Wettbewerb auf dem Bad Hersfelder Eichhof

Fit am Euter: Hessens beste Melker messen sich

Das Foto zeigt Teilnehmerin Helena Grösch aus Poppenhausen-Steinwand beim Melkwettbewerb auf dem Bad Hersfelder Eichhof unter Beobachtung eines Wertungsrichters.
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Melken unter Beobachtung: Teilnehmerin Helena Grösch aus Poppenhausen-Steinwand stellt sich dem Urteil der Wertungsrichter.

Durch Corona ist in diesem Jahr alles anders – auch beim hessischen Landesentscheid im Melkwettbewerb auf dem Eichhof in Bad Hersfeld.

Denn eigentlich hätten sich angehende Junglandwirte aus dem gesamten Bundesland schon im Frühjahr in der Bildungs- und Informationseinrichtung des Landesbetriebs Landwirtschaft den kritischen Augen einer Fachjury stellen sollen. Während des Lockdowns sei daran natürlich nicht zu denken gewesen, berichtet der Leiter der überbetrieblichen Ausbildung beim Landesbetrieb Landwirtschaft, Harry Schelle. Jetzt, beim Nachholtermin im Herbst, treten ausgelernte Junglandwirte an – denn ihre Ausbildung haben die Teilnehmer zwischenzeitlich abgeschlossen.

Ein wenig nervös sei sie schon, gesteht Helena Grösch, als sie am Nachmittag den Melkstand betritt, in dem bereits acht Kühe aus der Herde des Eichhofs auf sie warten. Die 22-Jährige aus Poppenhausen-Steinwand im Landkreis Fulda ist die erste von insgesamt fünf Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die sich während ihrer Ausbildung in den Lehrgängen zur Nutztierhaltung auf dem Eichhof für den Wettbewerb qualifiziert haben.

Routiniert checkt die Junglandwirtin das Vakuum der Melkanlage, melkt die Kühe, die rund einen Meter höher stehen, von Hand vor, prüft mit sachkundigem Blick die Milch, reinigt die Zitzen und setzt schließlich die Melkzeuge an. Jeder ihrer Handgriffe wird dabei von drei Wertungsrichtern aus dem Ausbilder-Team des Eichhofs verfolgt, die pandemiebedingt mit Mundschutz oder Plexiglas-Visieren ausgestattet sind.

Wegen der Corona-Auflagen sei die Wettbewerbssituation auch für die Fachjury ungewohnt, verdeutlicht Ausbilderin und Wertungsrichterin Karin Reinhard. Schließlich gelte es Abstand zu halten, gleichzeitig aber genau hinzuschauen. Denn bei der Bewertung komme es auf jeden Handgriff an. Um für faire Wettbewerbsbedingungen zu sorgen, habe ein Testmelker im Vorfeld des Wettbewerbs die Melkdauer und Milchmenge jeder Kuhgruppe ermittelt.

Es gehe aber nicht in erster Linie darum, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Milch zu gewinnen, betont Harry Schelle. Bewertungskriterien seien beispielsweise auch Sauberkeit, Hygiene, die Handhabung der Technik oder der richtige Umgang mit den Tieren. Natürlich spiele auch das Arbeitstempo eine Rolle. Den Teilnehmern biete der Melkwettbewerb die Möglichkeit, sich im Kreis von Gleichgesinnten zu messen und sei Bestätigung ihres fachlichen Könnens, unterstreicht der Ausbildungsleiter.

„Einmal hat es gezischt, als es nicht sollte und eine Kuh hat das Melkzeug abgetreten. Ansonsten bin ich zufrieden“, resümiert Helena Grösch, nachdem sie die Tiere versorgt und den Melkstand gereinigt hat. Neben dem praktischen Melken müssen die Teilnehmer auch mit einem sogenannten Milchzelltest die Eutergesundheit der Kühe prüfen. Als dritte Disziplin geht eine schriftliche Prüfung in die Gesamtwertung ein.

Siegerin wird am Ende Melissa Cromm aus Weilburg-Kubach. Helena Grösch schafft es auf den zweiten Platz vor Louis Laubert aus Hofgeismar auf Rang drei. Zur Siegerehrung ist auch die Hessische Milchkönigin Anne Schmauch aus Bebra-Breitenbach angereist.

Die Gewinner des Landesentscheids vertreten Hessen beim Bundesmelkwettbewerb, der im kommenden April auf dem Hofgut Neumühle in Rheinland-Pfalz stattfinden soll – sofern die Corona-Lage es zulässt. (Jan-Christoph Eisenberg)

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