Vorwurf: Schwere Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Bedrohung

Angeklagter verbrachte die Hälfte seines Lebens in Haft

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Symbolbild Gericht

Fulda/Bad Hersfeld. Ein 60-jähriger Bad Hersfelder muss sich zurzeit wegen schwerer Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Bedrohung vor dem Landgericht Fulda verantworten. 

Wenn er getrunken hat, dann verliert er schnell die Kontrolle und wird aggressiv. Das weiß der 60-jährige Bad Hersfelder, der insgesamt knapp 30 Jahre seines Lebens in Haft war, auch und räumte es vor der ersten großen Strafkammer des Landgerichts Fulda offen ein.

Die Straftaten, wegen derer er sich zurzeit verantworten muss – gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Bedrohung – will er Mann jedoch nicht begangen haben. Aussagen will er dazu während des nächsten Gerichtstermins am Mittwoch.

Geschlagen und getreten

Vorgeworfen wird dem Angeklagten, er sei am 20. Februar 2017 in seiner Wohnung „Am Neumarkt“ nach einem Trinkgelage mit einem Bekannten aneinander geraten, habe mehrfach mit den Fäusten auf ihn eingeschlagen und ihn so fest getreten, dass der Mann bewusstlos wurde. Der Geschlagene erlitt großflächige Kopfplatzwunden, eine Nasenbeinfraktur, mehrere Rippenbrüche, eine Milzverletzung und multiple Prellungen.

Einen weiteren Streit zwischen den beiden Männern gab es am 11. Juli 2017 in der Wohnung des Zeugen. Hier versuchte eine Bekannte zu schlichten und soll dann ihrerseits mit dem Tod bedroht worden sei. Dem Bekannten soll er ein Messer an den Hals gehalten haben. Am darauffolgenden Tag habe der 60-Jährige, so die Anklage, bei der Frau angerufen und ihr gedroht, er werde sie umbringen.

Aus der Bahn geworfen hat den 60-jährigen Bad Hersfelder nach eigenen Angaben der frühe Tod seiner ersten Frau. Sie starb kurz nach der Hochzeit. Da war der Angeklagte 19 Jahre alt, berichtete er dem Gericht unter Vorsitz von Richter Josef Richter. Danach brach er aus seinem behüteten Leben, das durch die geplante Übernahme des väterlichen Betriebes vorgezeichnet war, aus und fing an zu trinken. Er überwarf sich mit den Eltern, wurde straffällig und war auch eine Zeit lang im Rotlichtmilieu tätig. 

25 Vorstrafen, 30 Jahre hinter Gittern

Knapp eine Stunde dauerte die Verlesung der Vorstrafen des 60-Jährigen. 25 mal hat er bereits vor Gericht gestanden, wegen Betruges, Raubes, wegen Trunkenheitsfahrten, Fahrens ohne Führerscheins, Diebstahls, Hehlerei, Unterschlagung, räuberischer Erpressung, Zuhälterei, Autodiebstahls, schwerer Brandstiftung, Geldfälschung und immer wieder wegen gefährlicher Körperverletzung. Als sich abzeichnete, dass seine zweite Frau wegen einer Erkrankung nicht mehr lange leben würde, beschlossen die beiden im Jahr 2003 abzutauchen und sich ein schönes Leben zu machen. Dabei prellten sie Gastronomiebetriebe in der Region um tausende von Euros, kauften in Bad Hersfeld und Fulda teuren Schmuck und schicke Kleidung.

Immer wieder erhielt der Angeklagte, der insgesamt knapp 30 Jahre im Gefängnis saß,  in all den Jahren die Chance, sich zu bewähren. Gelungen ist ihm das nie. „Ich bin einfach zu schwach gewesen“, sagte er auf Anfrage von Richter Richter. „Ich bin einfach nicht stabil. Vielleicht bin ich zu sensibel für diese Welt“, sagte der Mann, der mehrere Frauen und Männer krankenhausreif geschlagen oder mit Messern verletzt hat und der bedenkenlos den Auftrag für eine Brandstiftung erteilte, bei der noch 22 Menschen im Haus waren und bei der sein Helfershelfer schwerste Verletzungen erlitt. 

Gesundheitlich schwer angeschlagen

Der 60-Jährige ist selbst gesundheitlich schwer angeschlagen. Er leidet an Herzschwäche und kann nur zwei Stunden lang an der Verhandlung teilnehmen. Zu seiner Sicherheit sitzen ein Notzarzt und zwei Sanitäter im Gerichtssaal. 

Zweimal hat der Angeklagte Alkoholentzugsbehandlungen versucht, blieb jedoch nur wenige Wochen trocken. Jetzt möchte er, so erklärt sein Verteidiger Achim Groepper, zurück in ein bürgerlisches Leben. Die Taten habe er so nicht begangen, behauptet der Angeklagte und kündigt für den nächsten Tag eine Aussage zur Tat an.

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