Verdi fordert mehr Urlaubstage und Urlaubsgeld 

Bei Amazon in Bad Hersfeld wird wieder gestreikt

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Seit nunmehr sechs Jahren wird bei Amazon in Bad Hersfeld für einen Tarifvertrag gestreikt - das Bild entstand bei einer Streikversammlung in der Schilde-Halle.

Seit Beginn der Frühschicht am Dienstag wird bei Amazon in Bad Hersfeld wieder gestreikt. Das Ziel der Streikenden: Spürbar mehr Geld und ein Tarifvertrag.

Der Ausstand wird über alle Schichten bis Mittwochnacht fortgesetzt, teilt die Gewerkschaft Verdi mit. Diese ruft im Rahmen der Tarifrunde 2019 des Einzel- und Versandhandels Hessen auch Beschäftigte in nicht tarifgebundenen Unternehmen wie Amazon Bad Hersfeld auf, für eine Lohnerhöhung und für die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen Druck zu machen.

„'Ohne uns kein Geschäft' ist das Motto in der diesjährigen Tarifrunde und man muss immer wieder betonen, dass das Geschäft bei Amazon außerordentlich gut läuft, aber für die Mitarbeiter zu wenig getan wird", sagt die zuständige Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke. „Wir haben jetzt Ferienzeit und bei Amazon wird kein Urlaubsgeld bezahlt. Tarifverträgliche Bezahlung bedeutet mehr Urlaubstage und Urlaubsgeld. Die Mitarbeiter von Amazon haben das verdient, denn sie sorgen dafür, dass die Waren zu den Kunden kommen."

Verdi fordert in der laufenden Tarifrunde für den Einzel- und Versandhandel Hessen eine Erhöhung der Löhne- und Gehälter von einem Euro mehr pro Stunde und die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen. Amazon sei nach wie vor nicht tarifgebunden und zahle weniger als Verdi bei Anwendung der Tarifverträge des Einzel- und Versandhandels in Hessen fordert. In den vergangenen Jahren habe Amazon allerdings Lohnerhöhungen gewährt, die sich an den an den Tarifsteigerungen im Einzelhandel orientiert haben.

Die regelmäßigen Streiks bei Amazon dauern inzwischen rund sechs Jahre an. 

Der Online-Händler betont stets, dass man auch ohne Tarifvertrag ein fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber sein könne. "Wir bezahlen in unseren Logistikzentren am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten üblich ist. In Bad Hersfeld beginnen die Mitarbeiter mit einem Lohn von umgerechnet 11,18 Euro brutto pro Stunde. Nach 24 Monaten sind es in Bad Hersfeld im Durchschnitt 2.266 Euro brutto im Monat, inklusive leistungsbezogene Boni und Jahressonderzahlung", hieß es erst im Mai. Zusätzlich profitierten Mitarbeiter von Aktien und weiteren Zusatzleistungen wie Sondervergütung für Überstunden, Lebens- und Erwerbsunfähigkeitsversicherung, Beiträgen für die betriebliche Altersvorsorge oder das "Career Choice"-Programm, über das bis zu 95 Prozent der Kursgebühren und Literaturkosten für eine Aus- und Weiterbildung übernommen werden. 

Für den Job als Versandmitarbeiter seien keine Vorqualifikationen erforderlich. (red/nm)

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