Unter Alkoholeinfluss

Angriff auf Polizei und Sanitäter: So reagieren Retter 

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Hersfeld-Rotenburg. Selbstverteidigung und deeskalierende Gesprächsführung – darin werden Rettungssanitäter ausgebildet. Die Notwendigkeit zeigt die Attacke gegen Rettungskräfte.

Nach dem Genuss von reichlich Alkohol war ein 50-jähriger Mann im Bad Hersfelder Stadtteil Heenes eine Treppe hinunter gestürzt. Vor Ort wurden die herbeigeeilten Sanitäter körperlich angegriffen – auch von dem Verletzten im Rettungswagen, der den Wagen noch kurzzeitig wieder verließ. Die Sanitäter verbarrikadierten sich vorübergehend im Rettungswagen, während die zu Hilfe gerufenen Polizeibeamten von einem 51-Jährigen mit einer Dachlatte bedroht und attackiert wurden. Die Beamten konnten jedoch ausweichen und blieben unverletzt. Der Mann flüchtete ins Haus. Die Polizisten mussten die Haustür aufbrechen und bemerkten im Flur einen geöffneten Waffenschrank. Auf einem Sideboard lag eine Pistole, für die man keinen Waffenschein braucht, eine sogenannte PTB-Waffe.

Die Polizeibeamten zogen sich aus dem Haus zurück und umstellten es. Nach mehreren Aufforderungen kam der 51-Jährige aus dem Haus und ließ sich festnehmen. Der vom Treppensturz verletzte Mann konnte zwischenzeitlich ins Krankenhaus gebracht werden.

Gegen die beiden Männer laufen nun Ermittlungsverfahren. Es geht um Widerstand und tätlichen Angriff gegen Staatsbeamte, denen Rettungssanitäter gleichgestellt sind, um Beleidigung und Bedrohung und versuchte Körperverletzung, erklärte Pressesprecher Christian Stahl vom Polizeipräsidium Osthessen. Ob auch ein Verstoß gegen das Waffengesetz vorliegt, ist noch offen. In dem Haus, zu dem die Sanitäter gerufen worden waren, hatten Beamte weitere erlaubnisfreie Waffen gefunden.

Gesprächsangebot

Den beiden Sanitätern, die dem DRK-Kreisverband Hersfeld angehören, werden Gespräche angeboten, um den Vorfall zu verarbeiten, berichtete der Leiter des Rettungsdienstes, Björn Wettlaufer. Dafür gebe es einen eigens geschulten Mitarbeiter. Am wichtigsten jedoch seien die Gespräche mit den Kollegen, glaubt er. Sie könnten sich am ehesten in die Lage der beiden Betroffenen einfühlen. Deeskalierende Gespräche Für solche Situationen wie in Heenes gebe es die klare Anweisung „Rückzug“, erläuterte Wettlaufer. Die Sanitäter sollten sich verbarrikadieren. Die Mitarbeiter würden in jährlichen Fortbildungen im Bereich Deeskalation geschult, übten also die entsprechende Gesprächsführung. Das gibt es auch im Kreisverband Rotenburg. Die dortigen Mitarbeiter werden zudem in Selbstverteidigung, konkret im Abwehrverhalten, geschult, erklärte Geschäftsführer Alexander Stephan. Solche Fälle wie in Heenes seien jedoch die absolute Ausnahme. Beim Kreisverband Hersfeld hat man dagegen eine leichte Zunahme von Aggressionen gegen die Retter registriert – besonders, wenn Alkohol und Drogen im Spiel sind. Die Haltung gegenüber der Helfer habe sich in Teilen der Gesellschaft verändert. Man sehe die Mitarbeiter mehr als Dienstleister denn als persönliche Helfer in Not an.

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