Ein Abgrund von Ehrlichkeit

Ausländerfeindlicher Lkw-Fahrer muss nach heftiger Körperverletzung in Haft

Wegen gefährlicher Körperverletzung, vorsätzlicher Körperverletzung und Bedrohung wurde jetzt ein Lkw-Fahrer aus Hauneck zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Er hatte sich zudem als massiv ausländerfeindlich offenbart. 

Bad Hersfeld. Der Angeklagte sei abgrundtief ehrlich, stellte Richter Michael Krusche in der Urteilsbegründung fest, und das sei nicht strafbar. „Wohl aber das, was man daraus macht“, fuhr der Vorsitzende des Bad Hersfelder Schöffengerichts fort, und verkündete eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten – ohne Bewährung.

Gefährliche Körperverletzung, vorsätzliche Körperverletzung und Bedrohung lagen diesem Urteil zugrunde, das noch über den Antrag von Staatsanwalt Andreas Hellmich hinaus ging, weil zusätzlich eine Geldstrafe von 800 Euro verhängt wurde.

Die für einen Ersttäter heftige Sanktion hatte sich der 62 Jahre alte Rentner aus Hauneck, der vor einem Jahr noch als Lkw-Fahrer tätig war, nicht zuletzt durch sein Verhalten im Prozess zuzuschreiben. Denn „abgrundtief ehrlich“ hieß im Falle des Angeklagten, dass er seinen Hass gegen Ausländer („Die Rumänen und Polen sind die Schlimmsten!“) auch im Gerichtssaal vor sich hertrug.

Parkplatz weggeschnappt

Ein rumänischer Lasterfahrer war es auch, der ihm am Abend des 16. Dezember 2016 auf dem Gelände einer Haunecker Spedition nichtsahnend einen Parkplatz weggeschnappt hatte, den der Angeklagte wegen eines Wendemanövers nicht sofort hatte besetzen können.

Obwohl es in unmittelbarer Nähe weitere freie Parkmöglichkeiten gab, bestand der Haunecker auf diesem Platz, wurde von dem nur gebrochen Deutsch sprechenden Rumänen auf „morgen“ vertröstet. Nach drei vergeblichen Aufforderungen, den Platz zu räumen, beschimpfte er den Kollegen als „Scheiß-Rumäne“ und heftiger.

Nach anfänglichem Hin- und Hergeschubse holte der Haunecker aus seinem Laster ein hölzernes Tischbein und begann loszuprügeln. Die Schläge gegen Oberkörper und Kopf seien nicht schlimm gewesen, sagte das 42 Jahre alte Opfer vor Gericht aus, und dann sei es ihm auch gelungen, dem Angreifer dessen Waffe zu entwinden und über einen Zaun zu werfen. Dann jedoch schlug der Haunecker mit der Faust zu und zertrümmerte dem Rumänen den Kiefer. Vier Tage Krankenhaus, sechs Wochen Suppe und zwei eingesetzte Metallplatten, die erst noch herausoperiert werden müssen, waren die Folgen.

Keine Entschuldigung

Dieses Geschehen räumte der Angeklagte unumwunden ein („Ich habe die Wahrheit gesagt und der Rumäne ooch“) und versicherte, auch bei einem deutschen Fahrer so gehandelt zu haben. Alle Brücken, die ihm der für eine Bewährungschance plädierende Verteidiger Jochen Kreissl zu bauen versuchte, ließ sein Mandant ungenutzt. „Man kann nichts zu seiner Entschuldigung sagen. Er will sich nicht ändern“, sagte Richter Krusche resignierend.

Von Karl Schönholtz

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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