523 Zusammenstöße zwischen Januar und September

Autofahrer, aufgepasst: Mehr Wild-Unfälle in dunkler Jahreszeit

Hersfeld-Rotenburg. 523 Wildunfälle hat die Polizei von Januar bis September dieses Jahr im Landkreis Hersfeld-Rotenburg registriert. Mit der Zeitumstellung steigt die Gefahr.

Autofahrer, aufgepasst: Mit der Zeitumstellung auf Winterzeit in zweieinhalb Wochen steigt auch wieder die Gefahr durch Wildunfälle, denn der Großteil des Berufsverkehrs fällt dann in die Dämmerung – die Zeit, in der die meisten Wildtiere unterwegs sind.

523 Wildunfälle hat die Polizei von Januar bis September dieses Jahr im Landkreis Hersfeld-Rotenburg registriert – 34 Fälle weniger als im vergangenen Jahr, teilte Martin Schäfer Sprecher des Polizeipräsidiums Osthessen mit.

Während es in den vergangenen Jahren jeweils eine deutliche Steigerung der Unfallzahlen gegeben hatte – im gesamten Jahr 2017 waren es 763 Wildunfälle, 2016 wurden 648 Unfälle registriert, 2015 waren es 589 und Jahr 2014 nur 474 – habe sich die Zahl in diesem Jahr „auf hohem Niveau stabilisiert“, sagt Wolfgang Adam, Vorsitzender der Jägervereinigung Rotenburg.

Ob auch die Dürre des Sommers dabei eine Rolle spielt, kann Markus Sauerwein von der Jagdgenossenschaft Rohrbach nur mutmaßen. Die Trockenheit würde bei Tieren wie auch beim Menschen für weniger Bewegung sorgen.

Wilfried Marchewka, Vorsitzender des Kreisjagdvereins Hersfeld, gibt andererseits zu bedenken: „Vielleicht haben Tiere andere Plätze gesucht, weil es auf vielen Wiesen keine Nahrung gegeben hat.“

Einig sind sich die Fachleute jedoch bei einem: Ab Herbst kommt es zu mehr Bewegung in der Tierwelt, nichtsdestotrotz fahren viele Leute in Waldgebieten viel zu schnell. „Viele nehmen an Waldgrenzen keine Rücksicht. Dann kann niemand mehr reagieren“, sagt Sauerwein.

Wilfried Marchewka hofft auf mehr Vernunft: „Hinweisschilder beachten, auf bewaldeten Straßen langsamer fahren und wenn sich ein Zusammenstoß anbahnt, nicht ausweichen“, rät er. Denn das könne zu verheerenden Verkehrsunfällen führen. 

Tipps für Verkehrsteilnehmer:

Vorsicht bei Dämmerung Durch die Zeitumstellung wird es früher dunkel. Besonders betroffen davon ist der Berufsverkehr, vor allem in Bereichen, in denen Tiere besonders häufig unterwegs sind. Dies gilt für Wälder und Felder.

Worauf ist zu achten? 

„Vielerorts stehen Hinweisschilder, die beachtet werden sollten. Auch auf bewaldeten Strecken sollte langsamer gefahren werden. Ein Tempo von 120 km/h ist unangebracht“, sagt Wilfried Marchewka, Vorsitzender des Kreisjagdvereins Hersfeld. Dies bestätigt auch Wolfgang Adam, Vorsitzender der Jägervereinigung Rotenburg: „Leute durchfahren gefährliche Waldgebiete viel zu schnell. Viele reduzieren die Geschwindigkeit nach den Warnschildern vielleicht für 100 Meter und geben dann wieder Gas.“ Auch Einheimische seien trotz der bekannten Gefahr zu schnell unterwegs.

Besser nicht ausweiche

Tauchen Tiere am Straßenrand auf, sollten Autofahrer kontrolliert bremsen und langsam vorbeifahren. Durch Abblenden und Hupen lassen sich die Tiere manchmal von der Fahrbahn verscheuchen. Fernlicht ausschalten, Scheinwerferlicht irritiert die Tiere, sie verlieren die Orientierung. Springt ein Wildtier plötzlich vors Auto, heißt es: schnell reagieren. Ausweichmanöver sollten in der Regel vermieden werden. „Man kann von der Straße abkommen oder in den Gegenverkehr geraten und somit schwere Verkehrsunfälle verursachen“, erklärt Marchewka.

Was tun bei einem Unfall? 

Neben der üblichen Vorgehensweise zur Verkehrssicherheit – also Auto am Rand abstellen, Warnblinklicht einschalten, Sicherheitsweste tragen und Warndreieck aufstellen – sollte anschließend die Polizei gerufen werden. „Diese hat eine Liste mit den zuständigen Jagdausführungsberechtigten vorliegen und gibt diesen dann Bescheid“, sagt Marchewka. „Häufig blieben kleinere Verkehrsunfälle unter dem Radar. Unfälle mit Waschbären oder Füchsen werden oft nicht gemeldet“, berichtet Anke Roß, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Hersfeld-Rotenburg. Davor warnt Adam: „Es ist besser, einen Unfall sofort zu melden. Fallen einem am nächsten Tag Schäden am eigenen Wagen auf, kann es für eine Bescheinigung zu spät sein.“

Nicht anfassen oder bewegen 

Das betroffene Wild solle laut Marchewka in Ruhe gelassen werden. Die Tiere seien nicht an Menschen gewöhnt, werden dadurch gestresst, können zudem treten oder beißen. „Ein totes Tier darf nicht mitgenommen werden. Das ist Wilderei und ein Straftatbestand“, warnt Marchewka.

Motorradfahrer in Gefahr 

Kollisionen passieren nicht nur mit Autos und Lastwagen, auch Motorradfahrer sind betroffen. Naturgemäß sind diese auch schlechter geschützt als Autofahrer. Umso wichtiger ist es deshalb, mit dem Krad defensiv und vorausschauend zu fahren. Grundsätzlich gelten für Motorradfahrer die gleichen Verhaltensregeln wie für Pkw-Fahrer. (bfr)

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Rubriklistenbild: © Wolfgang Kumm/dpa-avis

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