Sie sind nicht vergessen - Noch bis 30. November zu besichtigen

Ausstellung zum Leben und Wirken jüdischer Familien in Hersfeld eröffnet

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Anschaulich und eindringlich: Große Bildtafeln und Vitrinen mit Gegenständen aus deren Nachlässen würdigen ehemals in Hersfeld lebende jüdische Familien. Die Ausstellung in der Wandelhalle ist noch bis zum 30. November zu besichtigen.

Bad Hersfeld. Über das Schicksal von 44 jüdischen Familien gibt eine Ausstellung in der Wandelhalle Auskunft. Viele Zeugnisse aus ihrem Nachlass sind zu sehen.

„Schau mal, die Familie habe ich gekannt.“ Diesen Satz hörte man einige Male am Freitagabend in der Wandelhalle des Kurhauses, als dort die Ausstellung „Sie waren unsere Nachbarn – Hersfelds jüdische Familien“ eröffnet wurde.

Sie ist eine gemeinsame Aktion der „Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hersfeld-Rotenburg“ und der „Arbeitsgruppe Zeitsprünge“ des Bündnisses „Bunt statt braun Hersfeld-Rotenburg“. 44 jüdische Familien sind nicht vergessen und werden es wohl auch dank dieser Ausstellung nie werden. Viele Bild- und Schriftzeugnisse und einige Gegenstände aus ihrem Nachlass sind zu sehen.

Bewundernswert ist eine in diesem Jahr entstandene Intarsienarbeit von Ernst Löffler, die die 1896 errichtete jüdische Schule zeigt, daneben hängt eine Zeichnung von Ulrich Fischer aus dem Jahr 1986 von der 1938 zerstörten jüdischen Synagoge. Emigriert, verzogen, sie schafften die Flucht oder auch deportiert, ums Leben gekommen, vergast – dies steht unter anderem unter den vielen Lebensläufen. Wenige Angehörige dieser Familien haben den Holocaust überlebt und das Bemerkenswerte ist, dass manche von ihnen nach Hersfeld zurückgekommen sind, wenn auch erst nach vielen Jahren. Zeugnisse dieser jüdischen Mitbürger gibt es viele und Dr. Heinrich Nuhn, der Kurator des jüdischen Museums in Rotenburg, hat es sich zur Aufgabe gemacht, sie zu sammeln und zu zeigen. Stadträtin Antje Fey-Spengler dankte ihm hierfür und begrüßte das aus London angereiste Paar Michael und Eve Hahn. Michaels Großvater Jakob besaß in Hersfeld ein Bankhaus. Er war Mitglied des Hersfelder Stadtparlaments und Kreisvorsteher der jüdischen Gemeinden. 

Heinrich Nuhn mit Eve und Michael Hahn aus London (von links).

Für ihn sei seine Familiengeschichte sehr wichtig, erzählte Michael Hahn in seiner bewegenden Ansprache. Er erzählte von den Fotos, die sein Vater aufgehoben hatte, die das Rathaus, das Bankhaus und auch das Lullusfest zeigten. Pfr. i.R. Hartmut Käberich berichtete von seiner Begegnung mit drei Hersfelder Juden im Jahr 1981. Sein Vater und Edgar Daniel seien Nachbarskinder in der Dudenstraße gewesen. 1938 floh Daniel nach New York, 1981 besuchte er Käberich und erzählte ihm von weiteren in den USA lebenden Juden aus Schenklengsfeld. Käberich reiste nach New York und traf Miriam Lauter, geb. Goldschmidt, und Dr. Julius Wetterhahn. Auch ihre Familiengeschichten sind in der Ausstellung nachzulesen. 

Wetterhahn besuchte daraufhin in Hersfeld ehemalige Nachbarn und Mitschüler. Es entstanden feste Freundschaften, so Käberich, der am Ende die Frage stellte: „Warum haben wir nicht nach den Überlebenden gesucht? Sie waren es, die zu uns kamen, und so konnte die gemeinsame Geschichte aufgearbeitet werden.“

Musikalisch begleiteten Pfarrer Carsten und Sandra Röhr sowie Jürgen Nothbaum die Vernissage. Sie spielten passend mit Bedacht ausgewählte jüdische Lieder und sangen dazu.

Für eine geplante Dokumentation über die Ausstellung sind Spenden unter „Projekt jüdische Familien“ auf das Konto DE 415 325 0000 0050064759 bei der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg möglich. (het)

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