Auch Bäcker von Kurzarbeit und Umsatzrückgang betroffen

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Eine Plexiglasscheibe trennt Verkäufer und Kunden: Brötchen, Brot und Kuchen dürfen noch verkauft werden. Trotzdem fürchtet das Bäckerhandwerk in Deutschland wegen der Corona-Krise Betriebsaufgaben. Auch die Bäckereien im Kreis Hersfeld-Rotenburg spüren den fehlenden Cafébetrieb. 

Hersfeld-Rotenburg – Brot und Brötchen zählen zu den Grundnahrungsmitteln.  Bäckereien dürfen trotz der Corona-Pandemie auch weiterhin öffnen und ihre Waren verkaufen.

Trotzdem sind gerade größere Bäckereibetriebe beziehungsweise deren Mitarbeiter bereits von Kurzarbeit betroffen, denn die Cafés müssen geschlossen bleiben und die Umsätze gehen zurück. Die „Kleinen“ hingegen kommen derweil mit dem Brotbacken kaum hinterher.

Plexiglaswände an den Theken, Markierungen, die das Abstandhalten erleichtern sollen, vermehrte Desinfektionsmöglichkeiten und ähnliche Maßnahmen sind bei allen Bäckern inzwischen Standard. Wo es geht, werden Abteilungen getrennt und Kontakte reduziert. „Die Hygienestandards im Lebensmittelbereich sind ohnehin hoch, nun wurden sie noch mal überarbeitet“, sagt Lena Katharina Dippel, die beim Schwälmer Brotladen für die Unternehmenskommunikation zuständig ist. Anfangs sei der Umsatz speziell beim Brot sogar gestiegen, berichtet sie ebenso wie Olaf Nolte von der Feinbäckerei Nolte, beide vermuten Hamsterkäufe. Inzwischen sei jedoch das Gegenteil eingetreten. Der fehlende Vor-Ort-Verzehr, der Café-Betrieb, sei deutlich zu spüren.

Auch der Schwälmer Brotladen mit insgesamt rund 1000 Mitarbeitern in der Region und drei Cafés beziehungsweise Verkaufsstellen im Kreis Hersfeld-Rotenburg, hat deshalb einige Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen. Bei Nolte ist das noch nicht Fall, nun müsse man die Entwicklung abwarten. „Wir denken von Tag zu Tag.“ Der Betrieb mit insgesamt gut 100 Beschäftigten hat sechs Geschäfte im Kreisgebiet und weitere in der Umgebung. Normalerweise werden auch Schulen und Kantinen beliefert. Eine positive Entwicklung, die Olaf Nolte festgestellt hat: „Der Verkaufswagen auf den Dörfern, hat eine Renaissance erlebt.“

Nicht nur die Abläufe im Betrieb, sondern auch das Sortiment angepasst hat man bei Guter Gerlach mit um die 20 Filialen allein in Hersfeld-Rotenburg und insgesamt rund 400 Mitarbeitern. Statt Schmand- gibt es nun Streuselkuchen, der sich länger hält, oder auch Teig zum Selbstbacken für zu Hause. Der fehlende Cafébetrieb und Snack-Verkauf mache sich natürlich bemerkbar, zudem würden die Kunden inzwischen verhaltener kaufen, berichtet Nicole Gerlach. Auch in ihrem Betrieb sei deshalb teils Kurzarbeit angesagt. „Wir versuchen für uns und unsere Kunden, das Beste aus der Situation zu machen und es möglichst fair für alle zu halten“, sagt Gerlach.

Bei Pappert mit insgesamt rund 1500 Mitarbeitern und sechs Filialen im Kreisgebiet macht das gastronomische Angebot ebenfalls einen Großteil des Geschäfts aus. In Einzelfällen findet dort nun Kurzarbeit statt, so Thomas Bertz, Leiter der Unternehmenskommunikation. Darüber hinaus zwinge die aktuelle Situation dazu, einerseits Entscheidungen rückgängig zu machen und andere vorzuziehen. So werden Mehrwegbecher zurzeit nicht mehr angenommen und auch die eigentlich verbannten Portionstütchen mit Zucker und Milch werden aus hygienischen Gründen jetzt wieder benutzt. Vorangetrieben werde indes die Ausstattung aller Filialen mit EC-Geräten.

Ganz andere Probleme hat Markus Reichhardt von der gleichnamigen Holzofenbäckerei in Schenklengsfeld, der seine Produkte außerdem auf Wochenmärkten und in Supermärkten verkauft. „Der Brotumsatz ist zuletzt deutlich gestiegen“, sagt er. Es werde so viel mehr Brot nachgefragt, dass sein rein auf Handarbeit ausgelegter Kleinbetrieb mit insgesamt 20 Mitarbeitern kaum mehr hinterherkomme.

Ähnlich geht es Bäcker Lars Inacker, der zwei Filialen in Heinebach und Rotenburg und knapp 30 Mitarbeiter hat. „Wir verkaufen mehr Brot und Brötchen und ab und zu auch Mehl und Hefe“, berichtet er. Das fehlende Café werde so wieder ausgeglichen. Auch bei ihm werde zudem der Verkaufswagen nun stärker frequentiert – und erstmals seit vielen Jahren backt Inacker wieder Toastbrot für einen Supermarkt.

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