Letzte Aufführung am Dienstag, 6. Juni, im Audimax

Angst um den Akku: Theater AG der MSO spielt "1984 durchgestrichen"

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Folter und Hypnose: Schmidt, gespielt von Anthony Isaak, wird von der FIRMA aufgespürt und so lange beeinflusst, bis er wieder Teil der digitalen Welt ist. Hinter ihm Elias Christen als Ingenieur der FIRMA.

Ein Leben ohne Internet ist für viele Menschen nicht mehr denkbar. Das will die Theater-AG der MSO mit ihrer Inszenierung des Stücks „1984 durchgestrichen“ verdeutlichen.

Whatsapp, Twitter, Facebook, Online-Shopping und Co.: Ein Leben ohne das Internet ist für viele Menschen nicht mehr denkbar. Genau das will die Theater-AG der Modellschule Obersberg in Bad Hersfeld mit ihrer Inszenierung des Stücks „1984 durchgestrichen“ von Bernd Liepold Mosser verdeutlichen – am Dienstagabend, 6. Juni, wird das Stück zum letzten Mal gezeigt.

Die Inszenierung beginnt nicht erst auf der Bühne: Betritt man das Audimax der Modellschule, wird man zuerst recht förmlich begrüßt und gebeten, sich zu registrieren. Man wird zu Fragebögen geführt, die persönliche Daten sowie das Medienverhalten der Gäste abfragen.

In anderen Inszenierungen undenkbar: Bevor das Stück beginnt, wird man aufgefordert, die Handys sowie den Ton wieder anzuschalten, Anrufe dürfe man während der Aufführung gerne entgegennehmen. Selbst ein Wlan-Passwort wird den Gästen zur Verfügung gestellt. Immerhin geht es in dem Stück um die Abhängigkeit von Mobiltelefon und Internet.

An die Technik verloren: Von links die BIG SIS, gespielt von Aresu Balutsch, Schmidt und Julia, gespielt von Lioba Wachtel, die sich von ihrem Partner abwendet.

Der Kern der Geschichte ist die Speicherung aller Daten im Netz. Dies geschieht durch die „BIG SIS“ und ihre Firma im Silicon Valley. Die Firma kennt nicht nur die Daten, die wir freiwillig im Netz preisgeben, sondern auch anderweitig gespeicherte Daten, wie unser Einkaufs-, Reise- und Fahrverhalten. Wir liefern Bilder, zwitschern unsere Wünsche um die Welt und vertrauen Apps unsere privatesten Unterhaltungen an. „Sie selbst sind zur Quelle geworden“, heißt es dann, „Du hast es gerne bequem, doch das hat seinen Preis“.

Die Protagonisten des Stücks, Julia und Schmidt, sind ein Paar. Beide leben online und sind glücklich miteinander. Doch für Julia wird die Liebe zum Smartphone immer größer, während sich Schmidt zunehmend von der Technik distanziert. Er entschließt sich letztendlich offline zu gehen, flieht sogar in die Wälder, um der Überwachung zu entkommen, doch das gelingt ihm nicht. Die Firma spürt ihn auf, foltert ihn und beeinflusst ihn, bis seine Antworten wieder stimmen: „Was bedeutet Paradies?“ „Die permanente Erreichbarkeit“. Seine größte Angst ist nun wieder die beschränkte Akkuleistung seines Smartphones.

Das Stück thematisiert ein sehr aktuelles Thema. Die dargestellte Dystopie vermag es vielleicht, dem einen oder anderen Zuschauer die Augen zu öffnen. Geringstenfalls schafft es die Theater-AG, das Publikum über ihr Medienverhalten nachdenken zu lassen.

„1984 – durchgestrichen“ wird am Dienstag ab 19.30 Uhr noch einmal aufgeführt. Karten gibt es ab 19 Uhr an der Abendkasse im Audimax der Modellschule Obersberg. Schüler zahlen drei Euro, Erwachsene fünf Euro.

Von Laura Böhnert

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