Kommunikation mit Maske

Ausstellung im "wortreich": Was die Augen - trotz Maske - so alles verraten

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Unterschiedliche Emotionen werden auch mit Maske deutlich – die Augen verraten sie: Andrea Kirchner vom „wortreich“ in Bad Hersfeld zeigt Überraschung beziehungsweise Angst. 

Wie klappt die Verständigung, wenn große Teile des Gesichts nicht zu sehen sind? Das ist Thema einer Ausstellung im Mitmachmuseum "wortreich" in Bad Hersfeld.

Man kann nicht nicht kommunizieren. Diesen Grundsatz von Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick kennt wohl fast jeder. Denn neben der verbalen Kommunikation spielt im zwischenmenschlichen Miteinander auch die nonverbale Kommunikation eine große Rolle.

Unter anderem zählen dazu die Mimik und die Stimme – für beides ist die wegen des grassierenden Coronavirus in vielen öffentlichen Bereichen zur Pflicht gewordene Mundnasenbedeckung ein Störfaktor. Denn die Maske verdeckt einen Großteil des Gesichts, und der Mensch ist es gewohnt, sein Gegenüber anhand des Gesichtsausdrucks zu verstehen und einzuschätzen. Darüber hinaus hilft das Ablesen von den Lippen beim Verstehen.

Wenn wir wütend sind, werden die Augen fast zu Schlitzen, zeigt Yvonne Spyt, Mitarbeiterin im "wortreich" in Bad Hersfeld.

„Wir neigen dazu, eher auf den Mund als in die Augen zu schauen“, ergänzt Yvonne Spyt vom „wortreich“, wo seit Pfingsten eine Extra-Ausstellung zum Thema zu sehen ist. In einigen Ländern sei das ganz anders. In Asien etwa spielten die Augen eine viel größere Rolle bei der Verständigung. Gleiches gilt für Länder, in denen Frauen generell wenig Mimik zeigen oder das Gesicht wie die Haare mit einem Schleier bedecken. Denn sowohl die Augen als auch der Stirnbereich verraten viel über die Gefühlslage. Wenn jemand lächelt, werden die Augen klein und am Rand bilden sich Fältchen. Bei Überraschung werden die Augen größer und die Augenbrauen gehen nach oben, ähnlich zeigt sich Angst. Ekelt sich jemand, ziehen sich die Muskeln über der Nase zusammen und die Brauen gehen runter. Bei Wut werden die Augen ebenso kleiner, fast zu Schlitzen.

Die neue Ausstellung, die aus hygienischen Gründen vorwiegend aus Plakaten besteht, ist aus aktuellem Anlass von den Mitarbeiterinnen kurzfristig konzipiert und umgesetzt sowie in die eigentliche Ausstellung integriert worden. Sprich: Die Infotexte und Plakate wurden selbst recherchiert, entworfen und produziert. Bei Bedarf könne die kleine Zusatz-Ausstellung ergänzt beziehungsweise verändert werden, so Andrea Kirchner, die im „wortreich“ für Marketing und Organisation zuständig ist. Darüber hinaus sei noch eine Umfrage unter den Besuchern geplant, um herauszufinden, wie Kinder und wie Erwachsene mit den Masken zurechtkommen.

Bitte recht freundlich: Das Lächeln von Christian Scholz, Geschäftsführer des „wortreichs“, ist auch mit der Maske zu erkennen.

Die Bad Hersfelder Wissens- und Erlebniswelt für Sprache und Kommunikation gehörte zu den ersten Museen in Hessen, die Anfang Mai wieder geöffnet hatten. Auch im „wortreich“ gelten derzeit natürlich die Maskenpflicht und die üblichen Abstands- und Hygieneregeln. Maximal 60 Besucher können sich gleichzeitig in der Ausstellung aufhalten, in der nur wenige Exponate aus hygienischen Gründen gesperrt sind. Über 85 können wie gewohnt genutzt werden. Weil die Gäste gebeten werden, eigene Kopfhörer mitzubringen oder Kopfhörer für 1,50 Euro im Shop zu erwerben, wurde extra umgerüstet. Besuche von Gruppen entfallen bislang, Familien und Einzelpersonen kämen aber durchaus. „Am ersten Tag hatten wir sogar Besucher aus Stuttgart“, freut sich Spyt über die erfolgreiche Wiederöffnung. Wie sich die gut achtwöchige Zwangspause wirtschaftlichen auswirkt, werde sich wohl erst mit der Jahresrechnung zeigen, sagt Geschäftsführer Christian Scholz, der mit Blick auf die angepassten Öffnungszeiten aber nicht allzu schwarz sieht.

Die besucherfreie Zeit nur mit festem Stammpersonal habe man auch für Dinge genutzt, die sonst kaum möglich sind, wie eine Grundreinigung. „Wir wollen das Angebot auf jeden Fall aufrecht erhalten“, so Scholz. Schließlich sei das „wortreich“ gerade jetzt eine wichtige Attraktion in der Kreisstadt.

Eines zeigt die Ausstellung übrigens auch: Mitunter kann so eine Maske doch ganz praktisch sein – wenn der Bart gestutzt werden müsste oder unschöne Pickel die Optik stören.

www.wortreich-badhersfeld.de

Von Nadine Maaz

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