Verhandlung fiel aus - Alle da, nur der Staatsanwalt fehlte

Autos zerkratzt und Messer gezückt: Mutter und Tochter vor Gericht 

Bad Hersfeld. Dass ein Gericht vergeblich auf den oder die Angeklagte(n) wartet, das ist nichts Ungewöhnliches. Doch Mutter und Tochter aus Bad Hersfeld, die sich vor dem örtlichen Jugendschöffengericht im Zusammenhang mit einem handgreiflichen Nachbarschaftsstreit verantworten sollten, waren gestern pünktlich erschienen.

Auch mehr als ein halbes Dutzend Zeugen waren da, dazu die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe und der psychologische Sachverständige.

Dennoch konnte der Prozess nicht stattfinden – einer fehlte: der Staatsanwalt aus Fulda. Dienstliche Gründe hatten die rechtzeitige Anreise aus der Domstadt verhindert, sodass die Gerichtsvorsitzende Michaela Kilian-Bock das Verfahren unverrichteter Dinge vertagen musste, vermutlich auf einen Termin im Februar.

Pkw im Helfersgrund zerkratzt

Dann müssen alle wiederkommen, um über Vorfälle auszusagen, die laut Anklage als Körperverletzung, Sachbeschädigung und Beleidigung bewertet werden.

Demnach sollen die beiden Angeklagten am 4. September 2015 gegen zwei Uhr im Helfersgrund in Bad Hersfeld drei Pkw absichtlich beschädigt haben, indem sie mit einem spitzen Gegenstand lange Kratzer in den Lack zogen. Es entstand jeweils Sachschaden in Höhe von rund 200 Euro. Als ein Zeuge, der die Angeklagten beobachtet hatte, auf diese zuging, führt eine der Frauen mit einem Messer eine Schlagbewegung in Richtung des Zeugen aus.

Am 20. November gegen 21.30 Uhr sollen sich die beiden Angeklagten von hinten einer Gruppe von vier Personen aus ihrer Nachbarschaft genähert haben, wobei eine Angeklagte ein Küchenmesser mit einer Klingenlänge von etwa 20,5 Zentimeter in der Hand hielt und die zweite Frau einen Dekodolch mit einer Klingenlänge von 28,5 Zentimetern zog. Dabei sollen sie versucht haben, auf die Zeugen einzustechen.

Mit blutiger Hand geschlagen

Nachdem es den Zeugen gelungen war, die Angeklagten zu entwaffnen, soll eine der Frauen einem Mann mit den Worten „Hier hast du mein Blut“ mit einer blutverschmierten Hand ins Gesicht geschlagen haben.

Zu den Hintergründen des Streits sagt die Anklage nichts. (ks)

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