Erst rempeln, dann prügeln

Amtsgericht: Mann aus Bad Hersfeld schlug Schüler nieder

Bad Hersfeld. Da er einen 14-jährigen Jungen auf offener Straße verprügelte, musste sich ein 38-jähriger Mann aus Bad Hersfeld wegen Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten.

Die Tat, bei der das Opfer laut Anklage schwere Verletzungen und gesundheitliche Schäden davontrug, ereignete sich am 23. Februar 2017 in der Dudenstraße in der Hersfelder Innenstadt. Auslöser soll hierbei ein Zusammenstoß gewesen sein, auf den ein heftiger Streit folgte.

Laut Aussage des Angeklagten habe ihn der Jugendliche im Vorbeigehen angerempelt und anschließend mehrfach lautstark beleidigt. Nach wiederholter Aufforderung, dies zu unterlassen, habe der Angeklagte sich gezwungen gesehen, mit Gewalt zu reagieren.

Zeugen haben etwas anderes beobachtet

Mit den weiteren Zeugenaussagen, unter anderem eines Freundes des Opfers sowie eines unbeteiligten Passanten, deckte sich seine Geschichte jedoch nicht.

Der Angeklagte selbst habe den Schüler angerempelt, woraufhin dieser lediglich eine Bemerkung seinem Freund gegenüber äußerte. Daraufhin kehrte der Angeklagte zurück, packte das Opfer an den Schultern und drängte es gegen die nächste Hauswand. Anschließend riss er den Jungen zu Boden und fixierte ihn mit den Knien auf Brustkorb und Kopf, was es ihm unmöglich machte, sich zu befreien. Als der Täter anfing, auf den am Boden Liegenden einzutreten, griffen Passanten in den Überfall ein, sodass der Angeklagte laut Aussagen der Zeugen die Flucht ergriff. Dieser konnte später anhand von Handyfotos identifiziert werden und wurde somit vom Hersfelder Amtsgericht vorgeladen.

Prellungen und Platzwunde

Der Fall wurde vor dem Jugendgericht verhandelt, da das Opfer zum Tatzeitpunkt erst 14 Jahre alt war.

Der Schüler aus Nentershausen kam nach dem Angriff in das Hersfelder Klinikum, wo mehrere Prellungen sowie eine Platzwunde festgestellt wurden. Laut Aussage des Jungen leide er noch immer unter den Folgen des Übergriffs.

In seinem Schlussplädoyer attestierte Staatsanwalt Michael Craß dem Angeklagten ein überaus kindliches Verhalten, da eine solche Reaktion in keinem Fall gerechtfertigt sei.

Um schwere Körperverletzung handle es sich jedoch nicht, da laut Artikel 224 des Strafgesetzbuches beispielsweise ein gefährliches Tatwerkzeug nötig ist, was hier nicht der Fall sei. Da der Angeklagte während des Prozesses jedoch keinerlei Reue zeigte und sich nicht auf die Verhandlungen einließ, forderte er eine Geldstrafe von 35 Tagessätzen à 90 Euro.

Jugendrichterin Michaela Kilian-Bock senkte die Strafe auf 30 Tagessätze à 60 Euro, da der Angeklagte keine Vorstrafen vorweise und nicht vorbelastet sei. Ihrer Auffassung nach wäre sogar ein Täter-Opfer-Ausgleich möglich gewesen, die Tat bezeichnet sie jedoch ganz klar als „No-Go“.

Von Laura Böhnert

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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