob die Person mit einem roten, schwarzen oder grünen Parteibuch ausgestattet ist, ist zweitrangig.

Zur Person:

Antje Fey-Spengler (58, rechts) ist in Konrode geboren. Nach dem Abitur hat sie Veterinärmedizin an der Freien Universität Berlin studiert. Antje Fey-Spengler hat eine Tierarztpraxis am Wehneberg. Sie ist verheiratet, hat eine Tochter und ist bereits Großmutter.

Andrea Zietz (52) ist gebürtige Bad Hersfelderin. Nach einem Abstecher in die Kinobranche arbeitet sie seit 20 Jahren als Informatikkauffrau bei einer Computerfirma in Fulda. Sie hat drei erwachsene Kinder und lebt auf dem Wehneberg.

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