Jugendschöffengericht

Drogen: Angeklagte haben Chance für reinen Tisch verpasst

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Wegen des Besitzes größerer Mengen Drogen und wegen Drogenhandels standen zwei junge Männer aus Bebra und Rotenburg vor dem Jugendschöffengericht.

Mit einem blauen Auge, symbolisch gesprochen, ist ein 19-Jähriger aus Bebra davongekommen, der sich am Montag vor dem Jugendschöffengericht nicht nur wegen des Besitzes einer größeren Menge Drogen verantworten musste, sondern auch wegen Drogenhandels.

Mehr als 73 Gramm hatte der damals 17-Jährige dabei, als er im September 2017 von der Polizei in Bad Hersfeld geschnappt wurde. Das sei alles für den Eigenbedarf gewesen, behauptete er zunächst, räumte später dann aber ein, auch für Bekannte eingekauft zu haben – eine Sammelbestellung sozusagen. Schon diese Informationen musste ihm Michaela Kilian-Bock, die Vorsitzende des Schöffengerichts, aus der Nase ziehen. Dabei hatte sie zu Beginn der Verhandlung beide Angeklagte eindringlich ermahnt und darauf hingewiesen, dass sie jetzt die Gelegenheit hätten, reinen Tisch zu machen und damit das Gericht von ihrer positiven Entwicklung zu überzeugen. Angeklagt war noch ein weiterer 19-Jähriger aus Rotenburg, der gemeinsam mit dem Bebraer festgenommen worden war und der Material (kleine Tütchen, die für die Portionierung von Drogen benötigt werden) bei sich hatte, das auf Aktivitäten im Drogenhandel hindeutete,

Beide Angeklagte nutzten diese Chance nicht und gestanden nur, was ohnehin nicht zu leugnen war.

Auf den Mobiltelefonen waren jedoch mehrere Kommunikationen zwischen den beiden gespeichert, die eindeutig darauf hinwiesen, dass auch mit verschiedenen verbotenen Substanzen Handel getrieben wurde. Entsprechende Korrespondenzen trug Staatsanwalt Patrick Greyer vor. Da jedoch nirgendwo etwas davon stand, dass diese Geschäfte tatsächlich stattgefunden hatten, wurde dieser Teil des Verfahrens auf Drängen der Verteidiger Jochen Kreissl und Harald Karsten eingestellt. Eine Schuld konnte nicht nachgewiesen werden, auch wenn alle Beteiligten wussten, worüber gesprochen worden war.

Für einen der beiden Angeklagten war der Prozess an dieser Stelle zu Ende. Allerdings liegt gegen ihn bereits die nächste Anklage wegen eines Drogendeliktes vor. Und dann könnte auch die Frage, ob er im September 2017 diesbezüglich aktiv war, eine Rolle spielen. Der andere Angeklagte, der die 73 Gramm Marihuana bei sich hatte, kam nicht so einfach davon. Da er jedoch zum Tatzeitpunkt Jugendlicher war, auch ihm Drogengeschäfte nicht nachgewiesen werden konnten und er zudem seither nicht mehr auffällig geworden ist und inzwischen einer geregelten Arbeit nachgeht, beließ es das Gericht bei einer Verwarnung und einer Geldauflage in Höhe von 1400 Euro, die in monatlichen Raten an eine Drogenhilfeeinrichtung in Rotenburg gezahlt werden soll.

Staatsanwalt Greyer hatte eine Geldauflage in Höhe von 1700 gefordert. Vom Verhalten und der fehlenden Einsicht der beiden jungen Männer zeigte sich Richterin Michaela Kilian-Bock dennoch enttäuscht. (zac)

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