Konzert in Bad Hersfeld am 4. April

Andreas Cisek von Truck-Stop: „Country steht für Spaß am Leben“

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Andreas Cisek, Sänger und Gitarrist von der Country-Band Truck Stop.

Bad Hersfeld – Die Cowboys von der Waterkant kommen nach Bad Hersfeld: Am 4. April spielt Deutschlands erfolgreichste Country-Band Truck-Stop in der Stadthalle.

Mit deren Sänger und Gitarristen Andreas Cisek sprach Kai A. Struthoff.

Der wilde, wilde Westen fängt gleich hinter Hamburg an, heißt es in einem der bekanntesten Songs von Truck Stop. Warum ist das so?

Hinter Hamburg liegt Maschen, an der Autobahn. Dort war früher das Studio, in dem die legendären Hits von Truck Stop entstanden sind und alle Ideen für die Band entwickelt wurden. Vom Studio Maschen aus, startete die Karriere. Das zeigte damals schon, dass es in Deutschland viele Fans der Country-Music gibt.

In den USA sind die Country-Sänger Super-Stars. In Deutschland gibt es außer Truck Stop eigentlich nur Tom Astor und früher Gunter Gabriel und danach ruht still die Prärie. Warum hat es die Country-Musik hier so schwer?

Ich weiß gar nicht, ob es diese Musikrichtung hier schwer hat. Außerdem bin ich ganz froh, dass wir nicht so wahnsinnig viel Konkurrenz haben, wie die Country-Stars in Amerika. Wir sind allein auf der weiten Prärie und können uns so richtig ausbreiten.

Die Cowboys an der Waterkant: Die Country-Band Truck Stop kommt nach Bad Hersfeld.

Truck Stop tritt seit jeher mit Cowboyhüten, spitzen Stiefeln und Fransenjacken auf. Liegt es vielleicht an diesem etwas klischeehaften Outfit, weshalb manche hierzulande die Country-Szene belächeln?

Jede Art von Verkleidung wird von irgendwem belächelt. Unsere Fans würden es uns übel nehmen, wenn wir diese „Kostümierung“ weglassen würden, denn das sind sie von uns gewohnt und die Fans können sich mit uns identifizieren. Das können sie nachmachen und damit ein Zeichen setzen, dass sie zu uns gehören. Unseren Mädels und Jungs ist das wichtig. Wer uns deshalb von oben herab betrachtet und belächelt, den finde ich persönlich ziemlich arrogant.

Song wie „Ein Bett im Kornfeld“ oder „Lucille“ stammen eigentlich aus der Country-Musik, laufen bei uns aber eher in der Rubrik Schlager. Was unterscheidet die Genres?

Country-Music ist genre-übergreifend. In Ami-Land war das schon immer so. Wir sind das Bindeglied zwischen Volksmusik, Pop und Schlager und bedienen uns mit einem guten Gefühl überall, denn jede Art von Musik hat ihre Berechtigung. Wir nehmen uns von allen Genres das Beste für unsere Musik.

Seit über 45 Jahren ist Truck Stop on the road – fast so lange wie die „Stones“. Was treibt den Country-Motor an?

Das ist die große Freude, auf der Bühne zu stehen und eben diese Musik zu spielen. Das macht einfach Spaß. Wir sind mittlerweile eine Drei-Generationen-Band, genau wie unser Publikum, wo auch die Eltern mit Großeltern und Kindern zu unseren Konzerten kommen. Das wird auch wieder bei unserer Frühjahrstournee „Ein Stückchen Ewigkeit 2019“ so sein.

Dave Dudley, Hank Snow und Charlie Pride, die der einsame Fernfahrer in einem anderen Truck-Stop-Song so gerne hören möchte, kennen nur noch alte Cowboys. Wo finden sie heute ihre Themen?

Die Themen finden wir unterwegs, zum Beispiel, wenn wir auf Tour sind. Auf unserem neuen Album gibt es einen Song, der heißt „Die Männer der Bahn“. Auf einer Zugfahrt von der Schweiz nach Süd-Tirol haben wir die ganzen Tunnel, Viadukte und Brücken gesehen. Dieser Song soll all die harten Jungs ehren, die das mal gebaut haben. Manchmal kommen auch Anregungen von den Fans, die uns erzählen, was sie so machen, und ob wir nicht mal darüber einen Song schreiben wollen.

Was erwartet die Fans in Bad Hersfeld. Hören wir auch die alten Songs?

Wir werden natürlich mit den Fans abheben in den wilden Westen und auch mit unseren großen Hits – natürlich, das muss sein. Aber es gibt auch einen Querschnitt von neuen Songs und Sachen im Stil von Johnny Cash. Zum Beispiel gibt es den Song „Helden“, wo wir unsere leider verstorbenen Bandgründer Cisco Berndt und Lucius Reichling ehren.

Leben Sie den Country-Style auch privat und fahren mit ihrem Pick-up zum Einkaufen im Supermarkt in den Sonnenuntergang?

Country-Style steht für uns für Begriffe wie Freiheit, Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und jede Menge Spaß am ursprünglichen Leben. Ansonsten bin ich ein Familienmensch, verbringe Zeit mit meiner Freundin und Tochter. Dann gehen wir auch einkaufen und kochen zusammen – gern auch mit unserem Schlagzeuger „Teddy“.

Und da gibt's nicht nur Steaks und Bohnen?

(lacht) Nee, wir sind richtige Küchencowboys und kochen gern auch mit Gästen, zum Beispiel auch mit anderen Musikern. Ansonsten sind wir aber ganz geerdete Leute, so wie du und ich ...

...aber den Cowboyhut tragen Sie auch privat?

Dazu ist es bei uns im Hamburg zu windig – der fliegt ja sofort weg.

Zur Person

Andreas Cisek wurde 1958 in Hamburg geboren und bekam mit 14 Jahren seine erste Gitarre. Nur drei Monate später gründete er seine Rockband „Pace“. 1977 begann er eine Tischlerlehre und arbeitete danach in seinem Beruf, während er nebenbei Musik machte. In seiner Bundeswehrzeit wurde er Gitarrist beim Heeresmusikkorps und machte danach die Musik zu seinem Beruf. Er spielte für Musiker wie James Last und die Gruppe „Santiano“ und schrieb Songtexte. 1990 lernte er Uwe Lost kennen und begann erste Texte für Truck Stop zu schreiben. Ab 1995 sprang er auch als Sänger und Bassist immer wieder bei der Band ein. Seit 2012 ist er festes Mitglied von Truck Stop. Seine Hobbys sind Musik, Rad fahren und „Zeit an der Nordsee verbringen“. Er spielt Gitarre, Bass und Mundharmonika.

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