Landrat: Bedeutet für uns keine Veränderung

Hessen stellt Corona-Eskalationskonzept vor: Landkreis Hersfeld-Rotenburg steht auf Grün

131 Tage nach dem ersten Corona-Fall in Hessen hat das Land ein Eskalationskonzept verabschiedet, um künftig gezielt auf regionale Virusausbrüche reagieren zu können.

Die Corona-Warn-App weist Nutzer darauf hin, ob man mit Infizierten Kontakt gehabt hat.

Basis für die fünfstufige „Corona-Ampel“ ist die Sieben-Tage-Inzidenz in den Landkreisen und Städten, also die Anzahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche.

Demnach gelten bis zu 20 Fälle in sieben Tagen als normal (Grün). Ab 20 Neuinfektionen springt die Ampel auf Gelb, es gilt dann formal erhöhte Aufmerksamkeit. Ab 35 positiven Coronatests (Orange) muss der Covid-19-Planungsstab des Sozialministeriums eingebunden werden. Rot wird die Ampel bei mehr als 50 Fällen: Dann muss ein konsequentes Beschränkungskonzept umgesetzt werden. Ab 75 Neuinfektionen würde der Planungsstab des Ministeriums die Steuerung der medizinischen Lage komplett übernehmen (Dunkelrot). Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg liegt die Inzidenz aktuell bei 10,8. Die Ampel steht also auf Grün. Der bislang höchste Wert datiert vom 6. April. Damals lag er bei 64,6.

Mit dem Konzept „stellen wir sicher, dass ein möglicher erneuter Anstieg der Infektionszahlen schnell eingedämmt werden kann“, teilten Sozialminister Kai Klose (Grüne) und Innenminister Peter Beuth (CDU) mit. Komme es künftig in einem klar eingrenzbaren Bereich, etwa in einem Pflegeheim, zu vermehrten Infektionen, „kann das Beschränkungskonzept auch nur die betroffene Einrichtung umfassen“. Bei einem unübersichtlichen Corona-Ausbruch mit unklaren Infektionsketten müssten jedoch regionale oder gar überregionale Beschränkungen umgesetzt werden.

Landrat Dr. Michael Koch (CDU) reagierte entspannt auf die Corona-Ampel. „Die Einführung eines verbindlichen Frühwarnsystems bringt für uns keinerlei Veränderung, da wir das Infektionsgeschehen auf lokaler Ebene bereits seit Beginn der Pandemie engmaschig begleiten. Wir haben intern Maßnahmen für ein rechtzeitiges Eingreifen vereinbart, noch bevor die jetzt vom Land vorgestellten Zahlen greifen.“ Ohnehin seien die Zahlen im Kreis auf niedrigem Niveau. „Daher hoffen wir, dass wir die Maßnahmen der Corona-Ampel nicht benötigen.“

1. Stufe: Grün

Bei weniger als 20 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage spricht das Land von „Routinebetrieb“. Bei Infektionsfällen gelte die „routinemäßige, unverzügliche, vollständige Kontaktpersonennachverfolgung und lückenlose Dokumentation“. Die Kapazitäten der sogenannten Kontaktpersonennachverfolgungsteams müssen sichergestellt werden. Demnach müssen fünf Personen pro 20 000 Einwohner „jederzeit kurzfristig zur Verfügung stehen“. Landkreise müssen zudem mögliche Beschränkungskonzepte unter Berücksichtigung regionaler Besonderheiten für begrenzt lokalisierbare sowie nicht lokalisierbare Ausbruchsgeschehen vorbereiten.

2. Stufe: Gelb

Auf Gelb springt die Corona-Ampel ab 20 Neuinfektionen. Diesen Grenzwert hatte der Landkreis Hersfeld-Rotenburg zuletzt 24. Juni überschritten. Sollten die Fälle wieder zunehmen und die Inzidenz auf über 20 steigen, gilt formell „erhöhte Aufmerksamkeit“. Konkret sieht das Eskalationskonzept die „sofortige schriftliche Information über das Infektionsgeschehen“ an das Hessische Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen sowie ans Sozialministerium und eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit vor. Die „bewährten lokalen Krisengremien“ müssen unmittelbar einberufen werden. Zudem muss die Sicherstellung der ambulanten und stationären medizinischen Versorgung überprüft und „bedarfsgerecht“ unterstützt werden. Darüber hinaus ist vorgesehen, dass verstärkte Corona-Tests auf Anordnung des Gesundheitsamtes ermöglicht werden.

3. Stufe: Orange

Ab 35 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche muss das Gesundheitsamt des betroffenen Landkreises das Sozialministerium unverzüglich informieren, das dann „eine Alarmmeldung ans das RKI“ (Robert-Koch-Institut) sendet. Sollte zusätzliches Personal für die Nachverfolgung der Infektionsketten benötigt werden, kann der betroffene Landkreis auf den vom Land aufgebauten Personalpool zurückgreifen. Zudem wird der Covid-19-Planungsstab des Sozialministeriums eingebunden. In dem Konzept heißt es auch: „ Insbesondere sind kontaktbeschränkende Maßnahmen sowie die weitergehende Schließung von Einrichtungen und Betrieben, die im Zusammenhang mit dem Ausbruchsgeschehen stehen, zu erwägen.“

4. Stufe: Rot

Auf Rot springt die Corona-Ampel bei einer Sieben-Tage-Inzidenz ab 50. Rückblickend wäre das im Landkreis im Zeitraum vom 3. bis 8. April der Fall gewesen. Im Wiederholungsfall gilt laut dem neuen Konzept ergänzend zu den Vorgaben der vorigen Stufen die „sofortige Umsetzung eines konsequenten Beschränkungskonzepts in Abhängigkeit von der Art des Infektionsgeschehens vor Ort unter Einbeziehung der zuständigen Landesbehörden.“ Je nach Infektionsgeschehen müssen Einrichtungen, Betriebe und Begegnungsstätten geschlossen und Zusammenkünfte untersagt werden. Auch der ÖPNV, Fern- und Individualverkehr müssen überprüft und können bei Bedarf eingeschränkt werden. Die betroffene Region kann Unterstützungspersonal vom RKI anfordern. Vorgesehen ist auch eine enge, regelmäßige Abstimmung des Krisenmanagements mit dem Covid-19-Planungsstab im Ministerium, das wiederum mit dem koordinierenden Krankenhaus des Versorgungsgebietes in Kontakt steht.

5. Stufe: Dunkelrot

Dunkelrot wird die Ampel bei mehr als 75 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner. Zur Einordnung: Im Landkreis gab es bislang noch keinen einzigen Tag mit derart hohem Inzidenzwert. Der Rekord liegt bei 64,6 am 6. April. Das Eskalationskonzept des Landes sieht für die fünfte Stufe vor, dass dann das Land eingreift und die Steuerung der medizinischen Lage übernimmt. Zudem muss dann das Sozialministerium klären, ob ein landesweites Infektionsgeschehen vorliegt oder weitere lokale Maßnahmen und Mobilitätseinschränkungen ausreichend sind.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler

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