Bad Hersfeld liest ein Buch

Bov Bjerg: "Mach, was dich interessiert"

Bad Hersfeld. Jugendliche, die nicht nach Schema F erwachsen werden wollen, sind das Thema in Bov Bjergs Erfolgsroman „Auerhaus“. Wir sprachen mit ihm.

Bad Hersfeld. Die Aktion „Bad Hersfeld liest ein Buch“ ist abgeschlossen. Wir sprachen mit dem Bov Bjerg, Autor des in diesem Jahr ausgeählten Buchs "Auerhaus", über die Jugend von damals, heute und morgen.

Herr Bjerg, wieviel Bov Bjerk steckt denn im Auerhaus?

Bov Bjerg: Haha. Da muss ich mal mein Buch zur Hand nehmen. Da kann ich genau drauf antworten. Da steht nämlich vorne drin: Alle Personen sind erfunden, alle Handlungen verjährt. Das ist eigentlich meine liebste Antwort auf diese Frage.

Und was sagt uns diese Antwort?

Bjerg: Jetzt soll ich das Motto deuten?

Natürlich.

Bjerg: Naja. Ich antworte darauf mal so, mal so. Diesmal sage ich: teils, teils.

(Allgemeines Gelächter)

Bjerg: Alles, was man schreibt, schöpft aus dem, was der, der es aufschreibt, erlebt hat. Außer es ist reine Sprachspielerei. Ungefähr so ist es beim Auerhaus auch.

Es ist ja eine etwas schräge Gesellschaft, die sich im Auerhaus zusammenfindet. Ist das ein Abbild der Jugend von damals?

Bjerg: Schräge Gesellschaft? Das ist natürlich eine Frage der Perspektive. Aus Sicht der Jugend dort im Auerhaus ist es keine schräge Gesellschaft. Es sind der Frieder und Höppner, Vera und Cecilia und Pauline und Harry. Und da ist jeder natürlich anders, aber alle sind anders anders. Ob da jemand aus der Norm fällt, ist nicht das erste Kriterium.

Was würden Sie jungen Leuten von heute raten, die nicht nach Schema F erwachsen werden wollen?

Bjerg: Ich kann mir schwer vorstellen, dass es so eine Art Entschluss dazu gibt. Es ergibt sich mehr oder weniger. Zum Beispiel daraus, dass es einem nicht attraktiv erscheint, wie die meisten Erwachsenen ihr Leben fristen. Und dann ist es gut, sich was zu suchen, was einen wirklich interessiert. Das wäre so mein grundsätzlicher Vorschlag, falls mich jemand fragen würde: Mach das, was dich interessiert, was dir Spaß macht! Mach keinen Beruf oder ein Studium, weil du dir davon irgendwann mal ein bestimmtes Einkommen versprichst. Bei uns verhungern die wenigsten. Aber es sind wahnsinnig viele Leute unglücklich, weil sie einen beknackten Beruf haben - und wenn er noch so viel abwirft. So ein altväterlicher Rat...

Haben Sie die Jugend von heute noch im Blick? Wissen Sie, wie die ticken?

Bjerg: Ich komme jetzt wieder dahin. Meine Tochter ist zwölf, das größte meiner drei Kinder. Man schliddert so langsam wieder da rein. Ich hatte lange nur wenig mit Jugendlichen zu tun.

Was sind da Ihre Ängste und Befürchtungen? Wovor wollen Sie Ihr Kind bewahren?

Bjerg: Puh, große Frage. Ich befürchte, dass der Druck, sich anzupassen, sehr groß ist und größer ist, als er zu meiner Zeit war. Das nehmen viele Jugendliche gar nicht unbedingt so wahr. Sie haben Angst, nicht so zu funktionieren, wie sie glauben, dass sie es müssen. Dieser Zwang zur Anpassung in der Schule war früher nicht so groß. Heute geht es um schulische Leistungen, die den Jugendlichen etwas bedeuten. Mir hat das nie etwas bedeutet. Noten in der Schule waren mir immer wurscht.

Es ja schon ein paar Jahre her, dass Sie „Auerhaus“ geschrieben haben. Jetzt kommt so eine Aktion wie „Bad Hersfeld liest ein Buch“. Was ist das für ein Gefühl, wenn ein Stoff, mit dem man eigentlich abgeschlossen hat, plötzlich wieder aktuell ist?

Bjerg: Das war immer wieder so in den letzten Jahren, dass ich mich damit beschäftigen musste - oder durfte, wie man es nimmt. Im Frühjahr war ich mit meinem italienischen Übersetzer in Italien unterwegs und habe das Buch überall vorgestellt. Und dann kam eine Anfrage aus der Ukraine, das Buch zu übersetzen. Also war ich dieses Jahr dreimal in der Ukraine. Das sind so Anlässe, bei denen man schlecht nein sagen kann. Ich bin also nie so ganz weggekommen von diesem Buch. Aber ich hoffe, dass Bad Hersfeld jetzt der letzte Anlass war.

Aber „Auerhaus“ ist doch jetzt Pflichtlektüre an vielen Schulen ...

Bjerg: Sie meinen, ich komme da nicht mehr raus? Na, für die Ewigkeit ist das ganz gut, oder fürs Denkmal.

Es sei denn, Ihr neuer Roman toppt das noch ...

Bjerg (lacht): Das wird er nicht!

Worum geht’s?

Bjerg: Es geht um einen Vater, der mit seinem Sohn dorthin fährt, wo er aufgewachsen ist. Der Vater heißt obskurerweise Höppner - und mehr will ich eigentlich nicht verraten.

Rubriklistenbild: © Thomas Landsiedel

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